Archiv der Kategorie: Thriller & Krimis

Jack Kerley – Bestialisch (Carson Ryder 4)

Cop & Killer als Team: spannend bis zur letzten Seite

Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, wird nach New York City beordert, wo eine Psychiaterin auf grausame Weise getötet wurde. Dr. Evangeline Prowse betreute einen psychopathischen Serienmörder, der nun auf der Flucht ist. Ryder verschweigt, dass er den Verdächtigen kennt – es ist sein Bruder Jeremy. Und die neuesten Morde passen nicht zu Jeremys Schema. In einem Katz-und-Maus-Spiel versucht Ryder, den echten Mörder zu finden und Jeremy zu retten. (Verlagsinfo)

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Jack Kerley – Einer von hundert (Carson Ryder 1)

Explosiver Showdown in Mobile, Alabama

Man muss ein Dieb sein, um einen Dieb zu überführen. Und wie fasst man einen Serienmörder? Detective Carson Ryder hat auch hierfür gute Voraussetzungen: Sein Bruder sitzt als Frauenkiller hinter Gittern und versorgt ihn immer wieder mit wertvollem Insiderwissen. Doch diesmal scheint der Mörder schneller zu sein … (Verlagsinfo)

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Jack Kerley – Buried Alive (Carson Ryder 7)

Jagdszenen in Kentucky: Ein Folterknecht geht um

Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, nimmt Urlaub in Kentucky – und findet sich alsbald in eine Ermittlung von grausen Serienmorden verwickelt. Nicht genug damit, dass sein halbseidener Bruder nebenan wohnt, so verliebt sich Ryder auch noch in die Lokalpolizistin Donna Cherry. Kein Wunder, dass sie schon bald in höchster Lebensgefahr schwebt und er sein Leben einsetzen muss, um sie vor dem Rachefeldzug des Psychopathen zu bewahren.

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Nele Neuhaus – In ewiger Freundschaft

Worum geht’s?

In Bad Soden wird eine Frau vermisst. Im Obergeschoss ihrer Wohnung findet die Polizei den dehydriertem und dementen Vater und in der Küche des Hauses die vermeintlichen Spuren eines Blutbads.

Die Ermittlungen führen das Ermittler-Duo Oliver von Bodenstein und Pia Sander sowie das gesamte Team des K11 zu einem renommierten Literaturverlag, bei dem die Vermisste Frau als Programmleiterin tätig war.

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Jussi Adler-Olsen – Verheißung. Der Grenzenlose. Der sechste Fall für das Sonderdezernat Q

Ein Q-Fall: Die dunkle Seite des Sonnenkultes

Polizeikommissar Christian Habersaat ermittelt seit siebzehn Jahre in einem unaufgeklärten Mordfall. Dabei geht er wie besessen vor und scheut keine Mühen. Dennoch kann er den Fall nicht auflösen. Vor lauter Verzweiflung wendet er sich an Carl Mørck, dem Leiter des Sonderdezernats Q. Eine Abteilung, die sich mit sogenannten „Cold Cases“ beschäftigt, den Straftaten, die nicht aufgeklärt werden konnten und irgendwann ad acta gelegt wurden.

Kurz nachdem Habersaat telefonisch um Hilfe der Kollegen gebeten hat, stirbt er auf eine grausame Weise. Als kurze Zeit später auch noch sein Sohn tot aufgefunden wird, spitzt die Lage sich erneut zu. Carl Mørck und sein Assistent Assad machen sich auf die Reise nach Bornholm – dem Ort des Geschehens. Der sechste Fall für Carl Mørck und seinem Team… (Verlagsinfo)
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Jussi Adler-Olsen – Natrium Chlorid: Der neunte Fall für Carl Mørck

Worum geht’s?

Seit 1988 arbeiten Marcus Jacobsen und sein bester Ermittler Carl Mørck nun schon zusammen. Der Selbstmord einer Frau an ihrem 60. Geburtstag führt die Ermittler zurück in genau dieses Jahr 1988. Denn seit nun mehr dreißig Jahren, scheint ein Mörder sein Unwesen zu treiben, ohne dass man ihn dingfest machen könnte.

Er wählt sowohl seine Opfer als auch die Todeszeitpunkte mit Bedacht und Präzision. Die Taten lässt der Täter als Unfälle oder Suizide aussehen. Langsam aber sicher blicken die Ermittler des Sonderdezernats Q sein Muster und wenn sie damit richtig liegen, wird schon in wenigen Tagen ein weiterer Mord geschehen. Gelingt es ihnen diesen zu verhindern und den Täter endlich zu fassen?

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Henri Faber – Ausweglos

Inhalt

Als Noah spätabends die Wäsche vom Dachboden holt, hat er plötzlich ein Messer an der Kehle. Der Angreifer will in seine Wohnung, zu seiner Frau. Noah bleibt keine andere Wahl, doch dann fällt ihm ein: Die Nachbarn gegenüber sind verreist. Und er hat den Zweitschlüssel …
Stunden später findet ihn die Polizei bewusstlos neben der brutal ermordeten Nachbarin. Die Tat trägt die Handschrift eines berüchtigten Serienmörders, und Noah gilt als wichtiger Zeuge. Aber sagt er die ganze Wahrheit? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Ausweglos“ ist ein spannender, psychologisch interessanter und wendungsreicher Thriller. Es geht um desillusionierte Ermittler, ein vielschichtiges Beziehungsdrama sowie die Macht der Medien über die Gesellschaft – im Schlechten (vermeintlich seriöse Berichterstattung bzw. Infotainment) wie im Inspirierenden (unrealistische Hollywood-Filme) … Henri Faber – Ausweglos weiterlesen

Hjorth & Rosenfeldt – Die Früchte, die man erntet (Ein Fall für Sebastian Bergmann, Band 7)

Worum geht’s?

Karlhamn. Ein Serienmörder hält die Kleinstadt in Atem. Das Team um Vanja Lithner steht unter immensem Druck. Zwischen den Morden vergehen nur wenige Tage und der Täter scheint seiner Opfer nicht willkürlich auszusuchen. Es fehlt bislang jedoch jede Spur, da der Täter ein Heckenschütze ist, macht er es den Ermittlern zusätzlich schwer. Das Schlimmste, es könnte jeden treffen!

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Patric Nottret – Über den Wäldern ruht der Tod. Öko-Thriller

Der Umweltinspektor: Goldkäfern und Silberschätzen auf der Spur

Zwei französische Insektenforscher verschwinden spurlos. Die Suche nach ihnen führt Pierre Sénéchal, Spezialist für Umweltverbrechen, ins Amazonas-Gebiet. Er stößt auf die Kopie eines Kreuzes, das mit kabbalistischen Zeichen übersät ist. Mit Hilfe der brasilianischen Polizistin Maria-Esperanza Saint-Louis befragt er Mönche und Priester darüber – es entfacht offenbar religiöse Leidenschaften, die er am eigenen Leib zu spüren bekommt, als die frommen Männer ihm unvermittelt nach dem Leben trachten …

Der Autor

Patric Nottret hat kriminalistische Hörspiele für das Radio geschrieben, bevor er sich mit seinem ersten Thriller „Grünes Gift“ in Frankreich in die Bestseller-Charts katapultierte. Danach folgte „Über den Wäldern ruht der Tod“. Sein dritter Roman um den Umweltinspektor Pierre Sénéchal ist „H2O“. Nottret wurde laut Verlagsinfo 1953 in Saint-Denis de la Réunion geboren und hat eine ökologische Ausbildung vorzuweisen.

Mehr von Patric Nottret auf |Buchwurm.info|:

[„Grünes Gift“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4533
[„H2O“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5858

Handlung

Der hünenhafte und mit einem sarkastischen Humor ausgestattete Pierre Sénéchal, Spezialist für Umweltverbrechen, wird von seiner Chefin, der „verehrungswürdigen“ Dame Pottier in den brasilianischen Urwald geschickt. Das französische Pharmaunternehmen Chitinex, das aus Insekten und Pflanzen des dortigen Urwaldes neue Wirkstoffe gewinnt, hat zwei seine Forscher verloren, die nach neuen Spezies suchten. Sénéchal nimmt den dicken Chemiker Serge „Lucrèce“ Mejaville mit, quasi als Geheimwaffe, und das erweist sich als kluge Wahl.

Er ahnt nicht, dass in der brasilianischen Region hinter Belém sehr merkwürdige Dinge vor sich gehen. Erst verschwinden zwei französische Forscher mitsamt ihrem Luftschiff, dann werden Kautschuksammler von Bombenfallen zerfetzt, und schließlich stoßen Indianer auf eine unheimliche Schlange, die Blitze aus Laserstrahlen verschießt. Auch von der Schießerei auf der Sojafarm des Magnaten Munoz hat Sénéchal noch nichts gehört. Ihr fielen sowohl Munoz als auch seine Konkurrent Darvalho zum Opfer. Sie wurden aus einer Entfernung von 1800 Metern von einem Scharfschützen erschossen.

Vor Ort in Belém arbeitet Sénéchal mit der wehrhaften Umweltpolizei-Kommissarin Maria-Esperanza Saint-Louis, zusammen, einer Indianerin, die weiß, wie man einen „Pushdagger“ einsetzt, einen in der Hand versteckten Dolch. In den Wohnungen der verschwundenen Franzosen stoßen Sénechal und seine Kollegen auf eine kleine Versuchsstation zur Züchtung von Goldskarabäen, die eine bestimmte Sojasorte zu fressen bekommen.

Von einem Insektenforscher erfährt Sénéchal, dass die Larven dieses bislang unbekannten und daher auf dem Sammlermarkt sehr wertvollen Skarabäus zu den größten Schädlingen von Sojapflanzungen zählen. Soll das heißen, dass hier ein Wirtschaftskrieg mit biologischen Waffen geführt wird, fragt Sénéchal. Diese Frage kann der Professor leider nicht beantworten. Aber klar ist, dass Sammler hohe Summen für die Insektenart zahlen würden, und das erklärt vielleicht auch die Webcam, mit der die zwei französischen Forscher ihre geflügelten Goldstücke fernüberwachten.

Aber es erklärt nicht die Skizze eines Kreuzes aus dem 16. Jahrhundert, das die beiden im Dschungel nahe ihrer Absturzstelle gefunden haben müssen. Pater de la Vega konsultiert einen Bekannten, Dom Faria de Queroz, einen rosenkranzbetenden Pater, von dem Sénéchal einen ziemlich merkwürdigen Eindruck hat. Dom Faria entdeckt auf dem Abbild des Kreuzes Symbole für die Sterblichkeit und die Apokalypse. Wie passend, knurrt der Umweltinspektor leise.

Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf die Spur der zwei Verschwundenen zu setzen. Vielleicht findet man dort dann auch das Original des Kreuzes. Der Ausflug in den Dschungel erweist sich jedoch als wesentlich gefährlicher als erwartet. Zu ihrer Überraschung stoßen Sénéchal und die Kommissarin auf die Ruinen eines vergessenen Dorfes von Kautschukbauern. Doch hier lauert der Tod in Gestalt von Sprengfallen auf sie …

Mein Eindruck

Selbst nach vier Fünfteln des Textes ist der Leser immer noch gespannt darauf zu erfahren, worauf dies alles hinauslaufen soll. Dem Autor gelingt es also hervorragend, den Leser bei der Stange zu halten. Er präsentiert ihm eine Menge Rätsel, die aber alle letzten Endes – wortwörtlich am Ende – ihre Auflösung finden.

Der Dschungel ist hier zugleich eine Metapher für das undurchsichtige Dickicht der Machenschaften von Forschern, Plantagenbaronen, Militärs und ehemaligen Kriegsverbrechern. Deren Interessen stehen denen der Aufklärung, auf die Umweltinspektoren und -polizisten aus Frankreich und Brasilien aus sind, diametral entgegen. Folglich kommt es bei der Aufklärung der Dschungelverhältnisse zu zahlreichen Konflikten, die sich steigern, bis Sénéchal sich schließlich in einer riesigen Falle sieht: Er wird von allen Seiten unter Beschuss genommen. Doch da er selbst bis an die Zähne bewaffnet ist, weiß er seine Haut teuer zu verkaufen.

Die Dschungel-Metapher hat der Autor diesmal auch auf die Form seines Textes übertragen. Durch die sehr kurzen Kapitel, die zwischen einer und maximal fünf Seiten lang sind, erinnert sein Buch diesmal stark Thriller von Jean-Christophe Grangé [(„Die purpurnen Flüsse“),]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=936 an Dan Brown und vor allem an James Patterson. Die Textsplitter liefern die Puzzlestückchen von Rätseln, aber auch filmische Schnipsel von Szenenfolgen.

Der Film ist wie gesagt die maßgebliche ästhetische Kategorie, mit der der Autor diesmal seine verzweigten Handlungsstränge präsentiert. Weil er weiß, dass das Filmpublikum, das auch sein Publikum ist, inzwischen durch Filme wie „Babel“ oder „Syriana“ an die multiperspektivische Erzählweise gewöhnt worden ist, kann er diese Strategie ebenfalls einsetzen. Es gibt nur eine Bedingung: Der Leser muss zügig lesen, sonst verliert er Anschluss und Übersicht. Das zügige Lesen ist jedoch durch genau diese kleinen appetitanregenden Häppchen sehr erleichtert. Man kann locker 200 Seiten am Stück weglesen, ohne müde zu werden. Die vielen halbleeren Seiten tragen dazu bei, dass sie wie von selbst vorüberfliegen.

Worum geht es überhaupt?

Auf der inhaltlichen Seite präsentiert uns Nottret diesmal ein Sammelsurium von mehreren Themen, und man muss seinen Glauben an die Wahrscheinlichkeit ein wenig aufgeben, um zuzugeben, dass alle diese Themen gleichzeitig auftreten können. Die Realität ist komplex. Warum sollte ein Roman, der vorgibt, sie abzubilden, es nicht auch sein?

Da sind zunächst die Insektenjäger, mit denen alles anfängt. Sie wollen die Goldskarabäen verkaufen und in der Wissenschaft Ruhm ernten, kein Problem. Sie finden ein Grabkreuz aus dem 16. Jahrhundert, doch wie kommt dieses in den hintersten Dschungelwinkel? Es gehört zu einer Kirche und zu einem Friedhof, die beide diverse gefährliche Geheimnisse bergen.

Raubbau

Dann ist da noch der mehr oder weniger verborgene Dschungelkrieg, den sich die Soja- und Rinderbarone liefern, allen voran Munoz und Carvalho. Diese roden den Urwald völlig illegal, weil sie die korrupten Beamten schön längst in der Tasche haben – auch den Gouverneur. Jede Minute fallen ihnen und anderen Räubern wie etwa Rohstoffkonzernen 2000 Hektar Urwald zum Opfer, also mehrere zehntausend Quadratkilometer pro Jahr.

Im Jahr 2050 wird der Amazonas-Urwald auf die Hälfte seiner aktuellen Größe geschrumpft sein. Das sind erschreckende Zahlen, wenn man bedenkt – und Nottret erinnert uns laufend daran -, dass das Amazonasbecken nicht nur die Lunge der Welt ist, sondern auch die größte Artenvielfalt der Welt aufweist (das Fachwort lautet „Biodiversität“ und wird im Text nicht näher erläutert, da es sich selbst erklärt). Dass dieser Vernichtungsprozess die ganze Welt angeht, sollte eigentlich jedem klar sein. Die Folgen der 33.000 Brände pro Jahr lassen sich an der zunehmenden Klimaerwärmung ablesen (ich vermeide den scheinheiligen Politiker-Terminus „Klimawandel“, der überhaupt nichts aussagt, denn damit könnte genauso gut die nächste Eiszeit gemeint sein).

Mehr Themen

Also müsste es eigentlich ganz toll sein, wenn diese gierigen Sojabarone und Hamburgerlieferanten (denn von dort holen viele Schnellimbissketten ihr Rindfleisch) erschossen werden. Inspektor Zé Ferrara hat damit jedoch ein Problem, denn erstens mag er es nicht, wenn in seinem Bezirk irgendwelche Unbekannten seine Schützlinge abmurksen, und zweitens sind die Umstände in höchstem Maße mysteriös. Wie konnte es dem unbekannten Täter gelingen, durch einen verschlossenen Eingang auch noch ins verbarrikadierte Allerheiligste der Wochenendhütte von Senhor Munoz vorzudringen? Von drei erschossenen Leibwächtern ganz zu schweigen.

Die Ermittlung des aufrechten Inspektors und die Forschungen von Sénéchal und seiner Umweltkommissarin führen unweigerlich zusammen, denn beide folgen den Spuren einer tödlichen Technologie: Kampfroboter. An der Militärakademie erklärt ihnen ein Ingenieur voller Stolz auf die neuesten Errungenschaften der Kampfrobotik, die die glorreichen Vereinigten Staaten von Amerika seinem armen Verbündeten Brasilien wohltätig zukommen lassen. Dumm nur, dass die Kamproboter eigentlich für den Einsatz gegen Eingeborene vorgesehen waren. Aber herrje, manchmal haben die Menschen nicht nur Pech, sondern sind auch noch im Unglück. Zum Beispiel der Indiojunge Xingu, dem eine mit Laserstrahlen bewaffnete Schlange ein Auge versengt.

Die Drahtzieher hinter diesen mörderischen Aktivitäten werden erst in einem abschließenden und klärenden Dialog zwischen dem Umweltinspektor und seiner hochwohlgeborenen Chefin bis ins Detail vorgeführt und erläutert. Dabei scheinen dann auch Verbindungen bis in den Algerienkrieg auf, und der ist ja nun wirklich eine französische Erblast. (Wer mal „Der Schakal“ von Frederick Forsyth |gelesen| hat, wird mit der Terrororganisation OAS vertraut sein.) Ich kann diesen politischen Hintergrund jedoch an dieser Stelle nicht vertiefen. Interessant ist allemal, was Nottret dazu ausgegraben hat.

Nun mag man sich fragen, wie es der Autor schafft, all diese Themen in nur einem Roman unterzubringen. Ganz einfach: durch die oben beschriebene Verhackstückung und häppchenweise Präsentation. So läuft es ja auch bei Dan Brown und James Patterson. Nur dass mir Nottrets Roman wesentlich relevanter erscheint als etwa [„Illuminati“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2106 oder das neueste Abenteuer von Alex Cross.

Die Übersetzung

Im Vergleich mit dem ersten bei Lübbe verlegten Nottret-Roman, „Grünes Gift“, schneidet der vorliegende Roman um Längen besser ab, was die Quantität der Druck- und Satzfehler anbelangt. Tatsächlich wurde ich nur auf Seite 144 fündig: „… er hörte das Schnarchen der Schäfer“. Natürlich handelt es sich um das Schnarchen der SCHLÄFER!

Ansonsten ist die anspruchsvolle Übersetzung, die ja mindestens fünf Sprachen umfasst – Französisch, brasilianisches Portugiesisch, Spanisch, Latein und Englisch – ausgezeichnet gelungen.

Unterm Strich

Der zweite Öko-Thriller funktioniert auf zwei Ebenen. Im Vordergrund unterhält uns die in kurze, mundgerechte Häppchen zerschnipselte Handlung mit ihrem Indiana-Jones-Flair von Dschungel, Rätsel und einem verschwundenen Silberschatz. Diese Handlung wird erfreulicherweise über vier Fünftel des Romans aufrechterhalten und gipfelt in einem bleihaltigen Showdown, der mit allen kinematografischen Tricks multiperspektivisch in Szene gesetzt wird.

Doch die Hintergründe dieses mit Rätseln gespickten Geschehens müssen unbedingt nacheinander aufgedeckt werden, sonst ergäbe das Ganze keinen rechten Sinn und hinge wie eine Zaubershow in der Luft. Diese Hintergründe reichen zurück bis zum Algerienkrieg, bis zur Besiedelung Brasiliens durch die Portugiesen und weiter. Es ist eine Geschichte der Ausbeutung und des Raubes: an indianischen Sklaven, an deren Land, an Rohstoffen und bis heute am Urwald.

Aber es gibt auch Umweltpolizei und engagierte Urwaldschützer, etwa unter den Bauern vor Ort. Dummerweise vermutet niemand, dass mitten im Zentrum der Organisation der Umweltpolizei ein Verräter sitzt. Das mag ein thrillerübliches Element sein, aber es liefert eine Erklärung für viele rätselhafte Phänomene, auf die der französische Umweltinspektor stößt. Und der Verräter steht nur stellvertretend für die Korruption, die in jeder Behörde Lateinamerikas zu finden sein dürfte.

Ich habe mich in nur drei Tagen durch diesen Thriller gekämpft und mich nie gelangweilt, selbst dann nicht, als sich Sénéchal und seine Chefin die Informationen nur so um die Ohren hauen, um uns endlich über alles aufzuklären, was wir nicht verstanden haben. Das hat mich doch sehr an die ehrwürdigen Krimis à la Sherlock Holmes und Nero Wolfe erinnert. Hauptsache, es bleiben keine Fragen unbeantwortet.

Tja, und dann bleibt nur noch eines zu tun: Selber handeln und der Vernichtung der grünen Lunge Einhalt gebieten.

Originaltitel: Mort sur la forêt, 2007
Aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Barbara Reitz
415 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-431-03754-8 / Taschenbuch 978-3-404-16352-6

www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Cath Weeks – Unter Freundinnen

Inhalt

Melissa, Rachel und Jenny sind seit ihrer Kindheit eng befreundet, sie leben noch heute in der englischen Kleinstadt Dorset, in der sie aufgewachsen sind, und teilen alle ihre Geheimnisse, Freud und Leid. Finanzielle Probleme, Streit in der Familie, Zukunftssorgen, aber auch die unerwarteten Glücksfälle – all das scheint die drei Freundinnen nur noch enger zusammenzuschmieden. Als Jenny eines Tages bei einem Bootsunglück stirbt, ist Melissas und Rachels Trauer dementsprechend groß. Doch bald mehren sich die Ungereimtheiten, und alles deutet daraufhin, dass Jennys Tod kein Unfall, sondern heimtückischer Mord war. Auch andere unliebsame Wahrheiten drängen ans Licht. Rachel und Melissa müssen sich fragen, wie gut sie die Freundin eigentlich kannten. War ihre Freundschaft bloß auf Lügen aufgebaut? Schlimmer noch: Waren diese Lügen Grund für Jennys Tod? Ist eine der Freundinnen gar zur Täterin geworden? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ich bin begeistert von diesem Domestic Noir Spannungsroman, obwohl ich mit den vorherrschenden Themen (Kleinstadtgemeinschaft, Eheleben, Elternschaft) nichts am Hut habe. Die Autorin erzählt ungemein fesselnd und bewegend von komplizierten Beziehungen zwischen Freundinnen, Ehepaaren sowie Eltern und deren Kindern. Die Art und Weise, wie die drei Freundinnen (alle Mütter von Teenager*innen) erzogen worden sind, wirkt(e) sich auf ihr Verhalten untereinander, ihren Erziehungsstil, und den Umgang ihrer Kinder mit Problemen aus, sodass eine unsichtbare, unheilvolle Dynamik über drei Generationen am Werk ist. Cath Weeks – Unter Freundinnen weiterlesen

Nicci French – Der Feind in deiner Nähe

Volles Risiko: Pass auf, wem du traust

Holly Krauss lebt auf der Überholspur. Sie ist eine erfolgreiche junge Geschäftsfrau mit einem netten Mann, Charlie, wird von ihren Kolleginnen geliebt und bewundert. Aber das ist nur eine Seite ihres Charakters. Die andere Seite begibt sich zunehmend auf „walks on the wild side“, wie Lou Reed sang.

Auf dieser Seite ihres Lebens begeht sie immer schlimmere Fehler. Als die beiden Seiten in Hollys Leben miteinander kollidieren, gerät es außer Kontrolle. Sie fühlt sich verfolgt und bedroht – oder ist das nur ein Streich ihrer Einbildung? Wem kann sie vertrauen, damit er sie auffängt, wenn sie fällt?

Die Autoren

Nicci French“ ist das kombinierte Pseudonym der Londoner Autorin Nicci Gerrard mit weitreichenden psychologischen Kenntnissen und des Journalisten Sean French. Die beiden haben mit „Höhenangst“ und vor allem mit dem genialen [„Sommermörder“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1679 viele Fans unter Thrillerfreunden gewonnen. Das Paar lebt mit seinen Kindern im Süden von London. Mehr Info bei https://www.penguinrandomhouse.de/Autor/Nicci-French/p52226.rhd.

Werke

The Memory Game, 1997
Der Glaspavillon, dt. von Petra Hrabak, Barbara Reitz und Christine Strüh; C. Bertelsmann, München 1997. ISBN 3-442-45549-9.
The Safe House, 1998
Ein sicheres Haus, dt. von Elke vom Scheidt; C. Bertelsmann, München 1998. ISBN 3-442-13357-2.
Killing Me Softly, 1999
Höhenangst, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 1999. ISBN 3-442-05495-8.
Beneath The Skin, 2000
Der Sommermörder, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2000. ISBN 3-442-46138-3.
The Red Room, 2001
Das rote Zimmer, dt. von Brigitte Moosmüller; Bertelsmann, München 2002. ISBN 3-442-45743-2.
Land of the Living, 2002
In seiner Hand, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2003. ISBN 3-442-45946-X.
Secret Smile, 2003
Der falsche Freund, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2004. ISBN 3-442-46176-6.
Catch Me When I Fall, 2005
Der Feind in deiner Nähe, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2006. ISBN 978-3-442-46576-7.
Losing You, 2006
Acht Stunden Angst, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2007. ISBN 978-3-442-46848-5.
Until It’s Over, 2008
Bis zum bitteren Ende, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2008, ISBN 978-3-442-47185-0.
What to Do When Someone Dies, 2008
Seit er tot ist, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2009. ISBN 978-3-570-00940-6.
Complicit, 2010 (US-Titel: The Other Side of the Door)
Die Komplizin, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2011. ISBN 978-3-570-10053-0.
The Lying Room, 2019
Was sie nicht wusste, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2020. ISBN 978-3-570-10377-7.
House of Correction, 2020
Eine bittere Wahrheit,dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2020. ISBN 978-3-570-10378-4.
Frieda-Klein-Reihe
Blue Monday, 2011
Blauer Montag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2011. ISBN 978-3-570-10082-0.
Tuesday’s Gone, 2012
Eisiger Dienstag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2012. ISBN 978-3-570-10083-7.
Waiting for Wednesday, 2013
Schwarzer Mittwoch, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2013. ISBN 978-3-570-10164-3.
Thursday´s Children, 2014
Dunkler Donnerstag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2014. ISBN 978-3-570-10165-0.
Friday on my Mind, 2015
Mörderischer Freitag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2015. ISBN 978-3-570-10231-2.
Saturday Requiem, 2016
Böser Samstag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2016. ISBN 978-3-570-10228-2.
Sunday Morning Coming Down, 2017
Blutroter Sonntag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2017. ISBN 978-3-570-10316-6.
Day of the Dead, 2018
Der achte Tag, dt. von Birgit Moosmüller; C. Bertelsmann, München 2018. ISBN 978-3-570-10317-3.

(Quelle: Wikipedia.de)

Handlung

Holly Krauss teilt sich mit ihrer Partnerin und Freundin Meg Summers eine Event-Management-Agentur in Londons City. In letzter Zeit macht sich Meg allerdings Sorgen um das Wohlergehen Hollys. Statt den Abend bei ihrem Mann Charlie, mit dem Meg sie bekannt gemacht hatte, zu verbringen, hat sich Holly nämlich zuerst mit einem fremden Barbesucher angelegt und ist dann mit auf eine wüste Sauftour durch London gegangen. Die Tour endete, wie könnte es anders sein, in dessen Bett. Meg ist angeekelt von ihrer Freundin. Sex mit einem völlig Fremden? Das ist der Anfang vom Ende.

Holly hingegen ist auf einem Trip, dessen Ende sie noch nicht absehen kann. Statt den Nervenkitzel der Gefahr nur dann zu genießen, wenn es sicher ist, begibt sie sich Hals über Kopf hinein. Warum nur? Es scheint mit ihrem Gefühl der Identitätsspaltung zu tun zu haben: Da ist einerseits ihr häusliches Ich, dem Charlies Liebe wichtig ist, und dort das andere Ich, eine andere Frau, die für ihre Kunden jede gewünschte Maske aufsetzen kann. Als das zweite Ich immer öfter die Nächte anderswo verbringt, hat dies natürlich auch Auswirkungen auf Charlie. Er vernachlässigt seinen Beruf als Illustrator und Karikaturist für Zeitungen.

Holly registriert das erst, als es zu spät ist. Wie ein sich immer schneller drehender Kreisel beginnt sie zunehmend anzuecken, und die Fehler, die sie begeht, fallen auf sie zurück. Der Fremde, mit dem sie die Nacht verbrachte, will mehr von ihr. Sie hat ihr Handy bei ihm vergessen, und er spioniert sie und Charlie aus. Sie ahnt nicht, dass er heimlich Fotos von ihr macht. Diese werden später noch sehr wichtig werden, nachdem er sie Meg Summers gegeben hat.

Mit einem ihrer Kunden, Stuart, ist sie näher bekannt geworden, und als er sie zu einem illegalen Glücksspiel im Hinterzimmer einlädt, fühlt sie sich aufregend wie ein Gangsterliebchen. Schließlich setzt sie sich sogar selbst an den Pokertisch. Nach einem Strecke Anfängerglück verliert sie 9000 Pfund Sterling. Weil sie aber Stuart tödlich vor seinen Bekannten beleidigt hat, lässt er sie in der Tinte sitzen. Weil sie sich zu zahlen weigert, schicken die Leute, denen sie das Geld schuldet, einen fiesen jungen Mann, der ihr den Ernst ihrer Lage mit einem Messer klarmacht. Natürlich darf Charlie nichts davon erfahren.

Nachdem sie einige Kunden brüskiert und durch spontane Einfälle peinlichste Situationen herbeigeführt hat, bieten ihre Freunde und Kollegen „professionelle Hilfe“ an: eine Psychiaterin. Erst als sie auf offener Straße einen Nervenzusammenbruch erleidet – im Nachthemd –, wird ihr klar, dass sie in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Charlie tut ihr am meisten leid.

Eine Therapie führt nur dazu, dass ihr manisch-depressives Verhalten gedämpft wird. Als ihre Nachbarin Naomi ihr hilft, die Medikamente abzusetzen, geht die Abwärtsspirale von Neuem los und sie beschließt, den letzten Schritt zu gehen. Seltsamerweise wird sie bei ihrem Selbstmordversuch kühl von einem Mann beobachtet und die Notruftaste ihres Handys scheint nicht zu funktionieren …

2. Teil

Dies ist Hollys erster Tod. Doch wie sie schon in der ersten Zeile des Buches schreibt, stirbt sie zweimal. Die zweite Hälfte wird jedoch von ihrer Freundin Meg Summers erzählt – eine erfrischend neue Perspektive, die ein völlig anderes Licht auf die merkwürdigen Vorgänge um Holly herum wirft.

Mein Eindruck

Was Nicci Gerrard und ihr Partner French am besten schreiben können, sind Psychogramme. Das haben sie schon mehrmals vorexerziert, so etwa in „Der Sommermörder“ und „Ein sicheres Haus“. Auch „Der falsche Freund“ (Secret Smile) und [„In seiner Hand“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1460 (Land of the Living) waren wie der vorliegende Roman Ich-Erzählungen, in denen der Leser zwar haarklein mitbekommt, was die Hauptfigur erlebt, es sich dabei aber leider nur um die halbe Wahrheit handelt. Und immer muss man damit rechnen, dass die Ich-Erzählerin paranoid ist, aber zumindest für paranoid gehalten wird. Aber paranoid zu sein, bedeutet ja noch lange nicht, dass man nicht dennoch verfolgt wird, oder?

Manisch

Ein Psychologe weiß sicher Hollys Zustand mit einem tollen Fachausdruck zu versehen, den nur seine eigene Zunft versteht. Ich würde sagen, zunächst leidet Holly unter dem Borderline-Syndrom. Das erwähnte Gefühl der Dissoziation von ihrer Umwelt verleitet sie zu spontanen Handlungen, die a) ihr helfen sollen, sich wieder verbunden und lebendig zu fühlen und b) blitzartig in Aggression umschlagen können, auch gegen sich selbst. Typisch ist das Symptom, dass sie kaum schlafen kann, sondern völlig aufgedreht ist: die manische Phase.

Depressiv

Danach folgt ein tiefes Loch und das Retreat-Syndrom: die depressive Phase. Sie bekommt kaum noch ihren Hintern aus dem Bett und nichts mehr auf die Reihe. Die Dinge laufen völlig aus dem Ruder, und Charlie scheint sich liebevoll um sie zu kümmern. Allerdings ohne dass sie dadurch Verantwortungsgefühl erfüllen würde. Im Gegenteil: Wie ein kleines Kind, das seinen Daddy herbeisehnt, um es aufzufangen, lässt sie die Zügel schleifen und bürdet dadurch Charlie noch mehr auf. Als sie nach einer guten Nacht wieder ins Büro will, erleidet sie, ohne es zu merken, einen krassen Realitätsverlust. Ihre – freiwillige oder erzwungene – Einlieferung in die Psychiatrie ist lediglich eine Formsache. Ihre Freundin Meg ist bestürzt.

Abschreckendes Beispiel

Meg – und ich ebenso – hätte nie gedacht, dass heutzutage noch Elektroschockbehandlung eingesetzt wird. Das ist wie in Shelleys Roman „Frankenstein“. Meg spricht sogar von Hinrichtung durch Stromschlag. Dass Holly auch noch Lithium und anderes Zeugs einnehmen muss, erinnerte mich an einen gleichnamigen Song von Kurt Cobain. Und wir wissen ja, welches Ende er 1994 nahm. Spätestens jetzt bekommt der Leser Mitleid mit Holly: Sie weiß kaum, wie ihr geschieht, dabei war sie doch zu Beginn das reinste Energiebündel. Sie war die Agierende, die alles in Bewegung setzte. Nur ist sie ein Opfer. Offenbar soll sie den modernen weiblichen Yuppies, wie sie am Schluss wieder auftauchen, als abschreckendes Beispiel der Autoren dienen.

Der zweite Tod

Als Holly das erste Mal stirbt, hinterlässt sie eine Spur der Verwüstung: seelisch (Charlie, Meg, Stuart, Rees, die gefeuerte Deborah), finanziell (Spielschulden, Charlie), wirtschaftlich (verprellte Kunden). Es gäbe also genügend Leute, die sich an ihr rächen wollen. Als sie „wiederaufersteht“, ist ihr Martyrium daher noch nicht vorbei.

Wir erleben die restlichen 100 Seiten aus Megs Sicht. Ist Holly ein Wirbelwind, so ist Meg so solide wie ein Haus. Ihre Erzählweise ist sogar auf subtile Weise anders (und stammt vielleicht sogar von einem anderen Autor im Schriftstellergespann French – Gerrard). Folglich fällt es Meg nicht schwer, eins und eins zusammenzuzählen. Sie erweist sich nicht nur als Hollys verlässlichste Freundin, obwohl diese sie im Verdacht hat, sie mit Charlie zu betrügen. Nein, mit ihrem Verlobten Todd zusammen begibt sich Meg auf eine Art Kreuzzug, um Holly in jeder Hinsicht zu retten. Sie ist überzeugt, dass Holly es wert ist. Wozu hat man sonst Freunde?

Und als Rees ihr die heimlich aufgenommenen Fotos auf den Tisch knallt, erkennt Meg, dass Holly in höchster Lebensgefahr schwebt. Das Problem besteht jedoch darin, jemanden aufzuspüren, der nicht mehr gefunden werden will …

Unterm Strich

Aufgrund der relativen Ereignislosigkeit der ersten hundert Seiten war ich nahe daran, das Buch beiseite zu legen. Das wäre ein Fehler gewesen, wie sich später zeigte. Allein für die letzten 120 Seiten lohnt sich die Lektüre: aufregend, spannend, zielgerichtet, überraschungsreich.

Dennoch ist das Buch alles in allem nicht so gelungen wie etwa „Der Sommermörder“ oder „In seiner Hand“. Das mag zum einen an der Scheinwelt des Event Managements liegen: Ich wusste nie so genau, ob Holly ihre Kunden ernsthaft weiterbringt oder sie nur auf den Arm nimmt. Wahrscheinlich beides, wie sie selbst sagt.

Und die Art und Weise, wie sich Meg Summers als gute Samariterin erweist, kam mir auch etwas unrealistisch vor, wenn auch recht effektiv für Holly: plötzlich schuldenfrei! Ich wünschte, ich hätte auch so einen Goldesel. Dafür würde ich Meg ein Navigationssystem schenken, damit sie nicht mehr so wild durch die Botanik irren muss.

Ein großes Rätsel bleibt jedoch: Wie konnte Hollys manisch-depressiver Zustand überhaupt entstehen? Allein durch ihre 14-Stunden-Tage und die durchgearbeiteten Wochenenden? Dann wäre so ziemlich jeder Yuppie auf der Welt von diesem Syndrom bedroht. Ist das nicht ein wenig überzogen, frage ich mich. Aber angesichts von AIDS, SARS-Covid-19 und Vogelgrippe wundert mich das nun auch nicht mehr.

Hardcover: 352 Seiten
Originaltitel: Catch me when I fall, 11/2005
Aus dem US-Englischen von Birgit Moosmüller
ISBN-13: 9783570007532

www.penguinrandomhouse.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Ross Macdonald – Der Untergrundmann. Ein Lew Archer Krimi (Archer 16)

Krimiklassiker: Kalifornien im Endstadium

Ein junges Pärchen nimmt den kleinen Jungen der Nachbarin mit sich, und die wendet sich an Privatdetektiv Archer um Hilfe. Doch der scheinbar simple Fall einer Kindsentführung führt Archer geradewegs zu einem Verbrechen, das vor 15 Jahren in dieser Familie geschah und das bis heute Opfer fordert, weil es ungesühnt ist.

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Robert B. Parker – Drei Kugeln für Hawk (Spenser 32)

Komplizierte Aufräumaktion in Marshport

Nachdem sein bester Freund Hawk in den Rücken geschossen wurde, während der einen Buchmacher beschützte, begibt sich Spenser mit dem genesenen Hawk auf einen Rachefeldzug gegen die Hintermänner dieses feigen Anschlags. Wie sich herausstellt, handelt es sich um Ukrainer, der von Marshport aus operieren. Aber wieso lässt Tony Marcus, der Gangsterboss von Boston, sie das überhaupt tun?

Der Autor

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der Spenser-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird regelmäßig vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

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Sebastian Fitzek – Playlist

Die 15-jährige Feline ist seit ein paar Wochen spurlos verschwunden, ihre Eltern völlig verzweifelt. Doch dann sieht ihr Vater vor der Haustür einen merkwürdigen Lieferwagen, öffnet die Tür und sieht hinten im Laderaum seine Tochter – lebend, aber gefesselt. Als er sie gerade befreien will, klingelt ein Handy. Er geht ran, lauscht kurz und dreht sich dann unverrichteter Dinge wieder ab, ohne seine Tochter zu befreien. Der Lieferwagen fährt ab und Feline ist erneut verschwunden. Was hat ihr Vater gehört, dass ihn veranlasst hat, seine Tochter nicht zu befreien?

Felines Mutter beauftragt Privatermittler Alexander Zorbach damit, Feline zu suchen. Und hier kommt auch wieder die sehbehinderte Physiotherapeutin Alina Grigoriev ins Spiel, denn diese hat Feline nach einem Unfall behandelt und weiß, dass Feline über eine Smart Watch verfügt, mit der sie Musik hören kann. Ihr Vater durfte das nicht wissen, weil er sämtliche technischen Spielereien verboten hat. Als Alina und Alexander Zorbach sehen, dass die Playlist erst vor wenigen Tagen verändert wurde und sie die Smart Watch orten können, hoffen sie, Feline retten zu können.

Doch die Spur führt in eine geheime Klinik, in der misshandelte Menschen Zuflucht finden und in die Alina und Alex nicht hineinkommen. Also ersinnt Felines Mutter einen eigenen Plan.

Alina und Alex versuchen gemeinsam, die Playlist zu enträtseln und Feline zu retten – und ahnen dabei nicht, dass sie sich selbst in größte Gefahr begeben.

Alte Bekannte
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Raymond Chandler – Das hohe Fenster (Philip Marlowe 3)

Viele Leichen, wenig Klarheit

Mrs. Elizabeth Bright Murdock beauftragt PHILIP MARLOWE damit, eine gestohlene seltene Goldmünze, die wertvolle Brasher-Dublone aus dem 18. Jahrhundert, wieder zu finden. Sie ist fest davon überzeugt, dass sie von Linda Murdock – ihrer verhassten Schwiegertochter – gestohlen worden ist. Mrs. Murdock will keine Täterüberführung mit Verhaftung; vielmehr soll MARLOWE eine – möglichst kostenlose – Scheidung Lindas von ihrem Sohn Leslie erzwingen. Eigentlich nicht sein Ding. Doch MARLOWE nimmt an und konzentriert sich auf die Suche nach der Brasher-Dublone. Relativ schnell wird klar, wer die Münze genommen hat.

Der Fall bekommt aber eine weitere Dimension, als MARLOWE schon bald über ein paar Leichen „stolpert“ und merkwürdigerweise auf ein paar verschrobene Typen und die ermittelnden Polizeibeamten eine scheinbar anziehende Faszination ausübt…. (Amazon.de)
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Nicci French – Ein dunkler Abgrund

Inhalt

Ihre dreijährige Tochter ist für Tess das Wichtigste auf der Welt. Doch seit der Trennung von Poppys Vater kann sie nicht mehr ständig in ihrer Nähe sein, um auf sie achtzugeben. Als sie eines Tages unter all den bunten, fröhlichen Kinderzeichnungen ein Bild aus schwarzer Kreide findet – eine Zeichnung so simpel und brutal, dass Tess sie nicht verstehen kann – da ist sie sicher, dass Poppy während des Wochenendes beim Vater etwas Furchtbares mitansehen musste. Niemand will ihr glauben, denn handelt es sich nicht bloß um die Krakelei eines Kindes? Doch eine Mutter kennt ihre Tochter. Und Tess wird die Wahrheit herausfinden. Ihre Suche führt sie in ungeahnte dunkle Abgründe, und bald ist nicht nur ihr eigenes Leben in Gefahr, sondern auch das ihres Kindes … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Jedes Mal, wenn Tess versucht ihre Tochter zu dem verstörenden Bild zu befragen, antwortet diese mit dem typischen Kauderwelsch einer Dreijährigen, und wechselt dann abrupt das Thema. Sie spricht lediglich von einem Mann, der eine Frau „tot gemacht hat“ – Genaueres ist partout nicht aus ihr herauszubekommen. Bei dem Versuch sich Hilfe zu holen, wird Tess als überbesorgte Mutter abgetan: von Poppys Vater, von einem Kinderpsychologen sowie von der Polizei.

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Ian Rankin – Die Tore der Finsternis (John Rebus 13)

Wider den Feind in den eigenen Reihen

John Rebus soll drei korrupte schottische Polizisten in eine Falle locken. Doch der Auftrag des Polizeipräsidenten kommt ihm nur wenig koscher vor: Jemand will ihm nämlich bei den Ermittlungen eines alten Falles ein Bein stellen. Unterdessen stellt seine Kollegin Clarke bei der Untersuchung eines Mordes an einem Kunsthändler eine Verbindung zu jenem korrupten Trio her. Ein Zufall?

Der Autor

Sir Ian Rankin gehört zu den wichtigsten Kriminalschriftstellern der britischen Insel. Sein Inspektor Rebus macht die schottische Hauptstadt Edinburgh nun schon in zahlreichen Abenteuern sicherer – soweit man ihn lässt!

Die John-Rebus-Romane

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Kim Faber und Janni Pedersen – Winterland

Nach einem verhängnisvollen Fehler wurde Mordermittler Martin Juncker von Kopenhagen in die kleinem verschlafene Stadt Sandsted versetzt, wo er die kleine Polizeistation leiten soll. Juncker passt dies allerdings ganz gut, kann er sich doch dort um seinen dementen Vater beginnen, der nach dem Tod der Mutter nicht mehr alleine zurechtkommt. Doch mit der beschaulichen Idylle ist es schnell vorbei, als ein brutaler Mord passiert: Ein Mann wird erschlagen aufgefunden, seine Ehefrau ist verschwunden, und Martin Juncker findet sich allzu bald mitten in einer polizeilichen Ermittlung wieder.

Seine frühere Kollegin Signe Kristiansen arbeitet nach wie vor in Kopenhagen. Auch für sie ist es mit der Aussicht auf beschauliche Weihnachten im Kreise der Familie vorbei, als eine Bombe auf dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt explodiert und mehrere Menschenleben fordert, darunter auch einige Kinder. Signe ist erschüttert, zumal sie in den ersten Stunden nach der Tat nicht weiß, ob ihre Schwester und deren Kinder womöglich auch unter den Opfern sind.

Die Polizei in Kopenhagen wertet die wenigen Spuren aus und entdeckt bald auf einem Überwachungsvideo ein bekanntes Gesicht von einem vermeintlich toten Mann, der womöglich hinter dem grauenhaften Anschlag stecken könnte. Doch die Ermittlungen verlaufen lange Zeit im Sande, bis Signe eine Spur entdeckt, die sie ausgerechnet nach Sandsted und damit zu ihrem ehemaligen Kollegen führt…
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Gina LaManna – Vier Frauen

Inhalt

In einem luxuriösen Spa-Hotel an der kalifornischen Küste feiert ein Society-Paar die Hochzeit des Jahres. Keine Extravaganz ist zu kostspielig, alles soll perfekt sein. Doch während des Probedinners der Schock. Ein Mann ist tot – ermordet. Der Polizei sitzen vier der weiblichen Gäste gegenüber: Ginger, deren glückliches Familienleben am seidenen Faden hängt. Kate, die sich alles kaufen kann, nur nicht das, was sie sich am meisten wünscht. Lulu, die sich sicher ist, dass ihr Mann sie betrügt. Und Emily, die weiß, dass sie das dunkle Geheimnis aus ihrer Vergangenheit nicht mehr lange wird verbergen können. Alle vier gestehen seelenruhig, den Mann getötet zu haben. Und zwar ganz allein… (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Vier Frauen“ ist eine unwiderstehliche Mischung aus raffinierter Psychospannung und schwarzhumorigem Drama – absolut mitreißend! Ich habe das Buch innerhalb von zwei Nächten verschlungen, bis mir buchstäblich die Augen zugefallen sind! Gina LaManna – Vier Frauen weiterlesen

Michael Hardwick – Der Fluch von Baskerville (Sherlock-Holmes-Criminal-Bibliothek Band 1)

Spannend: Cromwell und die Schatten der Revolution

Dr. Watson wandelt auf Freiersfüßen, und Holmes spielt mit dem Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen. Doch es gibt einen bizarren neuen Fall: In Hampstead Heath scheint eine reißende Bestie ihr Unwesen zu treiben, die in Holmes Erinnerungen an den berüchtigten Hund von Baskerville weckt … (Verlagsinfo)

Der Autor
Michael Hardwick – Der Fluch von Baskerville (Sherlock-Holmes-Criminal-Bibliothek Band 1) weiterlesen