Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Peter Swanson – Die Unbekannte

Inhalt

George Foss hatte nicht gedacht, dass er sie jemals wiedersehen würde, bis er Liana eines Nachts in seiner Lieblingsbar in Boston erblickt. Er weiß nur zu gut, dass er sich von ihr fernhalten sollte, doch seit zwanzig Jahren kann er diese Frau nicht vergessen. Und nun ist sie zurückgekommen, um George um einen Gefallen zu bitten, der ihn in große Gefahr bringen wird. Trotzdem willigt er ein, ihr zu helfen, denn Liana ist die Einzige, die er jemals wirklich geliebt hat. Drei Menschen werden sterben, ein Vermögen in Diamanten wird verschwinden, und es ist kaum vorstellbar, dass George all das überleben könnte … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Die Unbekannte“ ist ein spannungsgeladener Mystery-Thriller – wenn er ein Film wäre, würde ich ihn als Noir á la Hitchcock bezeichnen: die unheilvolle Atmosphäre, die undurchsichtigen Charaktere, die rätselhaften Begebenheiten, sowie die meisterhafte Dramaturgie, die sich zum Ende hin entfaltet. Peter Swanson – Die Unbekannte weiterlesen

Helene Tursten – Schneenacht

Kriminalinspektorin Embla Nyström besucht gerade ihren Onkel im ländlichen Dalsland, als in der Nähe eine männliche Leiche gefunden wird. Da die örtliche Polizei zur gleichen Zeit mit einem anderen Todesfall beschäftigt ist, wird Embla zu Hilfe gerufen. In einer einsamen Hütte im Wald liegt ein Toter mit Einschusslöchern in Kopf und Brust. Embla erkennt ihn sofort wieder: Es handelt sich um Milo Stavic, den mutmaßlichen Entführer ihrer besten Freundin Lollo.

In der Mordnacht geschah auf einer großen Party ein weiterer Mord, daher begleitet Embla den dafür zuständigen Ermittler, um zu erfahren, ob die Partygäste auf ihrem Rückweg vielleicht auch den Mörder des Mannes aus der Hütte gesehen haben. So verweben sich die beiden Kriminalfälle, und Embla und der befreundete Ermittler kommen sich etwas näher.

Nicht lange dauert es, bis auch Milo Stavics zwei Brüder auftauchen. Ebenfalls ermordet. Und dann erfährt Embla endlich, was damals mit ihrer besten Freundin Lollo geschehen ist…
Helene Tursten – Schneenacht weiterlesen

Simone St. James – Zimmer 103

Inhalt

New York 1982. Viv Delaney arbeitet als Nachtwächterin im Sun Down Motel. Doch die Nächte dort sind lang. Und einsam. Und mit jeder Schicht wächst Vivs Angst. Angst vor einer ungreifbaren Bedrohung …
New York 2017. Carly Kirk zieht es in das in die Jahre gekommene Sun Down Motel, wo ihre Tante Viv vor mehr als 30 Jahren spurlos verschwand. Sie will endlich die Wahrheit herausfinden. Doch das Geheimnis, das das alte Motel hütet und dem nicht nur ihre Tante zum Opfer gefallen ist, übertrifft Carlys schlimmste Albträume … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Zimmer 103“ ist ein außergewöhnlicher Thriller: Die Charaktere sind allesamt mehr oder weniger skurrile Sonderlinge, denen die Autorin das Buch auch widmet: „Für die Außenseiterinnen, die Nerds – und alle True-Crime-Besessenen. Dieses Buch ist für euch.“ Die exzentrischen Figuren haben nichts mit der braven Mitte der Gesellschaft zu tun: sie arbeiten nachts, schlafen tagsüber, sie haben düstere Interessen, und scheuen kein Risiko diesen konsequent nachzugehen. Zudem handeln sie ausschließlich nach ihren ganz eigenen Werten, Wahrnehmungen sowie Wahrheiten… Simone St. James – Zimmer 103 weiterlesen

King, Stephen – Arena, Die

_Die menschliche Tragikomödie: Armageddon im Dampfkochtopf_

An einem gewöhnlichen Herbsttag wird die Stadt Chester’s Hill, Maine, auf unerklärliche Weise durch ein unsichtbares Kraftfeld vom Rest der Welt abgeriegelt. Klingt nach den Simpsons und Marlen Haushofer, ist aber echt: Flugzeuge zerschellen daran, einem Gärtner wird beim Herabsausen der Kuppel die Hand abgehauen, Familien werden auseinandergerissen, Autos explodieren beim Aufprall.

All dies ist nicht sonderlich lustig, doch alle rätseln, was diese Wand ist, woher sie kommt und ob sie bald wieder verschwindet. Ein Entrinnen ist unmöglich, deshalb gehen bald die Vorräte zur Neige. Der bestialische Kampf ums Überleben in dieser unerwünschten Arena tobt zunehmend stärker. Wird es Überlebende geben?

_Der Autor_

Stephen King, geboren 1947 in Portland, Maine, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“ (verfilmt), erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Millionen Büchern in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. (Verlagsinfo) Er lebt in Bangor, Maine, und Florida. Seine Erstleserin ist immer noch seine Frau, die Schriftstellerin Tabitha King. Inzwischen schreibt auch sein Sohn Joe Hill erfolgreich: [„Blind“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3842 und „Black Box“ (bei |Heyne|), ebenso sein Sohn Owen King: [„Der wahre Präsident von Amerika“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2403

Sein Hauptwerk, das zeigt sich immer deutlicher, ist der Zyklus um den dunklen Turm. Er besteht aus folgenden Bänden: Schwarz (ab 1978); Drei; Tot; Glas; Wolfsmond; Susannah; Der Turm (2005).

Stephen King auf |Buchwurm.info|:

[„Wahn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4952
[„Qual“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4056
[„Sunset“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5631
[„Brennen muss Salem – Illustrierte Fassung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3027
[„Brennen muss Salem“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3831 (Hörbuch)
[„Briefe aus Jerusalem“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3714 (Hörbuch)
[„Friedhof der Kuscheltiere“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3007 (Hörbuch)
[„Puls“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2383
[„Trucks“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2327 (Hörbuch)
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[„Das Leben und das Schreiben“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1655
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[„Todesmarsch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=908
[„Der Sturm des Jahrhunderts“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=535
[„Tommyknockers – Das Monstrum“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=461
[„Achterbahn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=460
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[„Atlantis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=322
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[„Duddits – Dreamcatcher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=45
[„Kinder des Zorns / Der Werwolf von Tarker Mills“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5440 (Hörbuch)
[„Nachtschicht 2“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5651 (Hörbuch)

|Der dunkle Turm|

Band 1: [Schwarz]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5661
Band 2: [Drei]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5839
Band 3: [tot.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5864
Band 4: [Glas]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6034
Band 5: [Wolfsmond]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=153
Band 6: [Susannah]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=387
Band 7: [Der Turm]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=822

_Handlung_

Der hochdekorierte Ex-Soldat Dale „Barbie“ Barbara ist gerade auf der Landstraße, um das Nest Chester’s Mill im westlichen Maine zu verlassen, als mehrere Dinge passieren, die ihn ziemlich erschrecken. Zunächst fällt kurz vor zwölf ein Flugzeug vom Himmel – es regnet Flugzeug- und Leichenteile auf die Landstraße. Barbie wundert sich, was den Flieger vom Himmel geholt hat. Als wäre das noch nicht genug, rast ein übereifriger junger Lkw-Fahrer mit seinen Langholztransporter in die Stelle, wo die Wrackteile liegen – und prallt auf das gleiche, völlig unsichtbare Hindernis. Die Wucht des Zusammenpralls ist katastrophal.

Barbie kann sich gerade noch vor den herumsausenden Baumstämmen in Sicherheit bringen. Ein anderer Wanderer, der sich „Sea Dog“ nennt, taucht auf der anderen Seite der Barriere auf. Er hat das Geschehen ebenfalls gesehen. Gemeinsam suchen sie die Stelle, wo das unsichtbare Hindernis enden muss. Sie finden die Stelle nicht – ganz Chester’s Mill ist eingeschlossen. Und Barbie ebenfalls. Kur darauf fahren weitere Autos und ein TV-Helikopter in das Hindernis. Barbie macht, dass er wegkommt. Er gibt einem Farmer den Tipp, mit seinem Handy die Nationalgarde anzurufen, damit der Luftraum gesperrt wird.

Der Polizeichef Duke Perkins trägt einen Herzschrittmacher. Nichts Böses ahnend, berührt er die unsichtbare Barriere. Das Energiefeld lässt das Gerät in seiner Brust explodieren. Nun sieht der zweite Stadtvorsteher Big Jim Rennie, von Beruf Gebrauchtwagenhändler, seine Zeit gekommen: Er befördert den ihm ergebenen Randolph zum Sheriff und lässt neue Deputys einstellen, um diese Krise zu bewältigen. Und bestimmt ist der Gouverneur bereit, ein wenig Notfallhilfe springen zu lassen, um dem nunmehr isolierten Chester’s Mill zu helfen, oder?

Barbie ist zu seinem Job als Grillkoch in Rose’s Grillrestaurant zurückgekehrt. Er macht seiner Chefin klar, dass die Dinge nicht gut stehen und sie sich auf das Schlimmste vorbereiten sollte: totale Isolation, wer weiß, für wie lange. Vier Wochen reicht ihr Propangas noch, wenn sie sparsam damit umgeht. Und sie soll Fleisch kaufen, alles, was sie kriegen kann. Nachts um 22 Uhr klopft es an seine Wohnungstür: Die Chefredakteurin des Lokalblatts, Julia Shumway, sagt, die Army wolle ihn sprechen.

Zusammen fahren sie zum Rand des Stadtgebiets, wo schon die Marines einen Sperrposten bezogen haben. Die ganze Stadt ist abgeriegelt. Strahler beleuchten die Barriere, um Flugzeuge vom Überfliegen abzuhalten. Die Festnetzleitungen sind gekappt worden, und Handyverbindungen werden nur sporadisch durchgelassen, erfährt Barbie von seinem alten Boss Colonel Cox, der in Washington, D.C., mit den Vereinten Stabschefs die Krise managt. Nur das Internet funktioniert – vorläufig – noch.

Cox berichtet, dass sich die Energiebarriere bis in eine Höhe von 14 Kilometern erstreckt und in eine Tiefe von mehr als 30 Metern. Das heißt, hier kommt keine Maus raus, nicht mal Wasser und nur sehr wenig Luft. Wenn sie nicht aufpassen, könnten die Eingeschlossenen an ihren eigenen Abgasen ersticken. Bevor sie verhungern und verdursten. Barbie erhält den formellen Auftrag als Ex-Soldat, die Energiequelle dieser ominösen Barriere in Chester’s Mill aufzuspüren und unschädlich zu machen.

Das scheint ihm zunächst eine lösbare Aufgabe zu sein. Aber er weiß noch nicht, dass es in dieser Stadt einen psychopathischen Mörder gibt, der bereits zwei junge Frauen auf dem Gewissen hat. Und der soeben von seinem Vater, Big Jim Rennie, zum Hilfssheriff ernannt worden ist. Junior hat auch schon jemanden im Visier, mit dem er noch ein Hühnchen zu rupfen hat: Dale „Barbie“ Barbara …

_Mein Eindruck_

Wie sich zeigt, ist Big Jim Rennie der geborene Tyrann, allerdings einer mit einem christlichen Sendungsbewusstsein: Er tut im göttlichen Auftrag alles, was das Beste zum Wohl der Stadt ist. Sagt er jedenfalls. Leider glauben ihm das auch viele (Barbara jedenfalls nicht: Er hat im Irak genügend solche Stadttyrannen kennen gelernt).

|Erster Widerstand|

Erst als sich Andrea Grinnell, die dritte Stadtverordnete neben Rennie und Andy Sanders, der Nr. 1, gegen seine Beschlüsse stellt, zeigt Rennie sein wahres Gesicht. Andy Sanders wagt eh keinen Widerspruch, und da er der Apotheker ist, der Andrea stets ihre Droge Oxycontin gibt, um ihre Rückenschmerzen zu lindern, haben er und Rennie eine Handhabe, um Andrea zu erpressen: Wenn sie nicht kuscht, wird ihr die Droge, von der sie abhängig ist, vorenthalten. So einfach ist das. Was Rennie und Sanders nie im Leben für möglich gehalten hätten, geschieht: Andrea beschließt, einen kalten Entzug (Cold Turkey) zu machen. Es wird die Hölle, aber sie hat wenigstens Hilfe.

|Startpunkte|

Die Ebene der Lokalpolitik ist einer Startpunkte, um die Entwicklung, die sich anbahnt, zu verstehen. Und es ist ein wichtiger Startpunkt, denn hier wird schließlich über das Wohl und Wehe einer kleinen Gemeinschaft entschieden. Es mögen vielleicht nur tausend Einwohner und ein paar Zugereiste sein, aber sie repräsentieren das durchschnittliche Maine, wenn nicht sogar das weiße Amerika. Es gibt keine Hispanics und keine Schwarzen, was relativ ungewöhnlich ist. Niemand spricht Spanisch, aber dafür viele die Sprache der Bibel, aus der allenthalben zitiert wird. Es ist ein wahrlich bibelfestes Völkchen, diese Leute aus den westlichen Wäldern, und sie wissen: Wir haben Gott auf unserer Seite. Aber ist Gott auch auf ihrer Seite?

|Rennie is King|

Zunächst sieht es ganz so, als ob Rennie, der den christlichen Sender WCIK (Christ is King) betreibt, den Freunden, die Dale Barbara um sich schart, ein Schnippchen schlagen könnte. Wie Adolf Hitler schart er gewaltbereite und nicht allzu kluge Jugendliche um sich, um sie in die Polizeitruppe einzugliedern: seine Braunhemden, wie Colonel Cox verächtlich sagt. Da sie dem neuen Polizeichef Randolph unterstellt sind, den Rennie in der Hand hat, bilden sie praktisch Rennies Schlägertruppe. Und der durchgeknallte Junior ist einer von ihnen.

|Falsche Anklage|

Aus dieser Machtposition heraus fällt es Rennie nicht schwer, Barbara des vierfachen Mordes anzuklagen und von seinen Schergen in den Knast stecken zu lassen. Eines seiner Opfer, Angie, hatte ja Barbaras Soldaten-Erkennungsmarken in der Hand! Was gibt es also daran zu deuteln? Doch der Chefredakteurin Julia Shumway und dem Hilfsarzt Rusty Everett kommt diese Sache nicht ganz koscher vor: Ihre Nachforschungen ergeben, dass zumindest der Tod der Witwe des früheren Polizeichefs nicht auf Barbaras Konto gehen kann, weil die Zeit nicht stimmt. Und als ihm zwei Polizistinnen, Linda Everett und Jackie Wettington, das zeigen, was von den vier Leichen im Bestattungsinstitut Bowie (keine Obduktion, Sir, no!) übrig ist, ahnt Rusty, dass Rennie möglicherweise selbst hinter den Morden steckt. Oder Junior. Aber wie soll er diese Entdeckung der Bevölkerung mitteilen?

|Der Wendepunkt?|

Noch längst nicht alle von Rennies Sünden sind aufgedeckt, bis Dale Barbara in letzter Sekunde aus der Zelle befreit werden kann. Auch Rusty steckt im Knast, und als Junior seine Stunde gekommen sieht, spitzt sich die Spannung auf unglaubliche Weise zu. Zu gleicher Zeit hält Rennie im Rathaus eine Bürgerversammlung ab: Drakonische Maßnahmen wie Lebensmittelrationierung und Waffenabgabe, ja sogar die Rationierung von Benzin und Propangas für Stromgeneratoren will er durchsetzen. Doch aus der Versammlung wird ein blutiges Desaster.

|Die Drehungen der Schraube|

Stephen King dreht die Schraube der katastrophalen Entwicklung immer weiter, und er schreckt vor nichts zurück. Konsequent zieht er alle Faktoren in Betracht, die zur Entwicklung der kleinen Gemeinschaft in Rennies Königreich beitragen: die steigenden Temperaturen, die schlechter werdende Luft, das zur Neige gehende Propangas, die zunehmenden Akte der Gewalt gegen die Bürger (u. a. ein Anschlag auf die Zeitung) und gegen Vergewaltiger, weitere Selbstmorde. Und so weiter. Doch wer unternimmt etwas gegen die Ursache allen Übels, nämlich gegen die Barriere an sich? Das fragt sich der Leser.

|Jugendliches Trio|

Zum Glück denkt der Autor auch in größeren Dimensionen. Wie schon in seinen klassischen Romanen wie „ES“ oder „The Stand“ gibt es stets auch eine Clique Jugendlicher, die sich als besonders einfallsreich und wagemutig entpuppen. Ihr Anführer ist Joe, ein langer Lulatsch mit beachtlichen Computer- und Kombinationsfähigkeiten. Zusammen mit seinen Freunden gelingt ihm in indirektem Auftrag Dale Barbaras – nämlich mit einem Geigerzähler – ein Vorstoß zum höchstgelegenen Punkt von Chester’s Mill: Die Black Ridge Road führt hinauf zu einem zerfallenden Farmgebäude und einem Obstgarten. Ein Kraftfeld setzt das Trio außer Gefecht und zwingt es zum Rückzug.

|Die Außerirdischen – natürlich!|

Erst im zweiten Versuch gelingt es Joe und dem noch nicht verhafteten Arzt Rusty Everett, geschützt durch Bleiplatten, zum Zentrum des Kraftfelds vorzudringen. Und, oh Wunder: Es gibt hier im Zentrum keinerlei Radioaktivität mehr. Da steht ein flacher Kasten, den Rusty nicht hochheben kann. Doch als er ihn berührt, hat er eine Vision von den Leuten, die auf der anderen Seite der Verbindung sitzen: die User. Diese „Lederköpfe“ lachen und tun gerade so, als spielten sie ein Spiel. Mit den Menschen von Chester’s Mill als Figuren auf ihrem privaten Spielfeld, ihrer Arena, wie in einer X-Box …

|In der X-Box|

Nun sieht Rusty seine kleine, von der Barriere umschlossene Welt unter der Kuppel wie eine kleine Schneekugel. Man muss nur ein klein wenig schütteln, und schon gerät alles durcheinander. Die Grenzen der Kuppel sind unverwundbar, wie fruchtlose Cruise-Missile-Angriffe beweisen. Wenigstens können Funkstrahlen durchdringen, so dass Kommunikation mit Cox möglich ist, dem Sprecher des Generalstabs des Präsidenten. Den Befehl des Präsidenten, Colonel Barbara zum Kommandanten des Territoriums zu machen, ignoriert König Rennie der Erste natürlich verachtungsvoll. Barbara sitzt in seinem Knast und hat nichts zu melden. Und dieser Präsident – wer ist der schon? Einer von diesen „Baumwollpflückern“ von südlich der Grenze, noch dazu ein Farbiger und Babykiller, der für die Abtreibung ist.

|Superdome|

An nichts erinnert die Kuppel so sehr wie an die drei Tage Anarchie, die in New Orleans nach dem Hurrikan Katrina herrschten. „Under the dome“ – damit ist auch assoziativ der Superdome gemeint, in dem sich während dieser drei Tage, als die Zivilschutzbehörde FEMA ebenso versagte wie Präsident Bush, unbeschreibliche Szenen der Gewalt und des Terrors abgespielt haben müssen. Dennoch erwähnt Stephen King davon in seinem langen Nachwort keine Silbe.

|Sehr gelungen|

Er habe die Idee zu „Die Arena“ bereits 1976 auszuarbeiten versucht, den Versuch aber nach 75 Seiten wieder abgebrochen. Er war einfach noch nicht so weit mit seinen Fähigkeiten. Diese hat er im Laufe von 30 Jahren jedenfalls ausgiebig trainiert und mit „Die Arena“ seinen gelungensten Roman abgeliefert, den ich in nur fünf Tagen gelesen habe. Obwohl die Ursache der Barriere auf SF-Boden erblühte – die Außerirdischen wieder mal -, ist doch der ganze Rest völlig realistisch geschildert und motiviert. Von ein paar prophetischen Träumen und Visionen mal abgesehen. Diese tragen durch ihre unheil- oder rätselvollen Vorausverweise zu einer Steigerung der Spannung bei.

|Schneller, Steve!|

Was mich aber am meisten erfreut hat, ist das unglaubliche TEMPO, das der Autor vorlegt. Das klingt angesichts der 1280 Seiten Umfang ziemlich unwahrscheinlich. Allerdings handelt es sich um eine sehr breite Leinwand, die der Autor hier zu bemalen hat: eine komplette Gemeinschaft mit sämtlichen Facetten PLUS die skizzierte und als bekannt vorausgesetzte Außenwelt PLUS die Außerirdischen, und allesamt vom Standpunkt der Betroffenen in The Mill gesehen und wahrgenommen. Das ist insgesamt eine gewaltige Leistung, wie sie meist nur Autoren des sogenannten Mainstream unternommen haben, so etwa William Faulkner, der mehrere Romane brauchte, oder Sherwood Anderson, also Autoren der klassischen Moderne. Auf dieser Stufe ist King nun zu sehen.

|Das Personal|

Und doch ist King seinem Genre und seinen Lesern treu. Er lässt die Figuren des Alltags in ihrer eigenen Sprache zu Wort kommen: Vergewaltiger ebenso wie Prediger, Psychopathen ebenso wie Chefredakteurinnen, Soldaten ebenso wie Jugendliche, Mediziner ebenso wie „Braunhemden“. Am ulkigsten muteten mich die Meth-Abhängigen an.

|Meth|

Mit der Droge Methamphetamin hat Rennie einen schwunghaften Drogenhandel in ganz Amerika aufgezogen, und damit scheffelt er seine Millionen, die er auf den Cayman Islands bunkert. Für die Produktion braucht er Unmengen von Propangas, Gas, das er in einer Scheune hinter der Radiostation von WCIK lagert, wo sich das Labor befindet.

Was Meth wirklich anrichtet, demonstriert der Autor anhand von Phil Bushey, dem Exmann der vergewaltigten Sammy Bushey, die zur Mörderin wird. Phil ist der Chefkoch in der Methküche und sich selbst sein bester Kunde. Aber er weiß auch, dass er Rennie, seinem Auftraggeber, nicht trauen kann: Der darf ihm seine Droge nicht wegnehmen, ist ja klar. Als Andy Sanders sich in Phil Drogenküche verirrt, trauernd ob des Verlustes von Frau (Claudette war das erste Opfer der Barriere: Sie sah im Flugzeug) und Tochter (Junior Rennies Opfer), macht er Andy zu seinem engsten Verbündeten.

Andy wird vom Methkonsum eine Erleuchtung und Erlösung zuteil, die er sich nicht hätte träumen lassen. In Phil hat er endlich einen Bruder im Geiste gefunden. Und wehe, einer versucht, ihnen das glorreiche Meth wegzunehmen! Phil handelt im Sinne Gottes, sagt er, und wenn die „bitteren Männer“ kommen, dann müsse er das Manna verteidigen. Wohl wahr, Bruder!, meint Andy, der ehemalige erste Stadtverordnete und jetzige Junkie.

Natürlich kommen die von Rennie ausgesandten „bitteren Männer“ und laufen nichts ahnend in eine Falle. Genau dann, als unten an der Hauptstraße 800 Bürger sich an der Barriere mit ihren Lieben an der Barriere treffen. Nun sehen Phil und Andy in der Stunde der Not keinen anderen Ausweg mehr, als ihre ganz besondere Überraschung zu zünden: Die Welt unter Kuppel verwandelt sich in einer Inferno. Auf diese Weise verbindet der Autor stets die Komik des Bizarren mit dem Horror der nachfolgenden Tragödie. Denn in der Komik ist der Schrecken stets auch mit angelegt: Wir lachen, um nicht vor Schreck zu erzittern. Doch diesmal bleibt uns das Lachen der Komik im Halse stecken.

Nach dem Jüngsten Gericht gibt es nur sehr wenige, die auserwählt sind. Und ihnen fällt die Aufgabe zu, die gefallene Welt von Chester’s Mill ein für alle Mal zu erlösen. Ob dies gelingt, soll hier nicht verraten werden. Aber das Schicksal von Chester’s Mill ähnelt dem unseres Planeten auf unheilvolle Weise. Zuerst wird die Luft schlechter, dann steigt die Temperatur, und dann …

|Stil|

Der Erzählstil ist in aller Regel sehr geradlinig, doch als Routinier stehen King alle möglichen weiteren Kniffe zur Verfügung, um den einfachen Stil wirkungsvoller zu machen. Als ehemaliger Englischlehrer kennt er jede Menge Klassiker und weiß sie per Zitat anklingen und zu einer Bedeutungsebene des Textes werden zu lassen.

„Herr der Fliegen“ (S. 258) ist ganz klar die nächstliegende Parallele, denn Chester’s Mill ist plötzlich von der Umgebung abgeschnitten wie eine einsame Insel. Werden sich die Bewohner bald die Köpfe einschlagen? „Tötet das Schwein!“, skandieren die jüngeren, noch zur Schule gehenden Bewohner – und lösen damit unheilvolle Befürchtungen aus. Zu hoffen ist, dass diesmal die Kräfte der Liebe und Solidarität größer sind als die des Hasses und der Machtgier.

„Wir haben die Heilige Dreifaltigkeit angebetet“, heißt es auf Seite 368. „Weihnachtsmann, Osterhase und die Zahnfee“, sagt Jackie Wettington. King kann manchmal sehr komisch sein, und das ist er in „Die Arena“ häufig, wenn man einen Blick dafür hat. So etwa sind die beiden Jünger des Meth-Konsums ganz klar Heilige Narren und wissen ein ordentliches Gebet für ihre Götter zu sprechen.

Manchmal wird er aber auch pathetisch, beruft sich aber auf bekannte Vorbilder, um dies auszudrücken: Auf Seite 519 heißt es: „Auch die Toten sehen sie nicht, außer sie sind an einem helleren Ort als auf dieser sich verdunkelnden Ebene, auf der ahnungslose Heere nachts aufeinanderprallen.“ Dieser Satz würde sehr seltsam klingen, wäre er nicht jedem Lyrikkenner im angelsächsischen Raum seit seiner Schule bekannt. Die Zeile „on a darkling plain where ignorant armies clash by night“ stammt Matthew Arnolds bekanntem Gedicht „Dover Beach“, das Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde und bereits die Schrecken des 1. Weltkriegs vorausahnte.

Auch wenn auf Seite 956 der Autor sich direkt an seinen Leser wendet, um seinen Freund an der Hand zu nehmen und ihn wie einst Vergil seinen Dante über die sich verdunkelnde Ebene von Chester’s Mill zu führen, ist dies ein wohlbekannter literarischer Kniff. So würde König Heinrich V. seine Truppe vor dem Tag der Schlacht von Agincourt besucht haben, um die Lage zu peilen. Und King tut dies, bevor die Apokalypse beginnt. „Machen wir also einen Rundgang, Sie und ich, während der Abend sich über den Himmel ausbreitet wie ein narkotisierter Patient auf dem Operationstisch.“ Denn auch der Nachthimmel ist im Königreich Chester’s Mill nicht mehr das, was er mal war …

Es gibt viel zu entdecken auf diesem literarischen Kontinent, und Stephen King ist nicht der schlechteste Vergil, der uns durch dieses Reich zwischen Himmel und Hölle führt. Wer sein Bildungsgepäck mitbringt, für den wird die Reise umso lohnender. Als Ausgleich für den Marsch gibt es auch jede Menge populären Trash zu entdecken. Denn so sind die Amis eben auch: vulgär bis zum Gehtnichtmehr.

_Die Übersetzung_

Wulf Bergner ist ein Veteran unter den |Heyne|-Übersetzern. Er hat schon in den späten Sechzigern und frühen Siebzigern Sciencefiction übersetzt. Sein Stil ist flüssig und schnörkellos zu lesen, kann aber auch anrührend poetisch werden, wo es drauf ankommt. Aber selbst er ist bei einem solchen Mammutwerk nicht gegen den Fehlerteufel gefeit.

Auf Seite 164 beispielsweise heißt ein Satz: „eine niemals endende Energieflut, die zu seiner Erhaltung kein Notstromaggregat brauchte“. Mit „seiner“ ist ja eigentlich die Energieflut gemeint, doch das ist ein weibliches Wort, daher sollte das Possessivpronomen „ihrer“ lauten.

Auf Seite 618 ist meist die Rede vom ausbeuterischen Zahnarzt Dr. Boxer im Dialog mit einem Mr. Chaz Bender. Einmal passiert ein Verwechslung und aus Bender wird ein Dr. Bender. Auf Seite 677 bekommen wir es mit einem Buchstabensalat zu tun, der natürlich prompt einen Buchstabendreher enthält. (Shit happens.) Fleißaufgabe: Welche Behörde in der Gruppe FBI, DFA und ATF gibt es nicht? Richtig: DFA. Richtig müsste sie FDA heißen, kurz für Food and Drug Administration.

Und eine Eindeutschung von „Poppa Smurf“ in „Papa Schlumpf“ hätte ich mir auch gewünscht. Aber man kann ja nicht alles haben. Vielleicht in der nächsten Auflage? Das war’s aber auch schon.

_Unterm Strich_

Mit Chester’s Mill ist Stephen King die perfekte Metapher für das Schicksal des Planeten gelungen: eine abgeschnittene Schneekugel, in der sich wie im Dampfkochtopf eine Katastrophe anbahnt, die nur in einem Kataklysmus ihr Ventil finden kann. Aber es ist auch eine Verarbeitung jener Katastrophe, die sich nach dem Hurrikan Katrina im Superdome von New Orleans ereignet hat: Mord, Vergewaltigung, Terror und das Ende aller Zivilisation.

Obwohl die 1280 Seiten das Gegenteil behaupten, ist doch „Die Arena“ sehr schnell erzählt. Das liegt unter anderem an den Streichungen der Verlagslektorin, bei der sich King ausdrücklich für den Satz bedankt: „Schneller, Steve, schneller!“ Es gibt kaum ein Nachlassen des Tempos, und jede Szene hat ihren Sinn, um die nächsten Szenen vorzubereiten – ein komplexes Räderwerk, das der routinierte Autor endlich, über 30 Jahre nach dem ersten Versuch, vollendet zum Drehen und Funktionieren gebracht hat.

Wer ein Generalthema und eine Botschaft sucht, wird ganz am Schluss fündig, mit ein paar expliziten Statements der Überlebenden. Es geht schlicht und ergreifend darum, den Mitmenschen nicht als Objekt zu behandeln, sondern als fühlendes Subjekt. Dieses Prinzip ist übrigens auch auf den Planeten anzuwenden. Wer es missachtet, verhökert Menschen (und die Erde), missbraucht sie, beutet sie aus, eliminiert sie nötigenfalls, manipuliert sie sowieso – oder verliert jeden Bezug zur menschlichen Realität insgesamt: Dann sind Menschen (und der Planet) nur noch Objekte in einer X-Box, Spielfiguren ohne Lebensberechtigung. Und was macht der Planet am Schluss mit ihnen? Er zeigt ihnen den Stinkefinger und zieht den Stecker: „Tilt! Game over!“

|Originaltitel: Under the dome, 2009
Aus dem US-Englischen von Wulf Bergner
1280 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-453-26628-5|
http://www.heyne.de
http://www.stephenking.com
http://www.stephen-king.de

Michael Robotham – Fürchte die Schatten: Cyrus Haven 2

Inhalt

Evie Cormacs Leben ist eine Lüge. Seit man sie aus den Fängen eines angeblichen Entführers rettete, verbirgt sie verzweifelt ihre wahre Identität und Geschichte. Denn wer immer die Wahrheit ahnte, musste sterben.
Einer ist dennoch entschlossen, ihr zu helfen: Cyrus Haven, Psychologe, polizeilicher Berater und Evies engster Freund. Als er bei Ermittlungen zum Mord an einem Detective auf Hinweise zu ihrer Vergangenheit stößt, will er endlich Licht ins Dunkel bringen. Was er nicht ahnt ist, dass ausgerechnet er damit Evies Todfeinden einen entscheidenden Hinweis liefert. Und die Jagd auf sie beginnt von neuem … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Fürchte die Schatten“ ist Band 2 der Cyrus Haven Reihe, aber man kann dieser Fortsetzung völlig problemlos folgen, ohne den ersten Band, „Schweige still“, zu kennen.

Evie ist äußerst mysteriös: sie verrät niemandem ihren tatsächlichen Namen, genau so wenig wie ihr Alter, oder was ihr als Kind zugestoßen ist. Sie hat gute Gründe dafür, aber der Polizeipsychologe Cyrus nimmt ihre Warnungen nicht ernst, zudem ist er überzeugt davon, dass Evie ihr Trauma aufarbeiten muss, um ein einigermaßen geordnetes Leben führen zu können… Michael Robotham – Fürchte die Schatten: Cyrus Haven 2 weiterlesen

Judith Merchant – Die Lügen jener Nacht

Inhalt

Als sie zur Hochzeit ihrer Studienfreundin geladen wird, ist Mimi zunächst skeptisch – hat sie doch den Kontakt lange sträflich vernachlässigt. Doch unerwartet herzlich wird sie im alten Bonner Freundinnenkreis aufgenommen, und spätestens nach der Junggesellinnen-Party im nächtlichen Römerbad ist es, als sei sie nie fort gewesen. Am Hochzeitsmorgen aber bringt ein entsetzlicher Todesfall alles ins Wanken. Misstrauen kriecht in die eingeschworene Gruppe, und langsam beschleicht Mimi ein furchtbarer Verdacht: Hat man sie nur zur Hochzeit eingeladen, um ihr einen Mord in die Schuhe zu schieben? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ich fand bereits den Einstieg in die Geschichte sehr interessant: Mimi hat ihr Studium vor zehn Jahren abgebrochen und ist Hals über Kopf mit einem neuen Schwarm nach Schottland gezogen. Doch dieser macht nun Schluss, außerdem setzt er ihr ein Ultimatum bzw. zeigt ihr wo die Tür ist. Leider vernachlässigt Mimi vor lauter Liebeskummer ihren Job in einem Pub, sodass sie zu allem Überfluss auch dort rausgeworfen wird. Da kommt die Einladung zur Hochzeit einer alten Freundin, inklusive Kost und Logis für eine Feierwoche, gerade richtig. Judith Merchant – Die Lügen jener Nacht weiterlesen

Jo Nesbø – Blood on Snow 2 – Das Versteck

Serienkiller-Dilogie mit Auferstehung

Ulf ist ein Geldeintreiber. Sein Biss ist der „Fischer“. Der Fischer ist DER Drogenhändler Oslos. Als Geldeintreiber wird man nicht unbedingt reich. Doch jetzt hat Ulf einen Weg gefunden. Glaubt er.

Zwei Probleme stellen sich: Drogenhändler lassen sich ungern reinlegen. Schicken sie ihre Killer los, braucht man ein gutes Versteck. (Verlagsinfo) Ulf denkt, er hat in der Finnmark ein gutes Versteck gefunden. Das erweist sich als Irrtum…

Die Verfilmung soll laut Verlag von Leonardo di Caprio produziert werden.
Jo Nesbø – Blood on Snow 2 – Das Versteck weiterlesen

Lisa Unger – Die treue Freundin

Inhalt

Als Zwölfjährige entkam Rain Winter nur knapp einem grausamen Entführer, der danach selbst Opfer eines kaltblütigen Mordes wurde. Viele Jahre später – Rain arbeitet inzwischen als Journalistin – stößt sie auf einen rätselhaften Fall, der auffällige Parallelen zu dem Mord an ihrem Entführer aufweist. Am Tatort hinterließ der Mörder ein rotes Kristallherz, das Rain allzu bekannt vorkommt – und auf einmal ist das dunkelste Kapitel ihrer Kindheit wieder beängstigend nah … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Rain, Hank und Tess waren als Kinder beste Freunde, doch nach der Entführung schrumpfte das Trio zu einem Duo, und die verbliebenen zwei definierten sich sowie ihre Freundschaft neu: voller Widersprüche, die nach Versöhnung schreien… Lisa Unger – Die treue Freundin weiterlesen

Sandra Brown – Sein eisiges Herz

Bei dichtem Nebel und praktisch ohne Sicht fliegt Auftragspilot Rye Mallett mit einer ominösen schwarzen Kiste nach Georgia. Kurz nachdem er die Lichter der Landebahn gesehen hat, wird er von einem Laserstrahl geblendet und kann nur noch mit Ach und Krach eine Bruchlandung hinlegen. Irgendjemand wollte Mallett offensichtlich zum Absturz bringen. Er verlässt das Flugzeug und versteckt sich, als auch schon eine vermummte Gestalt heranhuscht und das Flugzeug untersucht. Als Rye die Gestalt überwältigt, stellt er überrascht fest, dass es sich um eine Frau handelt – die Ärztin Brynn O’Neal, die auf der Suche nach der schwarzen Kiste ist.

Doch nicht sie alleine möchte die Kiste haben, denn es gibt noch zwei Gestalten, die Jagd auf die Kiste machen und nun mit ansehen müssen, wie Brynn und Rye mit der Kiste verschwinden. Im Flughafen finden die beiden den schwer verletzten Mann, der Rye Mallett bei der Landung helfen sollte. Brynn kann ihn am Leben halten, bis die Sanitäter eintreffen. Aber nun interessiert sich auch die Polizei für die Geschehnisse rund um den kleinen Flughafen.

Was befindet sich in der Kiste? Wer möchte den Inhalt haben und was hat Brynn damit vor?
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Nicci French – Eine bittere Wahrheit

Tabitha Hardy sitzt im Gefängnis. Sie soll ihren ehemaligen Lehrer brutal ermordet haben. Doch alles muss ein schrecklicher Fehler sein. Davon ist Tabitha zumindest überzeugt, auch wenn sie an den Tag des Mordes nur sehr verschwommene Erinnerungen hat und sich nicht genau erinnern kann, was sie überhaupt gemacht hat.

Und alles spricht gegen sie: Die Leiche wurde hinter ihrem Haus gefunden, während Tabitha selbst voller Blut war. Außerdem hatte genau dieser Lehrer eine sexuelle Beziehung mit ihr, als Tabitha gerade einmal ein unreifes und naives 15-jähriges Mädchen war. Von diesen Erfahrungen hat sie sich nie wieder richtig erholt, seitdem leidet sie unter Depressionen und schluckt Psychopharmaka, die manchmal ihren Verstand vernebeln.

Als ihre Anwältin ihr rät, sich schuldig zu bekennen, entlässt Tabitha sie kurzerhand und verteidigt sich fortan selbst. Und so versucht sie mit wachsender Verzweiflung, der unglaublichen Tat auf den Grund zu gehen und stellt nach und nach fest, dass der Lehrer gar nicht so beliebt war, wie immer behauptet wurde. Sondern dass fast jeder Dorfbewohner Probleme mit ihm hatte. Nur leider war niemand im fraglichen Zeitraum im Ort.

Ist Tabitha also doch schuldig?
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Hans Rosenfeldt – Wolfssommer

Im schwedischen Haparanda nahe der finnischen Grenze wird ein toter Wolf gefunden. Die nähere Untersuchung fördert Gruseliges zutage: Im Magen des toten Wolfes finden sich menschliche Überreste. Als die Polizisten der Route des Wolfes folgen, finden sie tatsächlich einen toten Mann und die Spuren eines Unfalls. Was ist hier vorgefallen? Wollte jemand einen Unfall vertuschen und die Leiche an die Seite schaffen?

Tatsächlich kam durch den Tod des Mannes ein großer Drogendeal nicht zustande. So rücken verschiedene Kriminelle an nach Haparanda, um ihr Geld und ihre Drogen wiederzubeschaffen. Allen voran die russische Killerin Katja, die auf ihrem Weg über mehrere Leichen geht, aber doch auch immer wieder schwere Fehler macht.

Doch wo ist das Auto des toten Mannes? Und wo sind Geld und Drogen abgeblieben? Auf dem Drogenmarkt tauchen die Drogen nicht auf. Noch nicht…

Leitende Polizistin vor Ort ist Hannah Wester, die zunächst im Dunkeln tappt und mit Sorgen in ihrem Privatleben mehr als genug beschäftigt ist. Ihre Ehe scheint abgekühlt, ihr Mann zieht sich immer mehr von ihr zurück und weist sie mehrfach ab. Hat er eine Geliebte? Hannah jedenfalls hat eine Affäre mit ihrem deutlich jüngeren Vorgesetzten. Und sie hat ein trauriges Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, über welches der Leser erst sehr spät mehr erfährt.

Wie gehören all diese Fäden zusammen? Hans Rosenfeldt – Wolfssommer weiterlesen

Charlotte Link – Ohne Schuld (Kate-Linville-Reihe 3)

Kate Linville hat Scotland Yard den Rücken gekehrt und will künftig für Detective Chief Inspector Caleb Hale arbeiten. Doch bevor es dazu kommt, überschlagen sich die Ereignisse: Caleb Hale wird hilflos Zeuge, wie ein Familienvater seine Frau und seine beiden Kinder erschießt. Hale hat sich nichts vorzuwerfen. Eigentlich. Doch als er den verzweifelten Familienvater auf seine finanziellen Probleme angesprochen hat, ist dieser ausgerastet. Und Caleb Hale war zu diesem Zeitpunkt nicht nüchtern.

Bevor Kate Linville die neue Stelle antritt, fährt sie mit ihrem besten Freund zu einem Wellnesswochenende. Doch im Zug kommt ihr eine verzweifelte Frau entgegen, die von einem fremden Mann bedroht wird. Es fallen Schüsse, und Kate rettet sich in letzter Sekunde mit der Frau auf die Zugtoilette. Am nächsten Bahnhof ist der bewaffnete Mann verschwunden.

Zwei Tage später stürzt eine junge Frau auf ihrer morgendlichen Radrunde, weil jemand einen dünnen Draht über die Straße gespannt hat. Sie verletzt sich schwer und ist sofort bewusstlos. Den darauffolgenden Schuss kann sie nicht mehr hören.

Zwei Frauen, die keine Verbindung zueinander haben. Und doch wurden die Schüsse aus der gleichen Waffe abgefeuert. Was verbindet die beiden Frauen? Nach welchem Schützen sucht die Polizei? Kate Linville wird noch vor ihrem offiziellen Amtsantritt in Scarborough in die Ermittlungen hineingerissen und muss mit ansehen, wie Caleb Hales Nachfolger aus Unerfahrenheit falsche Entscheidungen trifft…
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Dean Koontz – Forever Odd (Odd Thomas 2)

Spannend & fesselnd: Kampf gegen die Todesgöttin

Odd Smith, ein Koch in einer Frittenbude in Südkalifornien, hat eine einzigartige Fähigkeit: Er kann die Toten sehen. Nur sehr wenige Mitmenschen wissen davon, doch einer seiner Freunde hat einem Außenseiter davon erzählt. Dieser Außenseiter ist gekommen, um sich Odds Fähigkeit anzueignen. Wenn er sie nicht bekommt, wird Odds bester Freund dafür mit dem Leben bezahlen. Odd muss nicht nur seinen übernatürlichen Spürsinn einsetzen, sondern auch sein Köpfchen, um Danny aus dieser Patsche zu helfen.

Diese Besprechung basiert auf der englischsprachigen Originalausgabe.

Der Autor

Dean Koontz wurde 1945 in Pennsylvania geboren, musste in seiner Jugend hungern, schrieb Schundromane für einen Hungerlohn, lernte seine Frau Gerda kennen und konnte schließlich mit ihr nach Kalifornien ziehen, wo das Ehepaar seither stets mit einem Golden Retriever zusammenlebt. Es gibt kein einziges Koontz-Buch der letzten Jahre – etwa seit „Geschöpfe der Nacht“ -, in dem nicht mindestens ein Loblied auf diese Hunderasse angestimmt wird.

Die zahlreichen Thriller und Horror-Romane des schärfsten Konkurrenten von Stephen King wurden sämtlich zu Bestsellern und in über 30 Sprachen übersetzt. Weltweit hat Koontz laut Verlag über 250 Millionen Exemplare verkauft. Leider wurden bislang nur wenige von Koontz‘ Büchern verfilmt. Die beste Verfilmung ist meiner Meinung nach „Intensity“, aber der Film strapaziert die Nerven derart, dass er höchst selten gezeigt wird.

Der Odd-Zyklus bislang:

1) Odd Thomas (2004, deutsch 2006 als [„Die Anbetung“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3066
2) Forever Odd (2005)
3) Brother Odd (2006)

|Dean Koontz auf Buchwurm.info:|

[„Irrsinn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4317
[„Todesregen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3840
[„Frankenstein: Das Gesicht“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3303
[„Die Anbetung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3066
[„Kalt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1443
[„Der Wächter“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1145
[„Der Geblendete“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1629
[„Nacht der Zaubertiere“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4145
[„Stimmen der Angst“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1639
[„Phantom – »Unheil über der Stadt«“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=455
[„Nackte Angst / Phantom“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=728
[„Schattenfeuer“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=67
[„Eiszeit“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1674
[„Geisterbahn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2125
[„Die zweite Haut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2648

Handlung

Odd Thomas lebt in Pico Mundo, irgendwo in Südkalifornien unweit einer Luftwaffenbasis, und arbeitet hier in einer besseren Frittenbude als Garkoch. Eines Tages musste er sehr zu seinem Leidwesen feststellen, dass er die Fähigkeit besitzt, die Toten zu sehen. Jedenfalls diejenigen, die sich noch an irdische Dinge klammern, so etwa Elvis Presley. Doch als im letzten August ein Irrer ein Massaker in einem Einkaufszentrum anrichten wollte, da war es Odd, dem es gelang, die meisten der Eingesperrten vor der Lastwagenbombe in Sicherheit zu bringen. Bei 41 gelang ihm dies nicht, und 19 von ihnen starben, darunter auch seine Freundin Stormy.

Odd Thomas ist es inzwischen gelungen, sowohl dank seiner Freunde den Verlust zu verwinden als auch von den Medien unbehelligt zu bleiben, was er vor allem der Unterstützung durch Sheriff Wyatt Porter zu verdanken hat, der ihn wie einen Sohn behandelt. Sein bester Freund ist Danny Jessup, doch dieser intelligente junge Mann ist mit Glasknochen (vgl. „Unbreakable“) gestraft, die nicht nur leicht brechen, sondern ihn, nachdem viele Knochen ungleich zusammengewachsen sind, wie einen Krüppel aussehen lassen. Die Schmerzen, die er hat, wenn er sich bewegt, sieht man ihm natürlich nicht an.

In dieser Nacht weckt Odd Thomas die Erscheinung von Dannys Ziehvater, des Radiologen Dr. William Jessup. Der Umstand, dass Jessup nichts sagt, macht Odd klar, dass es sich um einen Geist handelt. Aber wo ist der dazugehörige Tote? Ein Gang zu Jessups Haus zeigt ihm den vermissten Körper, der übel zugerichtet ist. Von Danny jedoch keine Spur. Wurde er entführt? Nach einer kurzen Verfolgung durch die Nacht und den anbrechenden Morgen weiß Odd, wohin die Leute verschwunden sind, die Danny entführt haben. Denn Odd hat einen übernatürlichen Spürsinn für Lebende – er nennt dies seinen psychischen Magnetismus.

Die Spur führt durch ein gigantisches Wasserabflusssystem unter dem Luftwaffenstützpunkt hin zu den Hügeln, in denen die Panaminta-Indianer ein Spielcasino errichtet hatten. Ein Erdbeben ließ hier vor fünf Jahren ein Feuer ausbrechen, das aber Hotel und Spielhölle keineswegs einäscherte. Aufgrund des nachfolgenden Prozesses sind Instandsetzung und Nutzung des Komplexes unterblieben, ja, sogar untersagt. Die psychomagnetische Spur führt hierher.

Aber garantiert wird Odd bereits von Dannys Entführern erwartet. Die Geister der Toten im Casino schrecken ihn nicht, nur die lauernden Leibwächter Dannys – es müssen zwei sein – und deren Anführer, möglicherweise eine Frau, denn Odd hat ihre Fußspuren im Schwemmsand der Kanalröhren gelesen. Sein sechster Sinn warnt Odd vor den Schützen, und so nimmt er den Weg durch einen Aufzugschacht – ins zwölfte Stockwerk.

In Zimmer 1242 sitzt Danny tatsächlich. Odd ist froh, ihn lebend wiederzusehen. Die schlechte Nachricht: Danny sitzt auf einer Bombe und kann sich nicht davon entfernen. Die Bombe kann von der Anführerin der Kidnapper ferngezündet werden. Dieses Problem kann Odd trotz seiner vielen Talente nicht beheben. Bleibt nur das Gespräch mit der Frau, die Geister sehen will. Und das Hoffen auf eine günstige Gelegenheit.

Draußen vor dem Casino-Komplex bricht ein Gewitter los …

Mein Eindruck

„Odd“ bedeutet im Englischen „ungleich, schräg, sonderbar“. Doch das ist das Letzte, das Odd Thomas sein will. Denn es bedeutet, einsam zu sein und jede Hoffnung zu verlieren. Er ist auf seine Freunde angewiesen, und das ist der Hauptgrund, warum er Danny Jessup retten will. Doch dies stellt sich als gar nicht so einfach heraus. Odd kann zwar viel Humor aufbringen, aber bei dieser Gegnerin ist Humor glatter Selbstmord.

Datura, so nennt sich die Frau, war mal Pornodarstellerin, bis sie von ihrem verstorbenen Mann eine Firma für Telefonsex erbte. Über diese lernte sie Danny kennen. Weil sie ein intensives Interesse an allem Okkulten hat, fand sie die Gespräche mit Danny erst dann interessant, als er ihr von Odd Thomas, seinem Freund, erzählte. Doch wo Odd seine übernatürlichen Fähigkeiten stets nur zum Guten einsetzt, will Datura mit solchen Kräften nur ihre Macht vergrößern. Sie hat bereits zwei Muskelmänner zu ihren Zombies gemacht, die ihr aufs Wort gehorchen, aber nie selbst ein Sterbenswörtchen sagen.

Als die ehemalige Pornoqueen mit einem der Totengeister des Casinos spricht, die Odd gerufen hat, enthüllt sie ihre grenzenlose Bosheit. Odd wird geradezu schlecht davon. Glücklicherweise befindet sich unter den Geistern auch ein Poltergeist, der in der Lage ist, unbelebte Objekte zu bewegen. Der von ihm entfachte Sturm aus Trümmern bringt Datura zur Räson – ein wenig. Odd hat endlich die Gelegenheit, sich abzusetzen. Später muss Datura feststellen, dass es noch einen Bewohner des Casinos gibt, und dieser betrachtet es als sein Jagdrevier und Datura demzufolge als seine Beute. So wie Datura kennt die Natur kein Erbarmen – aber auch keine Bosheit.

Manche Elemente der Geschichte erinnerten mich an die Hauptfigur Christopher Snow aus „Geschöpfe der Nacht“ und „Im Bann der Dunkelheit“. Dazu gehören der sonderbare männliche Hauptdarsteller, das unterirdische Tunnelsystem, die mysteriöse Luftwaffenbasis und natürliche die Auseinandersetzung mit übernatürlichen Phänomenen. Doch von Zeitreisen und dergleichen Scherzen hat sich Koontz, der in den 1970er Jahren selbst mal Science-Fiction veröffentlichte, längst verabschiedet. Außer psychischem Magnetismus, Totengeistern und zombieähnlichen Muskelmännern kommen in den Odd-Romanen keine außergewöhnlichen Phänomene vor. Dadurch eignen sie sich auch für Leser von Mainstream-Unterhaltung, die sonst nur einen Krimi in die Hand nehmen würden.

Wie in vielen seiner Romane kommt auch hier ein Schriftsteller vor. Zu allem Überfluss ist der fettleibige Ozzie Boone auch noch ein Autor von Krimis (die im Englischen „Mystery“ heißen, aber nichts mit Mysterien zu tun haben). Mit Odd versteht sich Ozzie ausgezeichnet, und die Unterhaltung, die sie an Ozzies Frühstückstisch führen, ist eine der vergnüglichsten, schrägsten Lektüren, die ich in den letzten Jahren genießen durfte. Nur Ozzies Kater „Terrible Chester“ bereitet Odd wirklich Sorgen, weil er ihn unverwandt anstarrt.

Odd ist ein Ausbund an Selbstironie. So entschuldigt er sich einmal, dass er nicht der Ritter sei, den den schrecklichen Jabberwock erlegt. Das ist ein Hinweis auf das gleichnamige Nonsensgedicht „Jabberwocky“ von Lewis Carroll, dem Schöpfer von Alice im Wunderland (es steht im zweiten Band). Warum sollte sich ein junger Mann mit einem Ritter vergleichen, den sowieso niemand ernst nehmen kann? Das ist ja gerade der Witz.

Auch die Begegnungen mit Elvis „The King“ sind einerseits ironisch, andererseits von echtem Mitgefühl geprägt. Odd hat wie der King seine Mutter verloren und kann nachfühlen, wie es Elvis geht. Wie jeder, der Elvis‘ Biografie gelesen hat, weiß, liebte er seine Mutter Gladys über alles, doch sie starb, bevor er noch den Gipfel seines Ruhm erklommen hatte und geriet – wie sie gesagt hätte – auf Abwege, indem er Drogen missbrauchte und von Medikamenten abhängig wurde. Daher starb er bereits mit 42 Jahren. Der Geist des toten Elvis kann nicht von der Erde lassen, weil er hofft, durch Odd noch einmal seine Mutter sehen zu können – oder weil er fürchtet, was seine Mutter zu ihm als Tadel sagen würde, würde er ihr in die jenseitige Welt folgen. Dem Lesepublikum des Autors dürfte diese Geschichte ganz besonders nahegehen.

Unterm Strich

Ich habe den Roman in zwei Tagen gelesen, denn wie alle Koontz-Romane seit „Dunkle Flüsse des Herzens“ liest sich das Buch leicht, flüssig, amüsant und vor allem spannend. Das Buch ist eine Abrechnung mit den Auswüchsen des Okkultismus, der gerade auch in USA, wo es viele Sekten gibt, verbreitet ist. Datura, die Odd stark an die hinduistische Todesgöttin Kali erinnert, ist eine Art Sektenführerin, und sie ist deshalb so furchteinflößend, weil sie die Macht besitzt, ihre Anhänger in willenlose Zombies und Henkersmaschinen zu verwandeln. Das Gleiche versucht sie natürlich auch bei Odd, doch da beißt sie auf Granit.

Wird es einmal so spannend, dass der Leser an den Nägeln zu kauen beginnt, dann legt der Ich-Erzähler wieder einmal eine seiner Denkpausen ein – und macht als nächstes etwas ganz Anderes als das, was man erwartet hat. So benutzt Odd Thomas beispielsweise Schusswaffen nur im äußersten Notfall und muss sich häufig mit einer alternativen Strategie aus der Patsche helfen.

Das fand ich sehr sympathisch, denn es zeigt Waffenfetischisten (von denen es in Koontz‘ Heimat jede Menge gibt), dass man sich auch auf andere Weise verteidigen kann. Überhaupt ist Odd bzw. Koontz in der Lage, die Amerikaner auch von außen in ihren Eigenarten anzusehen, was bei einem amerikanischen Unterhaltungsschriftsteller ein seltenes Phänomen ist. Vielleicht hat ja seine deutsche Frau Gerda dazu beigetragen.

Auch wenn der Roman für den Krimifan ein paar Längen bereithält und mir einige Elemente schon bekannt vorkamen, so wusste mich die Geschichte von Odd Thomas‘ zweitem Abenteuer zu fesseln und zu unterhalten. Ich werde auf jeden Fall noch sein erstes Abenteuer lesen.

Ausblick

Am Schluss entschließt sich Odd, sich von all den Aufregungen erholen zu wollen und einen „ruhigen“ Ort aufzusuchen. Er erhält die Erlaubnis der katholischen Kirche, der er angehört, als Laie ein Jahr lang in einem Kloster wohnen zu dürfen. Diesen Aufenthalt schildert der Roman „Brother Odd“, der bereits veröffentlicht ist.

Eric Van Lustbader – Beloved Enemy (Jack McClure 5)

Der amerikanische Minister für Heimatschutz ist ermordet worden und alle Indizien deuten darauf hin, dass sein Freund und Mitarbeiter Jack McClure dafür verantwortlich ist. Die konkurrierenden Behördenleiter von CIA, FBI usw. setzen Leute in Marsch, um McClure nicht etwa zu fassen, sondern zu eliminieren.

McClure muss schleunigst das Land verlassen und versuchen, sich mit Hilfe eines Terroristenhelfers namens Pjotr Legere von dieser Anschludigung reinzuwaschen. Doch wer ist der wahre Mörder? Es muss ein Maulwurf sein, der ganz oben in der Hierarchie der US-Behörden sitzt. Eine junge Frau betätigt sich als Lügendetektor…

Der Autor

Eric Van Lustbader, geboren 1946, ist der Autor zahlreicher Fernost-Thriller und Fantasyromane. Er lebt auf Long Island bei New York City und ist mit der SF- und Fantasylektorin Victoria Schochet verheiratet. Sein erster Roman „Sunset Warrior“ (1977) lässt sich als Science-Fiction bezeichnen, doch gleich danach begann Lustbader, zur Fantasy umzuschwenken.

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Allie Reynolds – Frostgrab

Inhalt

Die Snowboarderin Milla trifft auf einer einsamen Lodge in den französischen Alpen ihre Clique von früher wieder. An diesem Ort haben sie vor zehn Jahren gemeinsam trainiert, bis eine Tragödie alles zunichtemachte. Doch was Milla als harmloses Wiedersehen ansah, entwickelt sich schnell zum gnadenlosen Psychospiel. Plötzlich sind die Handys verschwunden, und die Seilbahn steht still. Dann ist der Erste von ihnen tot. Die eisige Bergspitze droht zum Grab für sie alle zu werden, wenn sie nicht ihr düsterstes Geheimnis offenbaren. Und jeder hat etwas zu verbergen. Besonders Milla. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Fünf ehemalige Profi-Snowboarder*innen werden inmitten von Schnee und Eis abgeschottet und zermürbt – was beziehungsweise wer steckt dahinter? Vor zehn Jahren waren sie schon einmal in diesen Unterkünften, allerdings waren sie damals zu siebt… Allie Reynolds – Frostgrab weiterlesen

Thomas Harris – Cari Mora. Thriller

Der Goldschatz des Verderbens

In Pablo Escobars Haus in Miami Beach müssen sich 25 Millionen Dollar in Kartellgold befinden. Viele Männer haben danach gesucht, aber keiner ist so skrupellos und furchterregend wie der Drogen- und Menschenhändler Hans-Peter Schneider. Er hat sich darauf spezialisiert, die gewalttätigen Phantasien anderer, wohlhabenderer Männer zu erfüllen.

Das Haus der leider inzwischen verblichenen Drogenbarons wird von Caridad Mora, der Haushälterin, in Schuss gehalten. Die Kolumbianerin ist der Terrormiliz FARC entflohen und lebt in Miami Beach zusammen mit Tante und Cousine, geduldet mit einer zeitweiligen Aufenthaltsgenehmigung. Sie bekommt es nicht nur mit Schneider zu tun, der ein Auge auf sie geworfen hat, sondern mit weiteren Dieben, die alle hinter dem Gold her sind. Bald müssen alle ihre Gegner feststellen, dass Cari über überraschend viele Überlebenstechniken verfügt – und sie zögert keine Sekunde, sie einzusetzen…
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Nicci French – Eine bittere Wahrheit

Inhalt

Erst seit Kurzem lebt Tabitha wieder im Ort ihrer Kindheit, einem idyllischen Dorf an der englischen Küste. Doch der Wunsch, dort Ruhe zu finden, verwandelt sich in einen Alptraum, als sie des Mordes an ihrem Nachbarn beschuldigt wird. Alle Indizien sprechen gegen sie. Und sie kann sich nicht erinnern, was an jenem 21. Dezember geschehen ist, als im Schuppen hinter ihrem Haus die schlimm zugerichtete Leiche gefunden wurde. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft und wartet auf ihren Prozess. Ihre Anwältin rät ihr, sich schuldig zu bekennen. Doch Tabitha spürt, dass sie nicht die Mörderin ist. Und nur sie selbst kann das beweisen. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Es fällt mir sehr schwer, objektiv beziehungsweise unvoreingenommen über „Eine bittere Wahrheit“ zu schreiben, denn anhand der drei Stand-alone-Romane von Nicci French, die ich in den vergangenen Monaten gelesen hatte, hatte ich eine bestimmte Erwartungshaltung…

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Koontz, Dean R. – Eiszeit

_Eisberg-Thriller, so gut wie Alistair McLean_

Ein nervenzerfetzender Thriller aus der Arktis, dessen Handlung in nur zwölf Stunden abläuft – aber in einem Countdown, spannend bis zur letzten Sekunde. Laut Verlag stand dieser Roman wochenlang auf den US-Bestsellerlisten.

_Handlung_

Das Buch beginnt mit einer Art Prolog, der aus Meldungen besteht: Seit Jahren schwören internationale Wissenschaftler auf die Möglichkeit, aus den Eisbergen der Arktis und Antarktis reines Trinkwasser zu gewinnen, das man während Dürreperioden gebrauchen könnte, beispielsweise in Kalifornien. Natürlich gilt es zunächst, die Machbarkeit eines solchen Vorhabens zu erkunden.

Nun haben Harry Carpenter und vier weitere Forscher und Helfer den letzten Schritt gewagt, ein Lager in Grönland aufgeschlagen und bereiten eine enorme Sprengung vor: Der so produzierte Eisberg soll nach Süden zu wartenden Fischereischiffen treiben, die ihn zum Festland schleppen sollen. Das war der Plan.

Doch was sich schon seit Tagen angekündigt und worauf Harry nicht gehört hatte, wird nun schreckliche Wahrheit: ein Seebeben löst eine riesige Tsunami-Welle aus, die das Randeis, auf dem sich Harry und Co. befinden, einfach wie einen Kartoffelchip zerbricht: Nun sitzen Harrys Leute plötzlich selbst auf einem Eisberg fest. Dieser treibt in die arktische See, auf ein Sturmgebiet zu.

Nicht genug damit: Sie haben ihre Sprengung noch nicht ausgelöst, doch die sechzig Bomben, die sie noch eben so fleißig platziert haben, werden pünktlich um Mitternacht ferngezündet: genau unter ihren Füßen. Zum Glück haben sie ein Funkgerät dabei, so dass sie mit der Zentralstation Verbindung halten können. Wenig später findet Harry einen der Männer aus seiner Gruppe bewusstlos geschlagen auf dem Eis – unter ihnen befindet sich ein potenzieller Mörder.

Als ob das noch nicht Grund genug wäre, jetzt völlig durchzudrehen, taucht zu guter Letzt ein russisches Spionage-U-Boot auf, das die Eisbrüchigen retten möchte. Leider kann es weder am Eisberg anlegen noch können die Eisbrüchigen zu ihm hinabsteigen. Der Sturm wird stärker, und die Lage ist verzweifelt.

_Fazit_

In einem Nachwort verrät der Autor, dass er diesen Roman als Hommage an den Thrillerautor Alistair MacLean schrieb. MacLean schrieb unter anderem die verfilmten Roman „Eisstation Zebra“ und „Die Kanonen von Navarone“. „Ich wollte nur mal sehen, ob ich so etwas schreiben könnte“, meint Koontz etwas flapsig. Er hat das Experiment mit Bravour durchgeführt. Natürlich musste der „etwas holprige Stil des Originals“ aufpoliert werden. Außerdem brachte Koontz die Fakten auf den neuesten Stand: So schreibt einer der Helden vom Eisberg nicht einen Brief, sondern eine E-Mail.

Bei aller Action und all dem Tempo und dem Zeitdruck bleibt doch immer wieder Zeit, in die Vergangenheit der einzelnen Figuren zurückzublenden und ihre psychologischen Tiefen auszuloten. So ist etwa Harrys Frau ein Opfer von krankhafter Angst vor Eis, Kälte und Schnee, weil sie als sechsjähriges Mädchen ihre Eltern in einer Lawine verloren hatte und selbst stundenlang darunter begraben war. Andere Kollegen entkamen nach traumatischen Erlebnissen in die Freiheit. Doch ausgerechnet der Psychopath in Ritas Gruppe wird nicht vorgestellt, lediglich sein Tagebuch verrät ihn. Natürlich verschweigt uns der Autor seinen Namen.

Unterm Strich geht es um zwei hohe Werte: um stilles Heldentum und die Völkerverständigung, die von verantwortungsbewussten Einzelnen wie dem U-Boot-Käptn realisiert wird. Und dies auch nur deshalb, weil der Kalte Krieg vorüber ist und die kommunistischen Sowjets die Macht abgegeben haben – und keine Kalten Krieger auf US-Seite dazwischenpfuschen.

Ist dies also ein U-Boot-Thriller à la Tom Clancy? Keineswegs, wie uns Koontz klar macht. Die ätzende Technikverliebtheit und der Militarismus des Amerikaners fehlen hier. Im Vordergrund stehen die Einzelschicksale einer bunt zusammengewürfelten Wissenschaftlergruppe einerseits – und der U-Boot-Besatzung andererseits, die unglaublich diszipliniert agiert. Kurzum: ein spannender Thriller, in dem Menschen sowohl gegen die feindliche Natur als auch gegen ihre eigenes inneres Wesen ankämpfen müssen, um zu überleben.

|Originaltitel: Icebound, 1993
Aus dem US-Englischen übertragen von Uwe Anton|

Raymond Chandler – Das hohe Fenster (Philip Marlowe 3)

Viele Leichen, wenig Klarheit

Mrs. Elizabeth Bright Murdock beauftragt PHILIP MARLOWE damit, eine gestohlene seltene Goldmünze, die wertvolle Brasher-Dublone aus dem 18. Jahrhundert, wieder zu finden. Sie ist fest davon überzeugt, dass sie von Linda Murdock – ihrer verhassten Schwiegertochter – gestohlen worden ist. Mrs. Murdock will keine Täterüberführung mit Verhaftung; vielmehr soll MARLOWE eine – möglichst kostenlose – Scheidung Lindas von ihrem Sohn Leslie erzwingen. Eigentlich nicht sein Ding. Doch MARLOWE nimmt an und konzentriert sich auf die Suche nach der Brasher-Dublone. Relativ schnell wird klar, wer die Münze genommen hat.

Der Fall bekommt aber eine weitere Dimension, als MARLOWE schon bald über ein paar Leichen „stolpert“ und merkwürdigerweise auf ein paar verschrobene Typen und die ermittelnden Polizeibeamten eine scheinbar anziehende Faszination ausübt…. (Amazon.de)
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