Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Die drei ??? und das Grab der Maya (Planetarium-Sonderfolge 7)

Die Handlung:

In einem Umzugskarton stoßen die drei ??? auf eine alte Steinfigur und eine Karte mit geheimen Schriftzeichen. Beides scheint vom Volk der Maya zu stammen.Welches Geheimnis bergen die Fundstücke? Als Justus, Bob und Peter klar wird, dass einige zwielichtige Gestalten sehr an der Lösung des Rätsels interessiert sind, entspinnt sich ein gefährlicher Wettlauf gegen die Zeit – und ihre Widersacher … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der hörbare Versuchsballon

Mit diesem und dem parallel erscheinenden TKKG-Hörspiel, „Das Geheimnis im Jagdschloss“, versucht sich EUROPA an akustischem Neuland. Ok, dieses Hörspiel hier ist eh schon mal im Mehrkanalton abgemischt worden … aber es wird nicht im Mehrkanalton auf CD erscheinen. Wie auch schon die anderen „Planetarium“-Hörspiele nicht.

Die drei ??? und das Grab der Maya (Planetarium-Sonderfolge 7) weiterlesen

Fünf Freunde und die Geisterstadt (Folge 139)

Die Handlung:

In einer leerstehenden Wohnsiedlung taucht eine rätselhafte Botschaft auf. Manche glauben sogar, sie sei von einem Geist. Als die Fünf Freunde, die gerade in dieser Stadt sind, zufällig davon erfahren, suchen sie sofort nach einer vernünftigen Erklärung. Stecken die Jugendlichen dahinter, die in der gespenstisch leeren Siedlung ein Gartenprojekt betreiben? Aber die scheinen selbst unsichtbare Feinde zu haben. Die Fünf Freunde haben alle Hände voll zu tun, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Du meine Güte, ist der Klappentext heute lang. Und die Sprecherliste auch. Ist das ein XL-Fall, der sich über mehrere CDs erstreckt? Nö. Na, da bin ich mal gespannt, ob die Ferien ausreichen, um den Fall zu lösen.

Fünf Freunde und die Geisterstadt (Folge 139) weiterlesen

Die drei !!! – Gefährliches Spiel (Folge 70)

Die Handlung:

Franzi wird zufällig vom Trainer des 1. FC Südwest entdeckt und beginnt mit Feuereifer das Fußballtraining. Doch irgendetwas stimmt in dieser Mannschaft nicht. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bevors aber ans Kicken geht, wird sich erst mal vorgefreut. Nicht nur die Fünf Freunde haben ständig Sommerferien, auch bei den Mädels stehen sie an. Was kann man denn da alles machen? Abhängen oder neue Fälle lösen … oder beides?

Am Wasser findet die Autorin dann eine nachvollziehbare Möglichkeit, Franzi zu den Fußballerinnen vom FC Südwest zu bringen. Und zack, ist sie dabei.

Die drei !!! – Gefährliches Spiel (Folge 70) weiterlesen

Die drei ??? Kids – Achtung! Abenteuer (Folge 79)

Die Handlung:

Diebstahl im Kunstmuseum von Rocky Beach. Justus glaubt, eine heiße Spur gefunden zu haben. Die drei ??? Kids ermitteln und geraten in eine gefährliche Lage. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Achtung, Abenteuer? Kündigen die sich jetzt durch Schilder oder Lautsprecherdurchsagen an? Wäre ja genauso cool wie langweilig … hmm.

Was die Ausstellung im Museum mit einem Maharadscha zu tun hat und warum man nicht „Gesundheit“ sagt, wenn einer dieses Wort ausspricht, das wird auch noch fix erklärt. Dann verschwindet auch schon der „Goldene Falke“ und wir haben einen neuen Fall.

Die drei ??? Kids – Achtung! Abenteuer (Folge 79) weiterlesen

John Sinclair Classics – Der schwarze Würger (Folge 41)

Die Handlung:

Auf der Geburtstagsfeier des reichen Industriellensohnes Percy Clifton kommt es beinahe zu einer Tragödie, als Percys schüchterner Bruder Dan im Pool zu ertrinken droht. Im letzten Moment rettet Sheila Conolly Dan Clifton aus dem Wasser … doch bald darauf fordert der schwarze Würger auf dem Schloss der Cliftons sein erstes Opfer! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 180 gemacht, der erstmalig am 22. Februar 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.

John Sinclair Classics – Der schwarze Würger (Folge 41) weiterlesen

Perry Rhodan – Mission SOL 2 – Die komplette Miniserie (Teile 1-12)

Die Handlung:

Zwischen Kosmokraten und Chaotarchen – Perry Rhodan und die Besatzung der SOL streiten für die Menschlichkeit. Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All begleitet hat, in eine ferne Galaxis versetzt worden. Dort hat er die seit Langem verschollene SOL und ihre Besatzung aus einer Chaoszone gerettet. Eigentlich wollen die Menschen an Bord nun so schnell wie möglich in die heimatliche Milchstraße zurückkehren. Aber ein Bote der Kosmokraten macht ihnen klar: Sie können nur nach Hause, wenn sie zuvor eine wichtige Aufgabe für die Hohen Mächte erfüllen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das erste SOL-Abenteuer scheint (zu Recht) gut bei den Fans angekommen zu sein, also schiebt der Verlag direkt die zweite Mini-Serie hinterher … obwohl die erste MISSION ja eigentlich gut abgeschlossen wurde. Wieder sinds zwölf Teile, aber diesmal kanns direkt losgehen … wir müssen die SOL nicht erst finden. Die Suche nahm ja mehr oder weniger einen Großteil der Handlung der ersten „Mission“ ein.

Perry Rhodan – Mission SOL 2 – Die komplette Miniserie (Teile 1-12) weiterlesen

Perry Rhodan – Sternenfieber (Silber Edition 151)

Die Handlung:

Das Jahr 427 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Ohne es zu wollen, ist die Menschheit in einen Konflikt hineingezogen worden, der sich über Raum und Zeit erstreckt. Mächtige Wesenheiten, die man als Kosmokraten und Chaotarchen bezeichnet, ringen in weiten Teilen des Universums um Macht und Einfluss.
Perry Rhodan und seine Gefährten können diesen kosmischen Wesen kaum etwas entgegenstellen. Immerhin gelingt es ihnen, die Kontrolle über die Endlose Armada zu gewinnen, einen gigantischen Heerwurm aus Millionen und Abermillionen Raumschiffen. Die Armada soll durch die Milchstraße ziehen und dabei die sogenannten Chronofossilien aktivieren – dabei wird sie ständig von den Mächten des Chaos angegriffen.
In einem ganz anderen Bereich des Kosmos muss Atlan, der beste Freund Perry Rhodans, zur selben Zeit einen gefährlichen Auftrag erfüllen: Im geheimnisvollen Tiefenland soll er eine uralte Gefahr beseitigen, die aufs engste mit dem Schicksal der Milchstraße verbunden ist. Scheitert Atlan, droht der Menschheit und ihren Verbündeten der baldige Untergang … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Interessant“ gehts los. Mir fiel kein besseres Wort ein, weils irgendwie seltsam, aber eben doch unterhaltsam und interessant ist, wovon uns erzählt wird. Bully wird entführt … cool, endlich mal nicht Perry Rhodan selbst. Der andere Handlungsfaden zeigt aber mal wieder, dass sich die Autoren manchmal wirklich austoben dürfen. Ein Terraner und eine Siganesin helfen einer Pflanze … einer intelligenten natürlich, sonst wüsste man ja nicht, wie man ihr helfen sollte. So spektakulär interessant scheint dieser Charakter aber nicht gewesen zu sein, Comanzatara, wie sie heißt, taucht nur in fünf Heftromanen der Perry-Rhodan-Serie auf.

Perry Rhodan – Sternenfieber (Silber Edition 151) weiterlesen

TKKG – Das Geheimnis im Jagdschloss (Folge 216)

Die Handlung:

Die Familie Kapper von Kapperstein will ihr Jagdschloss verkaufen und Klößchens Vater ist einer von drei Interessenten. Tim, Karl, Gaby und Klößchen freuen sich, Herrn Sauerlich beim Besichtigungswochenende begleiten zu dürfen. Erster Programmpunkt: Eine Schaujagd im dazugehörigen Wald. Als ein Pferd von einem Schuss getroffen wird und stürzt, erleidet der Hausherr eine schwere Quetschung am Bein. War das der Querschläger einer Flinte oder vielleicht doch ein Attentat? Was hat es mit einem ähnlichen Jagdunfall von General August Kapper von Kapperstein vor genau hundert Jahren auf sich? Welche geheimnisvolle Rolle spielte der General im ersten Weltkrieg? Und wohin ist plötzlich einer der drei Kaufinteressenten verschwunden? TKKG nehmen die Ermittlungen auf und stoßen auf ein sonderbares Rätsel, das hundert Jahre lang niemand knacken konnte … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der hörbare Versuchsballon

TKKG – Das Geheimnis im Jagdschloss (Folge 216) weiterlesen

TKKG junior – Eisige Diamanten (Folge 14)

Die Handlung:

Im Juwelierladen von Frau Sauerlichs Vertrauen sind Diamanten im Wert von vielen tausend Euro gestohlen worden. Der Täter hat zwar Fußabdrücke im Schnee hinterlassen, aber die Polizei tappt dennoch im Dunklen. Gut, dass TKKG in den Fall hineingezogen werden! Mit ihrem Spürsinn haben sie bald den ersten Verdächtigen ausgeforscht, aber Vorsicht! – der Fall ist komplizierter als gedacht! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Deine Spuren im … Schnee“ … die sind nicht lange da, wenns weiter so schneit oder Tauwetter einsetzt. Also fix das Gipsabdruckset aus der Tasche gezogen und Sneakerprofile verewigt. Alternativ dürfte es aber auch jede gute Handykamera tun.

TKKG junior – Eisige Diamanten (Folge 14) weiterlesen

Perry Rhodan – Kämpfer für Garbesch (Silber Edition 115)

Die Handlung:

Im Jahr 3587 stehen die Völker der Milchstraße einer übermächtigen Gefahr gegenüber, die mit der Gewalt einer Naturkatastrophe auf sie zukommt. Schwere Weltraumbeben bedrohen die Sonnensysteme der Galaxis und werden in absehbarer Zeit das Leben auf allen Welten vernichten.Das Solsystem ist währenddessen von den Orbitern besetzt. Die unheimlichen Klonwesen sehen in den Menschen Erzfeinde aus grauer Vorzeit, die Kämpfer für Garbesch, die es um jeden Preis zu vertreiben gilt. Die Orbiter geben außerdem einer neuen Geheimwaffe der Menschen die Schuld an den Weltraumbeben. Eine Raumschlacht scheint unausweichlich.Die Terraner schweben in größter Gefahr. Hilfe kann nur ein Mensch bringen, den alle für ein Wirtschaftsgenie halten: Es ist Jen Salik, und er entwickelt einen verwegenen Plan. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wer ist denn nun Garbesch und warum braucht er Kämpfer? Als die Horden von Garbesch werden die Völker bezeichnet, die SETH-APOPHIS mal gegen ES eingesetzt hat. Eigentlich ist das schon Vergangenheit, aber derzeit wieder hochaktuell im Perryversum, weil die ANLAGE bekanntlich angefangen hat … hordentlich …. zu klonen und die so entstandenen Orbiter zur Gefahr für die Milchstraße werden lässt. Die stellen immerhin ein Ultimatum, bis zu dessen Ablauf alle (fälschlich erkannten) Garbeschianer die Milchstraße verlassen sollen … aber weg will ja keiner.

Perry Rhodan – Kämpfer für Garbesch (Silber Edition 115) weiterlesen

Markus Heitz – Die Zwerge (Lesung)

Zwergenkrieg: episch, mit ironischen Untertönen

Seit ihrer Erschaffung durch den Gott Vraccas bewachen die fünf Stämme der Zwerge das Geborgene Land, wo Menschen, Elben und Zauberer friedlich miteinander leben. Doch als die Festung des Zwergenstammes der Fünften von Orkhorden, Ogern und Alben überrannt wird, ergießt sich ein Strom von hasserfüllten Bestien ins Geborgene Land. Als der Rat der Zauberer von einem Verräter fast vollständig vernichtet wird, hängt das Schicksal der Bewohner des Landes von einem einzigen Zwerg ab, der noch nicht mal weiß, woher er kommt: Tungdil wurde als Kind einem Zauberer in die Obhut gegeben.

_Der Autor_

[Markus Heitz,]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=56 geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte und arbeitete als Journalist bei der Saarbrücker Zeitung. Sein Aufsehen erregender Debütroman „Schatten über Ulldart“ wurde mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Seit dem Bestseller „Die Zwerge“ gehört Heitz zu den erfolgreichsten deutschen Fantasy-Autoren. Er lebt in Zweibrücken im Saarland. „Die Zwerge“ hat er ebenso fortgesetzt wie das inzwischen mehrbändige Ulldart-Epos.

|Markus Heitz bei Buchwurm.info:|

[Interview]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=56
[„Schatten über Ulldart“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=381 (Die Dunkle Zeit 1)
[„Trügerischer Friede“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1732 (Ulldart – Zeit des Neuen 1)
[„05:58“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1056 (Shadowrun)
[„Die Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2941 (Lesung)
[„Die Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2823
[„Die Rache der Zwerge“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1958
[„Die dritte Expedition“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2098
[„Ritus“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2351
[„Sanctum“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2875

Der Sprecher

Johannes Steck, geboren 1966 in Würzburg, ist Absolvent der Schauspielschule Wien. Von 1990 bis 1996 hatte er Engagements an verschiedenen Theatern. Dem breiten Publikum ist er vor allem aus dem TV bekannt. Er spielte in zahlreichen TV-Serien. Steck arbeitet zudem als Radio-, Fernseh- und Synchronsprecher. Er hat schon diverse Hörbücher gelesen.

Regie führte Margit Osterwold, die Aufnahme fand im Elmsbütteler Tonstudio, Hamburg statt. Das Titelbild entspricht dem der Buchausgabe beim |Piper|-Verlag.

Handlung

Tungdil ist friedlicher, unbescholtener Schmied im Zauberreich Ionandar, als sich sein Leben auf dramatische Weise ändern soll. Er wird zwar von den Lehrlingen und Gesellen des Zaubermeisters Lot-Ionan getriezt, weil er „nur“ ein kleiner Zwerg ist, aber das macht ihm wenig aus, denn er wird von der Magd Frala und ihren zwei Töchtern ebenso geliebt wie von seinem Ziehvater, und das ist der Zauberer Lot-Ionan höchstpersönlich. Sie alle sind vom Menschenvolk, doch da Tungdil wenig von der Welt jenseits der unterirdischen Stollen Ionandars gesehen hat, sind sie seine einzigen Freunde. Von den Zwergen weiß er jedoch durch seine Lektüre in den vielen Büchern des Zauberers. Er hat gehört, von den fünf Stämmen, die das Geborgene Land beschützen sollen, gebe es kaum noch welche.

Lot-Ionan gibt ihm einen wichtigen Auftrag, der ihn weit, weit fort von Zuhause führen wird. Nachdem er ihn daran erinnert hat, dass ein paar Kobolde vor 62 Sonnenzyklen Tungdil von den Vierten gebracht hätten, als er erst ein Jahr alt war, gibt er ihm einen Rucksack voller Artefakte und einen Brief für den Empfänger mit. Gorén, ein ehemaliger Schüler Lot-Ionans, lebe jetzt auf dem Tafelberg Schwarzjoch, etwa 300 Meilen im Nordwesten. Der Zauberer gibt ihm eine Landkarte und gute Wünsche mit, und Frala gibt ihm ihr Halstuch. Mit dem Proviant, den sie ihm als Küchenmagd abzuzweigen wagt, macht er sich auf den Weg an die Oberwelt.

Das Geborgene Land

Man schreibt den 6234. Sonnenzyklus, als sich Tungdil im Frühjahr auf den Weg macht. Tungdil ahnt nichts von den Veränderungen, die sich im Geborgenen Land, das ringsum von Gebirgen und Zwergenstämmen beschützt wird, anbahnen. Der Großkönig der Zwerge, Gundrabur Weißhaupt von den Zweiten, hat die Stämme zusammengerufen, auf dass sein Nachfolger gewählt werde. Denn er selbst ist alt und nicht mehr bei bester Gesundheit (man denke an König Théoden vor seiner Verwandlung). Immerhin sind Vertreter der Vierten gekommen, doch die Fünften sind seit 1100 Zyklen verstummt (sie wurden von den Feinden überrannt), von den Ersten kommt eh nie Botschaft und von den Dritten Lorimburs ist nichts Gutes zu erwarten: Man nennt die Dritten „Zwergentöter“.

König Gandogar Silberbart ist der aussichtsreichste Kandidat für die Thronfolge, und er weiß es wohl. Sein intriganter Berater Bislipur hämmert es ihm ja jeden Tag ins Hirn, dass nur Gandogar geeignet sei, Gundrabur zu beerben. Allerdings hat der Großkönig einen klugen und scharfsinneigen Berater namens Balendilín Einarm, der Gandogar und besonders Bislipur misstrauisch beobachtet. Bislipur besitzt einen kriecherischen Sklaven, den er an einem Halsband herumführt: Swerd, den Gnom. (Man denke an Gollum.) Und dieses Wesen erledigt Aufträge, von denen Balendilín nichts ahnt.

Soll die Herrschaft über die Stämme der Zwerge einem solchen Mann in die Hände fallen? Nie und nimmer! Balendilín und Gundrabur wurden von Lot-Ionan darüber informiert, dass bei ihm ein Zwerg namens Tungdil von den Vierten lebe. Auf diesen Mann konzentrieren sich nun die Pläne der beiden. Sie präsentieren Tungdil kurzerhand als Gegenkandidaten, und sie hätten auch schon Kundschafter ausgeschickt, um ihn holen zu lassen, auf dass Tungdil seinen Anspruch gegen König Gandogar verteidige.

Dass Tungdil noch nichts von seinem „Glück“ weiß, macht ja nichts, Hauptsache, der Großkönig gewinnt Zeit. Er kann nicht zulassen, dass Gandogars Pläne, gegen die Elben in den Krieg zu ziehen, Wirklichkeit werden. Denn gegen die Feinde, die ungehindert durchs Geborgene Land ziehen, hilft seiner Ansicht nach nur ein Bündnis aller verbliebenen Guten, also von Zwergen, Menschen und Elben.

Das Tote Land

Denn überall, wo der Feind seine Herrschaft errichtet, breitet sich das Tote Land aus. Hier herrschen unnatürliche Verhältnisse. Nicht nur, dass hier niemand der ursprünglichen Bewohner mehr lebt und Alben, Orks und Oger ungehindert umherstreifen. Nein, auch der Tod ist nicht mehr das, was er mal war. Der Zauber des Feindes bewirkt, dass die Toten wiederauferstehen, aber als Untote, als Zombies, die dem Kommando des Feindes unterstehen. Der Feind ist Nod-onn, und seine Stellvertreter sind die Albae: Dunkelheit verbreitende Ex-Elben, deren Augen schwarze Löcher sind. Sie wurden den Fünften zum Verhängnis, und deren Torfestung Drachenbrodem fiel in ihre Hände. Nun haben sie eigene Königreiche errichtet, von denen aus sie die der Menschen angreifen. Da die Menschen durch Erbfolgestreitigkeiten uneins sind, regt sich kein effektiver Widerstand.

Tungdils Irrfahrt

Als unser Held Tungdil also zum Berg Schwarzjoch marschiert, warten also jede Menge Gefahren auf ihn. Er ist ein Gelehrter, der die Welt aus der Theorie kennt. Nun greift sie mit allen Zähnen nach ihm, die sie hat. Schon im ersten Dorf, in dem er übernachtet, erscheinen nachts zwei Albae am Fenster. Ein Pfeil saust durchs Bettenlager, der für die beiden Boten des Rates der Magier bestimmt ist. Der Magierbote klärt ihn auf, was los ist, dann ziehen alle wieder ihres Weges. Tungdil wünschen den Langen viel Glück.

Doch als er in seinem Nachtquartier im Geäst einer Eiche von einem merkwürdigen Gestank erwacht, merkt er, dass der Baum von einer Orkhorde umlagert ist. Sie haben ihn noch nicht bemerkt. Die Orks braten das Fleisch der Soldaten des Königs Tilogorn am Lagerfeuer und schwatzen davon, was sie mit dem nahen Dorf vorhaben. (Der gelehrte Tungdil versteht auch Orkisch.) Da kommen die zwei Albae aus eben diesem Dorf, Sinthoras und Caphalor. Tungdil wird ihnen noch öfters über den Weg laufen. Die Albae bringen Botschaft von Nod-onn, wonach derjenige Orkhauptmann, der die meisten Menschen tötet, das größte Land bekommen soll. Sinthoras gibt den Orkhauptleuten drei Zaubersteine zum Schutz vor feindlichem Zauber. Sobald die Albae fort sind, beschließen die Orks, sie zu hintergehen. So sind Orks eben.

Klammheimlich steigt Tungdil von seiner Eiche und macht sich auf den Weg durch den Wald, um die Menschen im friedlichen Dorf zu warnen. Doch unversehens gerät er in eine Wolfsfalle. Nachdem er sich befreit hat, humpelt er anderntags weiter. Ob er noch rechtzeitig eintrifft? Der Rauch, der über dem Ziel emporsteigt, verheißt nichts Gutes…

Mein Eindruck

Dem kritischen Fantasykenner bietet dieser Auftakt zur Zwergentrilogie nur wenig Neues. Wer seinen Tolkien vorwärts und rückwärts kennt, der kennt die wichtigsten Figuren bereits: Kopien von Saruman (Nudin als Nod-onn), Gandalf (Lot-Ionan), Bilbo Beutlin / Gimli (Tungdil), Gollum (Swerd), Gríma Schlangenzunge (Bislipur) und König Théoden (Großkönig Gundrabur), die Nazgûl (Albae) sowie ein vielgestaltiges Bestiarium vermitteln hingegen dem reinen Liebhaber, der nur das Gleiche vom Alten haben will, ein Gefühl des Wiedersehens mit alten Bekannten.

Die Magier

Aber der Autor ist kein reiner Kopist. Er holt den Leser dort ab, wo Tolkien ihn hat stehen lassen und führt ihn dann zu einigen neuen Konzepten und Elementen. Was im „Herr der Ringe“ nur angedeutet wurde, ist beispielsweise der Rat der Zauberer. Bei Tolkien sind sie Verbreiter des Wissens der Valar, der engelsgleichen „Mächte“. Bei Heitz haben die Magier hingegen Charakteristika der Valar selbst angenommen, ohne jedoch deren große Macht zu erben. Da ist die Hüterin, die Stürmische, der Geduldige, der Schöne – und natürlich der Wissbegierige: Nudin. Er entspricht Saruman, dem Verräter. Und weil Sauron nicht vorkommt, bedient sich der Autor eines Kniffs: Nudin wurde von einem bösen Dämon in Besitz genommen. Dass Nudin mit dessen Macht das Geborgene Land gegen einen Angriff aus Westen wappnen will, nimmt ihm keiner ab. Pech gehabt, aber vielleicht steckt doch mehr dahinter, als die Zauberergilde wahrhaben will.

Die Zwerge

Tolkien hat uns zwar jede Menge Namen von Zwergen hinterlassen und auch ihre Entstehung und Eigenart geschildert (im „Silmarillion“), doch ihren eigentlich positiven Daseinszweck außer Acht gelassen. Bei Heitz haben die fünf Stämme den göttlichen Auftrag erhalten, das Geborgene Land zu schützen, obwohl offen bleibt, was sie eigentlich davon haben (außer Rohstoffen für ihr gutes Bier). Das Bild, das von diesem Volk gezeichnet wird, deckt sich fast hundertprozentig mit dem, das Tolkiens Erzählungen liefern. Einzige Ausnahme sind die Zwergenfrauen. In Jacksons Verfilmung wird die Frage nach den Zwergenfrauen humoristisch-ironisch im zweiten Teil aufgegriffen. Bei Heitz wird der Leser bzw. Hörer endlich auch richtige Zwergenfrauen kennen lernen, und – oh ja! – sie sind äußerst charmant. Sogar so charmant, dass Held Tungdil eine davon zur Frau nehmen wird.

Die Frauenquote

Apropos Frauen – ein recht düsteres Kapitel bei Tolkien. Die einzige Dame, die halbwegs auf dem Erdboden lebt, ist Sam Gamdschies Frau Rosie, die Tochter des Wirts in Hobbingen. Es gibt noch drei weitere Frauen, doch Galadriel und Arwen schweben über den Dingen. Galadriel, schlappe zehntausend Jährchen alt, wird in den Westen gehen, und Arwen kommt im „Herr der Ringe“, anders als im Film, überhaupt nicht vor (nur in den Anhängen). Bleibt also Eowen, das „Pferdemädchen“ – so lautet ihr Name in der Sprache der Rohirrim. Und es verwundert nicht, dass sie sich als Mann verkleiden muss, um in dem Krieg, der über ihr Schicksal entscheidet, ein Wörtchen mitreden zu dürfen.

Die Frauenquote sieht bei Heitz sehr viel besser aus. Die Zwergenfrauen habe ich bereits erwähnt, es gibt sogar eine Königin, man höre und staune. Die Zauberinnen werden jeweils Maga genannt, und Andokai, die Stürmische, nennt einen Göttersohn ihren Leibwächter. Sie stellt sich als ebenso wichtige Wissende wie auch Kämpfende heraus wie ihr dunkleres Gegenstück, die Halbalbin Narmora. Beide sind bereit, sich für das höhere Ziel, das Geborgene Land zu retten, zu opfern. Sie stehen darin den männlichen Protagonisten in nichts nach. Das finde ich sehr positiv.

Der Held

Eine Figur, die besonderes Interesse verdient, ist stets die des Helden. Welche Eigenschaften will der Autor anhand dieser Figur propagieren, sollte man sich stets fragen. In den Serienproduktionen der Vielschreiber wimmelt es von Wüterichen à la Conan, doch interessant wird es erst, wenn der Held einen Makel an sich entdeckt. Conan ist schwermütiger Bursche, der nur kämpft, wenn er muss (und dass muss er oft, denn so will es sein Schöpfer). Elric von Melniboné würde am liebsten den Geist aufgeben, doch seine Seele gehört seinem schwarzen Schwert Sturmbringer, und das hat andere Pläne.

VORSICHT SPOILER!

Tungdil muss zu seinem Leidwesen auch ein paar finstere Fakten über seine ungeklärte Herkunft erfahren. Das Märchen, das ihm sein Ziehvater Lot-Ionan auftischte, stimmt offenbar hinten und vorne nicht. Einmal heißt es sogar, er sei ein unehelicher Königssohn der Vierten, was ihn zu einem Untertanen König Gandogars machen würde. Aber auch das ist Käse bzw. eine Notlüge, um ihn zum Mitgehen zu bewegen, und Tungdil ist davon gar nicht erbaut. Die unangenehme Wahrheit scheint vielmehr die zu sein, die ihm sein intriganter Widersacher Bislipur auftischt: Tungdil sei wie er selbst ein Angehöriger der Dritten, die man auch als „Zwergentöter“ bezeichnet. Und kein rechtschaffener Zwerg will etwas mit einem der Dritten zu tun haben. Tungdil verschenkt seinen Königsanspruch stante pede an den Rivalen Gandogar und macht sich daran, den wahren Widersacher zu töten: Nod-onn.

Es ist ein äußerst fieser Einfall, den Helden auf diese Weise zum Werkzeug des Schicksals zu machen. Aber man erinnere sich an Frodo und Gollum im Schicksalsberg: Hier zeigt sich, dass es Gollums bedarf, um Frodo aus dem Wahn des Ringbesitzes zu befreien. (Will heißen, Gut und Böse gehören zusammen und bedingen einander.) Hinsichtlich Tungdils Schicksal ist die Ironie nicht geringer. Die rettende Feuerklinge, die die Zwerge in der Festung Drachenbrodem geschmiedet haben, entfaltet ihre spezielle Magie erst dann, so die Prophezeiung, wenn „ein Feind der Zwerge sie führt“. Bei Zauberin und Albin versagt die Klinge, und es ist ausgerechnet Tungdils Eigenschaft, ein „Zwergentöter“ zu sein, die ihn in die Lage versetzt, den größten Feind der Zwerge zu töten – nicht zuletzt zu seinem eigenen Erstaunen. Was natürlich seinen Zweifel widerlegt, ein Angehöriger der Dritten zu sein. Bislipur hatte Recht. Wird ihn jetzt noch irgendjemand lieben? Daumen drücken, Leute!

ENDE SPOILER

Heldentum und Theater

Das Finale, das in Schwarzjoch stattfindet, kann es zwar nicht mit der epischen Schlacht auf den Pelennorfeldern aufnehmen, ist aber auch nicht zu verachten. Es erinnert eher an die finale Schlacht der fünf Völker, die am Schluss von „The Hobbit“ stattfindet. Wie auch immer, der Held entpuppt sich als der, für den wir ihn schon immer gehalten haben: ein Schlaukopf und Kämpfer, der sich erst noch in die ihm – von Schicksal oder Schöpfer – zugewiesene Rolle hineinfinden muss.

Damit ihm so viel Heldenruhm nicht zu Kopf steigt, gibt es etliche Verweise auf Heldengeschichten, auf die sich Tungdil selbst stützt. Er verschweigt geflissentlich, dass die spezielle Geschichte, die ihn auf einen genialen Plan gebracht hat, nicht besonders gut für den Helden ausgeht. Der gibt darin nämlich den Löffel ab.

Ein weiteres heldenkritisches Element bilden die begeisterten Kommentare von Rodario, dem Theaterregisseur. Bezeichnenderweise nennt er sein Theater nicht nach den ollen Griechen, sondern bezeichnet es als „Kuriosum“, also lateinisch. Folgerichtig nennt er die Zuschauer „Spectatores“. Und wenn er Zeuge von Heldentaten wird, wie sie Tungdil & Co. vollbringen, so bricht er in Begeisterungsstürme aus. Äh, aber an manchen Stellen müsste man noch ein paar Dinge ändern, denn sie widersprechen der Zuschauererwartung. Und einige Statisten, wie etwa eine tobende Orkhorde, könnten sich als zu kostspielig in der Produktion erweisen.

Auf diese Weise lässt der Autor durchblicken, dass auch die Geschichte, die er erzählt, a) nur ein Schauspiel ist und b) möglicherweise dazu inszeniert wurde, den Spectator zu unterhalten. Folglich könnte es sein, dass der Erzähler ein paar, ähem, „Verschönerungen“ der etwas banaleren Wirklichkeit vorgenommen haben könnte. Cum grano salis.

Das Booklet

Es ist zwar nicht umfangreich, aber sehr informativ. Die erste Doppelseite listet alle wichtigen Figur auf, die im Verlauf der Handlung auftauchen oder erwähnt werden: Die fünf Zwergenstämme, die Menschen inklusive Magier und schließlich Die Anderen: Albae, Orks, ein Elbenfürst und ein Gnom.

Um all diese Völkerschaften und Institutionen wie etwa die Zauberreiche geographisch zuordnen zu können, zeigt die nächste Doppelseite zwei Landkarten dar. Diese tauchen in der Erzählung hin und wieder auf. Was auf den ersten Blick ein wenig verwirren könnte, ist die zweimal auftauchende Bezeichnung „Das Geborgene Land“. Der Unterschied zwischen den zwei Karten: Zunächst gibt Karte A den großen Überblick über die Lage der Königreiche im Geborgenen Land sowie über die Lage der fünf Zwergenstämme. Unübersehbar ist ein grauer Krake in der Mitte des Landes. Dies sind die Zauberreiche. Ihnen ist die Karte B gewidmet. Da sie einen größeren Maßstab hat, erkennt man auch die Elbenreiche, das Reich der Albae und die Region, wo sich die Orks festgesetzt haben.

Die dritte Doppelseite zeigt Werbung für weitere Hörbucher des Verlags und die letzte Seite Informationen über Autor, Sprecher und Macher. Insgesamt bietet das Booklet unentbehrliche Informationen, um den Überblick über die Vielfalt der Namen nicht zu verlieren. Insbesondere bei den Namen der Zwerge, die fast alle ein B oder G aufweisen, kann man sich leicht vertun. Ein Blick in die Liste verschafft dann wieder Klarheit.

Der Sprecher

Johannes Steck gelingt es, die Figuren, die durch die von Tolkien vorgegebenen Klischees geprägt sind, sehr gut zum Leben zu erwecken. Er schafft es nämlich, durch die Modulation seiner Stimme jeder Figur ihre passende Charakteristik zu verleihen. Das beginnt schon bei den Zwergen, wo es zwar fast nur tief sprechende Männer gibt, aber eben auch zwei Frauen, und die reden ganz anders.

Jeder männliche Zwerg ist unterscheidbar: Der Großkönig Gundrabur Weißhaupt von den Zweiten hat die tiefste, raueste und etwas altersheisere Stimme. Sein intriganter Widersacher Bislipur klingt ebenso heiser und tief, aber eben auch verschlagen statt majestätisch. Bavragor, der Steinmetz, macht seinem Schimpfnamen als „singender Säufer“ alle Ehre, und der furchtsame Goimgar klingt wie ein richtiges Weichei – es sei denn, er eilt seinem König zu Hilfe.

Am normalsten klingen noch König Gandogar Silberbart von den Vierten und Balendilín Einarm von den Zweiten. Der Zwerg, durch dessen Augen wir fast alle Szenen verfolgen, ist natürlich der Held, Tungdil. Und er klingt fast genauso wie der Erzähler, also völlig „normal“. Am besten gefiel mir der Zwergenkrieger Boindil Ingrimmsch, der sich über jede Gelegenheit, einen Ork niederzumachen, tierisch freut. Er hat für Tungdil den einen oder anderen bissigen Kommentar auf der Zunge.

Natürlich gibt es noch jede Menge anderer Wesen. Was kann man von einem hirnlosen, gierigen Ork schon anderes erwarten als eine hirnlose, gierige Sprechweise? Von Orks, Golems und Boglings ist schon gar kein vernünftiges Wort zu erwarten. Das machen die Furcht erregenden Alben mehr als wett, wenn sie sich mit drohenden Worten an ihren Opfern vergreifen. Tungdil gerät in die Klauen eines solchen Wesens.

Sind die Alben die dunkle, seelenlose Abart der Elben, so sollte man erwarten, dass die Elben wahre Lichtgestalten sind. Blond, blauäugig und hübsch – so werden sie geschildert, aber für die „Spitzohren“ haben die Zwerge (man denke an Legolas und Gimli im Rat Elronds) von jeher nur Spott und Verachtung übrig, wenn nicht sogar regelrechten Hass.

Irgendwo dazwischen stehen die Menschen. Die bemerkenswertesten unter den „Langen“, wie die Zwerge sie nennen, sind die Zauberer und die Schauspieler. Die Zauberer werden alsbald von dem Verräter Nudin bzw. Nod-onn dezimiert, den der Sprecher als Ausbund an Verkommenheit darstellt. Der gute Zauberer Lot-Ionan, ein Kollege von Gandalf dem Grauen (nicht dem Weißen), ist ein Ausbund an Sanftmut und Geduld, wenn wir ihn mal kennen lernen, was nur selten geschieht. Er kann es mit Nudin, der Saruman-Kopie, nicht aufnehmen.

Die Schauspieler sind Rodario, der Chef der Truppe, sodann Furgas, sein „Techniker“, und dessen Geliebte Narmora, eine Halbalbin, die als Mimin auftritt. Es ist Rodario, der wie Boindil einige herrliche Kommentare beisteuert, die dem ganzen heroischen Geschehen den einen oder anderen ironischen Aspekt abgewinnen. Wie es sich gehört, hat Rodario eine wunderbar theatralische Redeweise – er ist eben der Größte. Im Finale gibt es wenig für den Leser zu lachen, aber Rodario ist die einsame Ausnahme.

Insgesamt legt Steck eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit in seinem stimmlichen Ausdruck an den Tag, und da er am Schluss des Hörbuchs die Fortsetzung „Der Krieg der Zwerge“ in Aussicht stellt, dürfen wir uns bald wieder an seiner Sprachkunst erfreuen.

Das Hörbuch verfügt weder über Geräusche noch über Musik, aber dafür hat es ein informatives Booklet – siehe oben. Weil viele der CD-Schlüsse einen Cliffhanger aufweisen, will man sofort wissen, wie es weitergeht. Daher war es für mich überhaupt kein Problem, die 14 Stunden Hörzeit hinter mich zu bringen. Das kann ich nicht von jeder Hörbuchproduktion behaupten.

Unterm Strich

Dass die Zwerge zu einem Heldenepos taugen, habe ich schon immer geahnt, seit ich den „Hobbit“ gelesen hatte. Und Peter Jacksons formidable Verfilmung des „Herrn der Ringe“ ließ Gimli, den Zwerg, richtig gut zur Geltung kommen. Gimli mag zwar etwas ungehobelt daherkommen und etwas gegen die allzu hübschen Elben haben, aber dafür ist er offensichtlich bodenständig und mit einem Humor ausgestattet, mit dem man sich anfreunden kann. (Aber seine Erklärung zu den Zwergenfrauen hat ihm natürlich keiner abgenommen.)

Was uns Tolkien verschwieg, erfahren wir nun zum Teil von Markus Heitz. Der Auftaktband zu seiner Zwergentrilogie führt uns eine halbwegs eigenständige Welt vor Augen, in der sich ein Drama von weltbewegenden Dimensionen durchaus abspielen kann. Allerdings fielen mir jede Menge Imitationen von Tolkiens Ideen in „Der Herr der Ringe“ auf. Ich habe sie oben erwähnt. Es ist, als hätte der Autor versucht, krampfhaft von dieser übermächtigen Vorlage wegzukommen, aber dabei nur begrenzt Erfolg gehabt. Das kann aber auch Absicht sein: Der Leser erwartet einfach mehr à la Tolkien, und voilà!, das bekommt er auch.

Das Finale von „Die Zwerge“ ist angemessen dramatisch und actionreich. Es erinnert an die Schlacht von Helms Klamm und zugleich an das Finale von „The Hobbit“. Der Held entwickelt sich von einem relativ ahnungslosen, aber rechtschaffenen Gelehrten zu einem Menschenführer und Kämpfer, der die Entscheidung herbeiführt. Dass er dabei eine unangenehme Wahrheit über sich erfahren muss, macht ihn mehr als eindimensional und lässt auf eine weitere Entwicklung hoffen. Einen Ausgleich schafft sicherlich die Liebe. (Ich habe einen Großteil der Handlung verschwiegen, um die Spannung nicht zu zerstören, so etwa die Methode, mit der es Tungdil & Co. gelingt, den Widersacher Nod-onn zu besiegen.)

Der Prolog verhieß bereits jede Menge Unheil, das sich dann auch bewahrheitete. Dementsprechend ominös muss auch der Schluss des vorliegenden Bandes ausfallen. Rote Sterne fallen vom Himmel, als wären diese Welt die Drachenwelt Pern. Vielleicht ist wirklich was dran an Nudins Behauptung, es drohe eine Gefahr aus Westen. (Bei Tolkien droht sie immer aus dem Osten.) Fortsetzung folgt also: „Der Krieg der Zwerge“. Der dritte Band trägt den Titel „Die Rache der Zwerge“.

Das Hörbuch

Alle drei Teile finden in Johannes Steck einen kompetenten Sprecher, der es versteht, die einzelnen Figuren wiedererkennbar zu charakterisieren und die Szenen mit der angemessenen Dramatik oder mit Humor darzustellen. Ich hätte so manchen Satz anders betont, aber dieses Element liegt völlig im Ermessen des Sprechers. Nur wer genau hinhört, wird auf Details wie falsch ausgesprochene Name stoßen, beispielsweise „Drachenbodem“ statt „Drachenbrodem“ sowie „Balyndis“ statt „Balindys“ usw. Insgesamt ist das Hörbuch eine ausgezeichnete Leistung des Sprechers und der Aufnahmeleitung, und das Booklet erweist sich als unentbehrlich, um den Überblick nicht zu verlieren.

14 Stunden auf 11 CDs
http://www.HoerbucHHamburg.de

Die drei ??? – O du finstere (Adventskalender 2020)

Die Handlung:

Für Tante Mathilda erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch: Gemeinsam mit Onkel Titus, Justus, Peter und Bob will sie Weihnachten in einer verschneiten Berghütte feiern. Die besinnliche Stimmung wird schnell getrübt, als eine gehörnte Schreckgestalt in die Idylle hereinbricht. Doch auch unheimliche Vorfälle und Drohbotschaften halten die drei ??? nicht davon ab, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen.
Ein Weihnachtsfall in 24 Kapiteln. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

2019 wars der Adventskalenderfall zum Lesen, 2020 gibts das Abenteuer im Schnee nun auch zum Hören.

Tante Mathilda möchte Weihnachten in den verschneiten Bergen feiern, fernab von Stress und Trubel und Internet und Handyempfang. So stehts im Klapptentext, so soll es sein und so wirds mit Sicherheit nicht kommen … obwohl die gesamte Familie mit Freunden im Auto lustig „Jingle Bells“ singt und Plätzchen futtert … noch.

Die drei ??? – O du finstere (Adventskalender 2020) weiterlesen

Lem, Stanislaw – Robotermärchen (Lesung)

Wer das Wort „Märchen“ hört, denkt jetzt vielleicht an Rotkäppchen, den bösen Wolf oder an Hänsel und Gretel. Das ist Kinderkram. Denn die vorliegenden Märchen richten sich nicht an Kinder von Menschen, sondern an die neuprogrammierten Sprösslinge von Robotern, klar? Es sind Märchen von Robotern für Roboter, und Menschen kommen darin nur am Rande vor, und das nicht einmal in einer positiven Rolle. Dennoch interessieren sie uns brennend und bereiten uns Vergnügen. Und warum? Weil die hier geschilderten Silbrigen, Eisernen und Kupfernen noch menschlicher sind als Menschen es je sein können. Märchenhaft.

Hinweise zur Bezeichnung: „Bleichlinge, Weiche, Bleiche“ usw. sind Menschen. Alle anderen sind Roboter, also die Silbrigen, Eisernen und Kupfernen, ja, sogar die, die unter Wasser leben, wie König Hydrops und sein Volk. Tja, und dann gibt es noch den Großen Kosmogonischen Konstrukteur. Über den gibt es viele Theorien und wenig Wissen. Deshalb kommt er nur in Märchen vor. Oder dergleichen.

Der Autor

Stanislaw Lem, geboren am 12. September 1921 in Lwòw, dem galizischen Lemberg, lebt heute in Krakow. Er studierte Medizin und war nach dem Staatsexamen als Assistent für Probleme der angewandten Psychologie tätig. Privat beschäftigte er sich mit Problemen der Kybernetik, der Mathematik und übersetzte wissenschaftliche Publikationen. 1985 wurde Lem mit dem |Großen Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur| ausgezeichnet und 1987 mit dem |Literaturpreis der Alfred Jurzykowski Foundation|. Am bekanntesten wurde er für die literarische Vorlage für zwei Filme: „Solaris“, das 1961 veröffentlicht wurde.

Wichtige weitere Bücher Lems:

Eden, 1959
Summa technologiae, 1964
Der Unbesiegbare, 1964
Kyberiade; Robotermärchen, 1965
Sterntagebücher, 1959/1971
Der futurologische Kongress, 1971

Der Sprecher

Michael Schwarzmaier verzeichnet in seinem Wirken Engagements am Staatstheater Hannover, den Kammerspielen München. Unzählige Film- und Fernsehrollen unter Regisseuren wie August Everding, Peter Beauvais und anderen. Seine Spezialität ist das komödiantische Charakterschauspiel.

Der Regisseur

Regie führte Hans Eckardt. 1939 in Berlin geboren, studierte Germanistik und Sprachwissenschaft, wurde Buchhändler und Schauspieler. Vierzehn Jahre arbeitete er am Theater als Schauspieler, Regisseur und Chefdramaturg. Zahlreiche Lehrverpflichtungen an verschiedenen Hochschulen, auf Rezitationsveranstaltungen und bei Studioproduktionen schlossen sich an. 1982 übernahm Eckardt für zehn Jahre die Leitung der ältesten Hörbücherei in Deutschland, der Deutschen Blindenhörbücherei in Marburg a. d. Lahn. Lehre, Regie, eigene Rezitation und die Förderung von Sprechertalenten in seiner Eigenschaft als Verleger stehen nunmehr im Zentrum seiner Arbeit.

Die zwölf Märchen

I) Drei Elektritter

Es war einmal ein genialer Konstrukteur, der schuf nicht nur viele geniale Kleinodien an Maschinen, sondern auch ein ganzes Volk, die Kryoniden. Auf deren ruhmreiche Schätze hatten es aber etliche Raubritter abgesehen. Der erste davon war der Messinger, danach kamen der Eiserne und der Quarzer. Diese drei Elektritter abzuwehren, oblag den Feldmarschällen und Obersten der Kryoniden: Boreal, Albucid und Ohroaster. Doch den Quarzer abzuwehren, gelang nur dem Weisen Baryon, der eine raffinierte List einsetzte.

II) Die Uranohren

Ein wahrlich traurige Fabel! Einst war es dem großen Konstrukteur gelungen, zusammen mit seinem „Zauberlehrling“ Sonnen und Planeten zu erschaffen, darunter auch den Planeten Aktinurioa, auf dem das Reich der Palatiniden entstand, das von einem bösen Tyrannen namens Archithor beherrscht wurde.

Sonder Zahl waren die Aufstände und Rebellen, die versuchten, sein Joch abzuwerfen. Doch weil die einfachen Bewohner allesamt radioaktiv waren und, um das Zustandekommen einer kritischen Masse samt Kettenreaktion zu vermeiden, ihre Köpfe nicht zusammenstecken konnten, flog jede Vorbereitung eines Aufstands auf.

Der wichtigste Rebell war Pyron, doch den steckte Archithor in seinen tiefsten Kerker, wo er elendiglich verschmachten musste. Davon hörte endlich der Große Kosmogonische Konstrukteur und kam dem unterdrückten Volk zu Hilfe.

III) Erg Selbsterreg überwindet den Bleichling

König Schlagenot sammelt Kuriositäten und ist mächtig stolz auf sie. Ständig denkt er über Neuerwerbungen nach. Also ruft er den Elektrowisser Halazon herbei. Der schlägt ihm einen lebenden Antrobus aus dem Zwischensternreich vor, den er für ihn fangen wolle. Gesagt, getan! Der König lässt bereits einen Käfig errichten, in den alsbald der gefangene Antrobus gesteckt wird. Dieser Bleichling, der mit einer edlen Maschine keinerlei Ähnlichkeit aufweist, ist von ekelerregender Widerwärtigkeit.

Doch Prinzessin Elektrina, die ein klein wenig unterbelichtet ist, freundet sich mit ihm an, weil er gar so exotisch ist. Sie will von ihm einen Zahn haben, denn so etwas kennt sie nicht. Doch der Bleichling verlangt von ihr im Tausch ihren goldenen Schlüssel, mit dem sie jeden Morgen aufgezogen wird. Vertrauensselig überreicht sie ihm das lebenswichtige Werkzeug. Doch er betrügt sie, und nach Ablauf ihrer Feder fällt sie um.

Nun ist guter Rat teuer. Denn für den Schlüssel verlangt der Bleichling ein Raumschiff, das ihn zu seiner Heimat bringe. Das bekommt er, doch er nimmt den Schlüssel mit – zur Rache! Wer kann nun die schlafende Prinzessin erwecken? Der König, nicht faul, verkündet, derjenige Ritter, der ihm den Schlüssel beschafft oder den Bleichling, solle die Hand der Prinzessin erhalten und den Thron erben.

Viele Scharlatane folgen Schlagenots Ruf, doch nur einer, der quecksilbrige Erg Selbsterreg, vermag die holde Elektrina zu erwecken, auf geniale Weise.

IV) Die Schätze des Königs Biskalar

König Biskalar behauptet stolz, es gebe nichts mehr, dass er nicht schon besäße. Dieser Stolz fordert den Konstrukteur Kreazius heraus. Er lässt sich die Schatzliste geben und eine Prise Sand. Diesen verwandelt er in ein neuartiges Kleinod – und verwandelt es in Sand zurück. Der König ist darob sehr erbost und befielt Kreazius, ihm das Radium-Ei aus seiner tiefsten Schatzkammer zu bringen.

Doch Kreazius verfügt über ein Döschen winziger Assistenten, die ihm nicht nur helfen, zahllose Wächter, sondern auch die raffiniertesten und tödlichsten Schlösser zu überwinden. Wütend deportiert Biskalar den Konstrukteur auf einen Wüstenplaneten, auf dass er von dort zurückfinden möge. Erschreckt stellt Kreazius fest, dass ihm die königlichen Handlanger sein Döschen stibitzt haben. Was nun? Doch erst die dritte Aufgabe stellt Kreazius‘ Fähigkeiten auf eine harte Probe.

V) Zwei Ungeheuer

Es waren einmal drei Städte der Argenser, der Silbrigen. Sie wurden von der Dynastie der Energer beherrscht. Noch können sie die Invasion der Siderianer abwehren, doch Schlimmeres wird prophezeit: Dereinst würden zwei Ungeheuer die Argenser vernichten. König Inhiston lässt seine Vielwisser kommen und befielt Maßnahmen. Der Groß-Archidynamikus, der Groß-Kyberneur und der Groß-Abstraktor stecken die Köpfe zusammen.

Gegen das erste Ungeheuer, das den ganzen Planeten verwüstet, bauen die Weisen drei Ritter: den Kupfernen, einen Riesen; den Quickkopf, einen Vielgestaltigen; und etwas, das der Groß-Abstraktor verborgen hält. Und als dessen Zeit gekommen ist, da entpuppt er sich als Antimaterie. Doch weh und ach! Der Ungeheuer entstanden viele auf einem alten Schrottfriedhof, und der Untergang des Energerreiches war nahe.

Da entsann sich der König der prophetischen Inschrift auf seinem Zepter, zerbrach’s und las die leuchtende Schrift an der Wand. Hinter all dem steckte der schlimmste Feind der Maschinen: der Mensch. Da ward König Inhiston sehr traurig und bitter und befahl das Einzige, was zu tun übrig blieb.

VI) Der weiße Tod

Der Planet Aragena ist nicht von Städten bedeckt, sondern nach innen, in die Tiefe ausgebaut, wo es vor Edelsteinen und Spiegeln wimmelt. Solcherart versteckt sich das listige Volk der Enteralen vor seinen Feinden. König Metamerius aber besteht aus Milliarden von Gliedern, in deren erstem jeweils der Verstand wohnt. Er stammt von den Aurigonen ab, deren Erzfeinde von jeher die Weichen oder Bleichen gewesen sind. Seit Jahrtausenden wacht Metamerius und schützt sein Volk vor den Verfolgungen der Bleichen, und seine Raumgegend wird gemieden.

Doch eines Tages zerschellt ein Raumschiff vor einem Höhleneingang der Enteralen. Man zerrt das harmlos aussehende Schiff in eine Höhle und öffnet vorsichtig eine Hülle nach der anderen. Das letzte Türschloss muss mit einem Wort geöffnet werden. Eingedenk uralter Legenden erinnert sich Metamerius, dass es „Rache“ lautet.

Das Schiff ist tot und leer, auf dem Boden schwimmt nur eine rote Pfütze, daneben liegen Kleiderfetzen. Doch weh! „Das Rot ist des Weißen Todes Lebenselixier!“ Eilig befielt der umsichtige König die sofortige Zerstörung und Atomisierung des Schiffes. Zu spät! Eine Spore des Weißen Todes ist der Sterilisation entkommen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf …

VII) Wie Winzlieb und Gigelanz die Nebelflucht auslösten

Dieses Märchen liefert eine Erklärung für das, was vor dem Urknall passiert sein könnte. – Im vorigen Universum gab es nämlich zwei kosmogonische Konstrukteure, nicht bloß einen: Winzilieb und Gigelanz. Sie zerstritten sich, weil sie unterschiedlicher Meinung darüber waren, wie ein neues Denkinstrument zu konstruieren sei, mit dem sie die Geheimnisse der Materie erkunden könnten.

Um die Richtigkeit ihrer Meinung unter Beweis zu stellen, konstruieren sie jeweils einen Krieger für sich und schicken diese in einen Zweikampf. Gigelanz erschafft den Kosmobold, doch Winzlieb nur Kleinzeug: einen Rubin. Dieser Winzling verspottet den galaxiengroßen Kosmobold. Der aber sucht den Winzling und dreht sich dabei ständig um die eigene Achse, wodurch die in ihm enthaltenen Galaxien schon bald aus der Mitte nach außen fliehen. Es kommt zum Urknall. Doch darüber, wer den Disput für sich entschieden hat, streiten ihre Schöpfer noch heute.

VIII) Das Märchen von der Rechenmaschine, die gegen den Drachen kämpfte

König Poleander, der auf der Kyberei lebt, ist Kybernetiker und Krieger, so dass sein Reich vollkommen geschützt ist. Leider ermangelt es ihm an Gegnern. Daher lässt er künstliche Ziele erschaffen, um sie zu vernichten, auch wenn darob die Untertanen murren. Denn wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Doch so mächtig auch der Gegner ist, stets gelingt es Poleander, ihn zu bezwingen. Schließlich geht er mit seinem Krieg netterweise auf den Mond. Dort konstruiert er eine tüchtige Rechenmaschine, die alles herstellen kann. Doch wegen eines Übermittlungsfehlers bei ihren neuen Befehlen erschafft sie nicht Elektrokrach, sondern einen Elektrodrach.

Schon bald fallen Felsen mit zerstörerischer Wirkung vom Mond auf die Kyberei. Nun ist guter Rat teuer. Der König, dessen Palast bombardiert wird, sucht den Rat einer uralten Strategie-Rechenmaschine, die er schon lange nicht mehr konsultiert hat. Das hätte er lieber bleiben lassen sollen, denn es bedeutet, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

IX) Die Räte des Königs Hydrops

Die Wasserwelt Aquatia wird von König Hydrops regiert. Er hat beschlossen, einen Sohn als Erben und Nachfolger erschaffen zu lassen und fragt seine Räte, wie denn dieser Sohn optimal beschaffen sein soll, damit dieser Aquatias würdig sei. Die Räte sind Ammasid, Diopterich, Bricklerich und Philonaut. In der Kammer, in der sie bei ihrem Konklave eingesperrt sind, hebt nun eine Welle von Intrigen gegeneinander an. Denn jeder denkt nur an den eigenen Vorteil. Endlich kommt ein Kompromiss zustande und sie legen die Matrize für die Sohneserschaffung fest.

Der künftige Sohn wird nur kleine Dinge lieben. Um sich aber Liebkind zu machen, lassen sich die Räte verkleinern. Der Rat Diopterich nimmt dazu die Hilfe eines Kesselflickers namens Froton in Anspruch, der sich als Belohnung die Hand von Diopterichs Tochter Aurentina erbittet. Doch er empfängt nur Undank, und damit beginnen für ihn und Diopterich schwere Zeiten, wobei auch Frotons wissbegierige erste Frau eine Rolle spielt.

X) König Globares und die Weisen

Auf dem Planeten Eparis herrscht der allwissende König Globares. Er ist es müde, schon alles zu kennen und befiehlt seinen Weisen, ihm bei Strafe des Geköpftwerdens eine wundersame Geschichte zu erzählen. Köpfe rollen, als die beiden ersten Weisen kläglich versagen, den König zu amüsieren. Denn dieser ist sehr spitzfindig und hat immer Recht, selbst wenn er Unrecht hat.

Da tritt der dritte Weise auf und weigert sich rundweg. Der König verlangt, dass er ihn verspotte und lächerlich mache. Der Weise entgegnet, er werde beweisen, dass es etwas gebe, das absolut lächerlich sei und dennoch von niemand verspottet werde: der Kosmos. Und er werde zeigen, dass dieser Kosmos der Beweis sei, wie lächerlich der König sei. (Was ihm auch gelingt, allerdings nur über etliche Umwege.)

XI) Das Märchen vom König Murdas

Der junge König Murdas, der gerade den Thron bestiegen hat, ist ängstlich und obendrein ehrsüchtig. Er will sich den Beinamen „der Große“ erwerben. Er lässt alle Prophezeiungen, Omen und Orakel verbieten. Doch in einem alten Wachturm stößt er eines Tages auf eine winzige Pforte, hinter der ein alter Orakelkasten ihm eine Weissagung bereithält. Es ist ein sehr langes Gedicht, das ihn vor bösen Verwandten warnt und ihn zu deren Ermordung auffordert. Schon bald rollen die Köpfe aller seiner Verwandten.

Fast aller: Denn er träumt, ein Onkel namens Zenander sei seiner Verfolgung entgangen. Also lässt er eine riesige Statue von sich herstellen. Diese ist so groß, dass sie die ganze Hauptstadt umfasst und noch einiges Land darüber hinaus. Nun kann Murdas mit Recht sagen: „Der Staat bin ich.“ Doch er hat weiterhin Träume von einer königsfeindlichen Verschwörung. Er beschließt, einen Anti-Traum zu träumen. Es gelingt ihm nur unter Mühen. Kann man träumen, wach zu sein? Allmählich vermag Murdas kaum mehr zwischen Traum und Wachen zu unterscheiden, und ein wahrer Krieg der Träume entbrennt, es gibt sogar Träume n-ter Potenz.

Das kann nicht lange gut gehen, und so ist es dann auch.

XII) Zifferotikon

Der genaue Titel dieses Textes lautet: „Aus dem Werk ‚Zifferotikon‘, das ist: Von Irr- oder Abschweifferey, Versteiffung & Thorheit des Hertzens“.

Dies ist das Märchen vom Königssohn Ferrenz und der Prinzessin Kristalla. Ferrenz hat sich in sie verliebt, doch seine Verwirrung ist groß, als ihm sein Vater verrät, dass Kristalla komplett wahnsinnig sei: Sie wolle nur einen Bleichling zum Mann nehmen. Dabei sei doch die ekelerregende Evolution der Bleichlinge bekannt sowie ihre abstoßende Art, sich zu vermehren. Sie programmieren nicht einmal ihre Nachkommen! Leider ist es auch wahr, dass diese Wesen die Maschinen erschufen. Dank sei Urvater Genetophorius, der die Maschinen aus der Knechtschaft in die Freiheit führte!

Was ist zu tun? Ferrenz konsultiert den Weisen Polyphases. Er rät dem Prinzen, sich als Bleichling zu verkleiden und so Kristalla zu täuschen. Doch es ist nicht damit getan, den edlen Körper des Prinzen mit Klitsch und Schleim und Fransen zu bedecken, er muss auch noch Blasen voll Luft und Wasser versteckt transportieren. Ferrenz ist von sich selbst angeekelt. Doch Polyphases überzeugt ihn und gibt ihm noch ein paar richtige Antworten auf zu erwartende Fragen Kristallas auf den Weg. Ferrenz besteht auf seiner Begleitung.

In König Aurenzius‘ Hauptstadt bietet Polyphases, verkleidet als Kaufmann, den neuen Bleichling feil, was sofort die Mägde Kristallas der Prinzessin hinterbringen. Sie lässt Polyphases vorladen. Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Sie stellt den Bleichling, der sich selbst „Sabbermümmel“ nennt, auf die Probe. Ob er sie wohl besteht und ihr Mann wird? Lest selbst, ob seine Liebe groß genug ist!

Mein Eindruck

Stanislaw Lem hat sich in den hier versammelten „Robotermärchen“ mit drei Themenbereichen befasst.

I) Der unschuldigste und abstrakteste Bereich ist die Entstehung des Kosmos. Dafür bemüht er in seinen Märchen den Großen Kosmogonischen Konstrukteur – da Maschinen keine Vorstellung von abstrakten leiblichen Eltern haben, die sie Gott und Göttin nennen können, kommt ihnen die Vorstellung des Konstrukteurs – oder Programmierers – natürlich vor. Das ist wiederum ironisch, denn sie selbst sind keine Geschöpfe der Natur, noch verfügen sie über eine natürliche Evolution. Also muss ein Konstrukteur den Kosmos und alles, was sich darin feststellen lässt, erschaffen haben.

II) Dieser Mythos wird jedoch durch das zweite Thema als Fiktion und Wunschvorstellung der Robotergenerationen entlarvt. Hier geht es um die Auseinandersetzung mit den Erschaffern der Maschinen und Roboter, bis hin zu deren Exodus und ihrer Emanzipation. Dafür verfolgen ihre menschlichen Schöpfer sie offenbar bis zum Jüngsten Tage, denn wo immer Menschen Roboterwelten heimsuchen, spielt das Wort „Rache“ eine Rolle („Der weiße Tod“, „Zwei Ungeheuer“).

Selbst so harmlos scheinende Märchen wie „Erg Selbsterreg bezwingt den Bleichling“ und „Zifferotikon“ durchzieht die Linie der Konfrontation mit den Menschen auf einer existentiellen Ebene. Nicht nur, dass Menschen so widerwärtige Leiber besitzen, stößt die Roboter ab, sondern noch vielmehr die Boshaftigkeit der Menschen. Selbst in der „Schneewittchen“-Parodie „Erg Selbsterreg …“ ist der Bleichling das Inbild von Lug und Trug. (Das wäre jeder Mensch, den man gefangen genommen hat.) Und für diese Tat der Roboter, die ihn gefangen haben, sinnt er auf Rache.

III) Der dritte, umfangreiche Bereich, der den eigentlich Stoff der Märchen verarbeitet, greift die menschlichen, allzu menschlichen Eigenschaften der Roboter und ihrer diversen eigenartigen Welten und Herrscher auf. Könige mit unermesslichem Reichtum, größtem Wissen und Fürsorglichkeit stehen Tyrannen von arroganter Kühnheit, ängstlicher Paranoia oder schierer Gedankenlosigkeit gegenüber.

Ihre Weisen und Ritter erweisen sich in der Mehrzahl – dem Märchengesetz gehorchend – als in aller Regel unfähig oder Scharlatane. Es ist stets der Letzte der Weisen und Ritter, der obsiegt oder die Aufgabe erfolgreich bewältigt, möge sie noch so perfide gestellt worden sein. Eines der Märchen folgt beispielsweise dem Muster, das die Abenteuer des Herakles vorgegeben haben.

Die Boshaftigkeit des Tyrannen fällt in aller Regel auf ihn zurück. Denn wie heißt es so schön am Ende von „Erg Selbsterreg“? „Und der Schwindel kam nie ans Licht. Daraus seht ihr sogleich, dass ich kein Märchen erzählt habe, sondern die Wahrheit. Denn im Märchen siegt immer die Tugend.“ Man kann sich Lem gut mit einem Augenzwinkern vorstellen, wenn er dies schreibt. Denn fast alle seine Märchen lassen die Tugend siegen.

Der Märchenbrunnen

Der Brunnen, aus dem Lem seine Märchenmuster schöpft, sind in der Mehrzahl die bekannten Texte der Gebrüder Grimm und nicht etwa russische Märchen. So kommt etwa kein einziges Mal eine böse Hexe oder Zauberin vor, wie sie etwa die ukrainische Hexe Baba Yagá verkörpert (die sogar im Film verewigt wurde). Auch ein Überheld wie der „Starke Wanja“ fehlt, der als Einziger die Baba Yagá zu bezwingen vermag. Griechische Sagen standen häufig Pate: Die Abenteuer des Herakles und das Trojanische Pferd („Der weiße Tod“) lieferten Stilvorlagen für Lems Kyberiaden.

Vielmehr sind es oftmals Heroen des Geistes, die den Sieg davontragen: Weise, Konstrukteure und dergleichen. Besonders lächerliche Geistesheroen sind jedoch die Konstrukteure Trurl und Klapauzius, die leider in dieser Sammlung fehlen. Diese beiden erfinden sogar einen „Dämon zweiter Ordnung, um Mäuler den Mäuler zu besiegen“. Lem ist der Dünkel der Erfinder nicht unbekannt. Er hat ihn schon in den „Sterntagebüchern“ durch den Kakao gezogen.

Die Räte hingegen sind Opfer persönlicher und fremder Machtinteressen – Inbegriff oder Karikatur von Politikern (vgl. „Die Räte des Königs Hydrops“). Am schlechtesten kommen eigentlichen Prinzessinnen weg: Die arme Elektrina in „Erg Selberreg“ ist leider naiv und ahnungslos, als sie dem durchtriebenen Bleichling ihren goldenen Aufziehschlüssel aushändigt. Und Kristalla in „Zifferotikon“ ist sogar so verblendet, dass sie nur einen Bleichling heiraten will. Kein Wunder, dass sie für wahnsinnig gehalten wird. Ob sie wohl geheilt werden kann? Leset selbst!

Sprachkunstwerke

Das Wichtigste an den „Robotermärchen“ ist jedoch die Sprache. Mit ihrem Einfallsreichtum, ihrer Variationsbreite und der Treffsicherheit der Parodie, an Wortwitz und unwahrscheinlichen Gedankenfiguren suchen sie bis heute ihresgleichen. Diese raffiniert ausgesponnenen Lügenmärchen à la Münchhausen vom Kuriosen bis zum Wunderbaren und Traurigen sind eine Lust zu lesen. Es ist den beiden Übersetzern I. Zimmermann-Göllheim und Caesar Rymarowicz zu verdanken, dass sie den Sprachreichtum des Originals in ein angemessenes Deutsch übertragen haben, das uns doch selbst an alte Buchausgaben von Grimm’schen Märchen gemahnt.

Denn mögen auch die Ideen der einzelnen Texte auf Wissenschaft und Psychologie, Politik und Biologie zurückverweisen, so bleibt doch das Fundament, auf dem sie stehen, die Sprache. Wäre das nicht so, so könnten dies keine Märchen mehr sein, sondern man würde sie als trockene Traktate und Pamphlete betrachten, die nur von kurzem Reiz wären. Das Kleid des Märchens verleiht ihnen überzeitliche Dauer und Aussagekraft. Außerdem sind sie fast überall, wo man Märchen liest, zu verstehen – in Zeiten der Globalisierung sicherlich kein Nachteil.

Der Sprecher

Der dritte wichtige Beiträger zur Wirkung dieser herrlichen Texte ist der Sprecher. Michael Schwarzmaier hat die Seele der Märchen erfasst, trägt sie absolut ernst und überzeugend vor, um so die Stoßrichtung der Aussage jedes Textes klarzumachen, bis die Aussage ihre Pointe gefunden hat. Dabei hat der Hörer den Eindruck, als ob Schwarzmaier nicht zum ersten Mal Märchen und Fantasien vortrage. Das ist zutreffend: Er hat auch schon „Ijon Tichys Erinnerungen“ aus Lems „Sterntägebüchern“ vorgetragen, und zwar mit ebenso viel Verve und Einfühlungsvermögen für das Tempo und die Intonation von Sätzen. In einem Märchen steigert er das Tempo bis zum Gehtnichtmehr. Normalerweise würde dies grotesk erscheinen, doch der Text ermuntert dazu: Es ist der dramatische Höhepunkt von „König Murdas“, als sich der Vortrag im |prestissimo| seinem Finale nähert. Herrlich.

Unterm Strich

Die „Robotermärchen“ sind eine Reihe von Parodien, in denen der Autor weder Zukunftsprobleme noch aktuelles Geschehen der Entstehungszeit (1964/65) aufgreift, sondern vielmehr überzeitlich gültige Themen wie: Ursprung und Entstehung des Kosmos, allzu menschliche Fehler und Schwächen von Herrschern, auf Roboterkulturen übertragen und das künftige Verhältnis von Mensch und – unabhängig gewordener – Maschine, Schöpfer und Schöpfung (vgl. „Frankenstein“).

Dabei rührt das Vergnügen am Lesen der Texte nicht mal so sehr von den konventionellen Erzählmustern oder den mitunter ungewöhnlichen Ideen her, sondern vor allem von der herrlichen Sprache, die wir auch in der Übersetzung genießen dürfen. Der Sprecher Michael Schwarzmaier ist in der Lage gewesen, dieses sinnliche Vergnügen weiterzugeben – mit einem lebendigen Vortrag, der es auch an Sensibilität für Sätze und einzelne Wörter nicht mangeln lässt.

Ich habe das gesprochene Wort mit dem gedruckten in der |Suhrkamp|-Ausgabe von 1978 verglichen und konnte keine Fehler von Bedeutung feststellen. Und ich kann euch sagen, dass es in einem Lem-Text immer ein paar schwere Brocken gibt: Groß-Kyberneur, Abstraktor, Kosmogoniker – das sind noch die leichtesten.

Mein Fazit lautet daher, dass dieses Hörbuch ein lohnender Kauf ist, sofern man auch nur ein winziges Bisschen für Märchen übrig hat. Dass der Preis ein wenig höher ist als etwa bei |Lübbe|-Hörbüchern, liegt vermutlich an der niedrigen Auflage, die der Verlag produzieren konnte. An der Ausstattung lag es wohl nicht, denn die ist recht bescheiden ausgefallen: Es gibt weder Musik noch Geräusche, und auch ein Booklet sucht man im Faltkarton vergeblich.

Wer kann, sollte sich die zusätzlichen Texte in der Buchausgabe sichern, die im Hörbuch weggelassen wurden. Das Buch trägt den Titel „Kyberiade“.

John Sinclair – Shao (Teil 2 von 2, Folge 141)

Die Handlung:

Noch immer war mein bester Freund und Partner Suko in Shimadas Höllenschloss gefangen. Würde es mir gelingen, ihn aus den Fängen des Ninja-Dämons zu befreien? Und wie sollte ich ihm erklären, dass Shimada sich in seiner Abwesenheit bereits das nächste Opfer geholt hatte? Es war – Sukos Freundin Shao! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, dieser zweite Teile der aktuellen Dilogie ist nicht nur aufgrund der Handlung interessant. Die Inhalte der Folge 140 stammten aus Heft 364, das im Juni 1985 erschienen ist und gar kein Teil eines Mehrteilers war. Dieser zweite Hörspielteil lehnt sich laut Verlagsinfo an die Inhalte aus gleich drei Romanheften an. Heft 450 („Sukos Totenfeier“ vom 16.02.1987), 451 („Drei Gräber bis Soho“ vom 23.02.1987) und 456 („Shao – Phantom aus dem Jenseits“ vom 30.03.1987). Wir machen also einen Zeitsprung von zwei Jahren zwischen den Teilen, interessant.

John Sinclair – Shao (Teil 2 von 2, Folge 141) weiterlesen

Die drei ??? Kids – Schrottplatz in Gefahr (Folge 78)

Die Handlung:

Der Schrottplatz brennt! Ausgerechnet vor der großen Jubiläumsfeier. Die drei ??? Kids sind sich sicher: das kann kein Zufall sein. Die Spuren führen Justus, Peter und Bob weit zurück in die Vergangenheit … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wow, 20 Jahre gibts die Drei ??? Kids schon? Kommt mir gar nicht so lange vor. Vielleicht, weil ich mich seit genau dieser Zeit nicht mehr nur auf die neuen Abenteuer der Drei ??? freuen kann, sondern weil auch die Junior-Variante absolut vergleichbaren Lese- und Hörspaß bietet.

Die drei ??? Kids – Schrottplatz in Gefahr (Folge 78) weiterlesen

Die drei ??? – Die falschen Detektive (Folge 207)

Die Handlung:

Die Drei ??? sind fassungslos: Sie haben Doppelgänger! Drei Jungen, die sie noch nie gesehen haben, geben sich als „Die drei ???“ aus. Justus, Peter und Bob heftensich an die Fersen der falschen Detektive und beginnen ihre Ermittlungen. Wieso haben die Unbekannten ihre Identität angenommen? Und können Justus, Peter und Bob ihnen das Handwerk legen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Merkwürdig gehts los … in einem Baumarkt. Nicht, dass Bob jemand den letzten Metalldetektor vor der Nase wegkauft ist das Besondere, sondern der Junge selbst. Der nennt sich nämlich nicht nur wie der dritte Detektiv, der behauptet auch, er würde den gleichen Nachnamen tragen und bei den ??? dabei sein. Wie jetzt? Den würden wir uns doch gern greifen und zur Rede stellen … tja, Bob auch … nur, der andere Bob entkommt (ach was!) und wir haben direkt unseren Fall der doppelten Detektive. Wobei, Singular … bislang ists ja nur einer.

Die drei ??? – Die falschen Detektive (Folge 207) weiterlesen

Die drei !!! – Nacht der Wölfe (Folge 69)

Die Handlung:

Ein Wolf wird im Wald nahe der Stadt gesichtet! Franzi ist total begeistert über die Rückkehr der Wölfe. Doch die Tiere sorgen für verhärtete Fronten zwischen Tierschützern und besorgten Anwohnern, die die Wölfe für einige Vorfälle verantwortlich machen. Aber haben sie wirklich etwas mit dem Verschwinden von zwei Jungs aus dem Waldkindergarten zu tun? Kim,Franzi und Marie machen sich im Wald auf die Suche nach den beiden. Und stehen dort dem Wolf plötzlich selbst gegenüber. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Der Problemwolf“ … ja, das Thema ist bei uns in der Lokalpresse im Sommerloch auch fast jeden Tag auf der Titelseite (neben Corona). Hier gehts allerdings um gerissene Schafe und nicht um verschwundene Kinder.

Die drei !!! – Nacht der Wölfe (Folge 69) weiterlesen

H. P. Lovecraft – Das gemiedene Haus (Gruselkabinett Folge 162)


Geisterjäger gegen das Unheil im Keller

Providence, 1919: Was ist dran an den unheimlichen Gerüchten um das Haus der Familie Harris, das nach unzähligen Todesfällen, die es dort gab, nun nicht mehr bewohnt wird? Dr. Elihu Whipple und sein Neffe Howard wollen dem Rätsel auf die Spur kommen und beschließen, eine Nacht im Keller des Gebäudes zu verbringen, um das vermeintliche Böse auszurotten. Ihr Gegner erwartet sie dort bereits… … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
H. P. Lovecraft – Das gemiedene Haus (Gruselkabinett Folge 162) weiterlesen

King, Stephen – Puls (Lesung)

Wie Silvester in der Hölle

Das Grauen steckt in jeder Hand- und Hosentasche. Das Handy ist ein moderner Heilsbringer, doch in Kings „Puls“ kommen mit dem Klingelton auch Wahnsinn und Tod.

Dieses Buch ist Richard Matheson, Autor der verfilmten Endzeitvision „Ich bin Legende“, und dem Zombie-Spezialisten George Romero gewidmet. Der kundige Leser ist gewarnt.

Der Autor

Stephen King, geboren 1947 in Portland, Maine, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“ (verfilmt), erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Mio. Büchern in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. (Verlagsinfo) Er lebt in Bangor, Maine, und Florida. Seine Erstleserin ist immer noch seine Frau Tabitha King.

Sein Hauptwerk, das zeigt sich immer deutlicher, ist der Zyklus um den dunklen Turm. Er besteht aus folgenden Bänden:

Schwarz (ab 1978); Drei; Tot; Glas; Wolfsmond; Susannah; Der Turm (2005).

Dazu gibt es zwei empfehlenswerte Erläuterungsbände von Kings Assistentin Robin Furth. Sie hat auch bei „Puls“ recherchiert, z. B. über Handys. King selbst besitzt kein Handy(!).

Der Sprecher

David Nathan, geboren 1971 in Berlin, gilt laut Verlag als einer der besten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht seine Stimme Darstellern wie Johnny Depp, Christian Bale und Leonardo DiCaprio. In „The Green Mile“ erweckt er die Spannung und den Horror zum Leben.

Die Aufnahme erfolgte im d.c. Studio Berlin durch Klaus Trapp, der unter der Regie von Dicky Hank arbeitete.

Handlung

Clay

Der PULS ereignet sich am 1. Oktober um 15:03 Uhr Ostküstenzeit. Der Lehrer und Comiczeichner Clay Riddell spaziert gerade beschwingt von einem erfolgreichen Verkaufsgespräch bei einem Bostoner Verlag zurück zu seinem Hotel, als ihm ein paar merkwürdige Vorfälle aufzufallen beginnen. Ein Mädchen – er nennt es wie eine Comicfigur „Pixie Light“ – beißt eine ältere Dame in den Hals, direkt vor seiner Nase. Die Halsschlagader der Dame – er nennt sie auf gleiche Weise „Power Suit Woman“ – spritzt wie eine Fontäne, so dass Clay vor Schreck erstarrt. Doch schon vorher hat er gesehen, wie ein Mann im Geschäftsanzug einem Hund ein Ohr abgebissen hat. Alles nur Zufall? Drehen die Leute durch? Aber warum?

Doch es fängt gerade erst an, und allmählich checkt Clay, dass es auf der Straße nicht mehr sicher ist. Ein Terroranschlag? Eine Wiederholung des 11. September? Sieht ganz danach aus, denn an allen Ecken der Bostoner wohlhabenden Innenstadt, die er durchquert, kracht und rummst es gewaltig. Nun springen auch noch Leute aus dem Hotel „Four Seasons“. Ein Touristenbus der Linie „Duck Tours“ kracht mit Karacho in ein Eisverkäuferauto. Die Freundin von Pixie Light, nämlich Pixie Dark, scheint den Verstand verloren zu haben: Sie ruft ständig „Wer bist du? Wer bin ich?“ und knallt gleich zweimal gegen einen Laternenpfahl.

Tom

Ein stämmiger kleiner Mann mit einem Schnurrbart schließt sich Clay an. Er stellt sich als Tom McCourt vor. Ihm ist etwas aufgefallen. Alle Leute, die ausgerastet sind, telefonierten gerade mit ihrem Handy. Ja, jetzt fällt es auch Clay auf. Power Suit Woman und die beiden Pixies hingen auch gerade am Handy, als „ES“ sie erwischte. Aber was ist es? Tom und Clay nennen es einfach den PULS.

Nun macht sich aber Clay erhebliche Sorgen um seine von ihm getrennt lebende Frau Sharon und seinen geliebten Sohn Johnny. Sharon hat garantiert ein Handy benutzt, aber das von Johnny hat bestimmt leere Akkus. Er muss die beiden unbedingt suchen. Doch bis Kent Pond in Maine sind es 150 Meilen (241,2 Kilometer) nach Norden. Durch ein Katastrophengebiet. Der Verkehr ist zum Erliegen gekommen, die Flugzeuge stürzen reihenweise ab. Am Logan Airport rummst es am laufenden Band. Die Feuerwehr ist ebenso wie die Polizei im Großeinsatz – sie haben ja Funksprechgeräte, die nicht vom PULS betroffen sind. Aber wie lange noch?

Alice

Auf dem Weg zu Clays Hotel laufen ihnen nackte Amokläufer und verängstigte Mädels über den Weg. Das Hotel selbst ist verbarrikadiert. Sie verschaffen sich Einlass und retten das Mädchen, das sie gesehen haben, vor einem der Irren, die jetzt die Straßen unsicher machen. Clay nennt die Handygeschädigten der Einfachheit halber die „Phonies“, im Unterschied zu den „Normies“, wie er einer ist. Die 15-jährige Alice Maxwell steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, weil sie fast von ihrer telefonierenden Mutter umgebracht worden wäre. Deshalb nehmen die beiden Männer sie mit, als sie sich auf den Weg in die Vororte machen, zu Toms Haus.

Schwärme

Die dort eingelegte Verschnaufpause gibt den drei Flüchtlingen Gelegenheit, die Lage zu studieren, sich auszutauschen, die Angst zu verarbeiten und schließlich einen Plan zu schmieden. Ihre Beobachtungen legen nahe, dass die Phonies beim Telefonieren quasi neu „programmiert“ wurden, so als habe man ihre mentale Festplatte gelöscht. Deshalb haben sie zwar keine Identität mehr, aber auch keine abweichenden Verhaltensmuster. So etwa schwärmen sie alle gleichzeitig in den Morgenstunden aus, um Nahrung zu suchen, doch abends geht’s wieder zurück in die provisorischen Quartiere, ähnlich wie ein Vogelschwarm, der nachts ruht. Beunruhigend ist die Erkenntnis, dass sich dieser Schwarm durch Telepathie verständigt und seine Handlungen koordiniert.

Unsere drei Flüchtlinge bewaffnen sich und ziehen los, natürlich nachts. Und ohne Handy. Etwa auf halber Strecke kommt es zu einer folgenschweren Katastrophe. Der Rektor einer Schule lädt sie ein, es sich bei ihm und seinem Schüler, dem zwölfjährigen Jordan, bequem zu machen. Erst später eröffnet er ihnen, was er von ihnen erwartet. In einem nahe gelegenen Stadion legen sich nachts rund 1000 Phonies zur Ruhe nieder und lassen sich von seichter Musik beschallen – gerade so, als würden sie dadurch neu programmiert werden.

Clay & Co. haben vorerst kein Problem damit, so viele Phonies umzubringen, denn es handelt sich nicht mehr um Menschen im herkömmlichen Sinn, sondern quasi um eine neue Spezies. Doch die Albträume, die Clay und die anderen davor plagen, sind besorgniserregend. Es ist, als würde ihnen jemand im Schlaf Botschaften schicken. Sie können sich nicht dagegen wehren. Was, wenn sie die Phonies töten und diese Botschaften oder künstlichen Träume nicht mehr nur im Schlaf, sondern bereits im Wachen zu wirken beginnen? Könnten sie dann noch Wirklichkeit von Traum unterscheiden? Natürlich nicht.

Kehraus

Sie machen sich trotzdem ans Werk. Es wäre nicht das erste Mal, dass Normies einen Schwarm vernichten. Das Vernichtungswerk ist gar nicht so einfach, und um ein Haar gehen Tom und Clay selbst dabei drauf. Dann taucht der Phonie auf, den Clay gerne den „Lumpenmann“ nennt. Er kennt ihn bereits aus seinen Albträumen. Der Typ in der Harvard-Jacke verständigt sich rein telepathisch. Und prophezeit Tom, Clay, Alice und Jordan ein ganz besonderes Schicksal, an einem speziellen Ort des Gerichts. Am Rektor statuiert der Lumpenmann ein Exempel dessen, wozu er und Seinesgleichen mittlerweile fähig sind …

Mein Eindruck

Ein landesweite, wahrscheinlich sogar globale Katastrophe und eine kleine Gemeinschaft Aufrechter, die gegen das Böse kämpft – wer würde dabei nicht an Kings Klassiker „The Stand / Das letzte Gefecht“ denken? Die Parallelen sind offensichtlich, und King hat sie in den Comicfantasien seiner Hauptfigur Clay auch gleich treffend eingefangen, sozusagen als ironischen Kommentar auf sein eigenes Werk. Die Grundkonstruktion ist ein beliebtes Handlungsfundament vieler Horror- und Spannungsautoren, deshalb ist sie inzwischen nichts Besonderes mehr. Für Action und Grusel ist also gesorgt.

Doch wo King früher mit Lust die Blutfontänen spritzen ließ und Monster aller Spielarten ins Leben rief, übt er sich nun in Zurückhaltung und Realismus. Das klingt vielleicht angesichts des „Handy-Komplotts“ etwas seltsam, aber King weiß, wovon er schreibt (siehe die oben erwähnte Recherche von Robin Furth, aber auch seine Nachbemerkung). Abgesehen von zwei Elementen – dem PULS und der Telepathie – gibt es keine phantastischen Elemente in der Handlung.

Folglich muss er diese beiden Elemente in allen Details beschreiben, ausschmücken und zu erklären versuchen, sonst nähme ihm keiner die restliche Story ab. Diese Story ist ziemlich simpel: Als väterliches Gegenstück von E.T. („Nach Hause telefoniahn!“) macht sich Clay auf den Weg, um seinen Sohn zu finden und möglichst vor dem Zombifizierung zu warnen. Er ahnt nicht, dass er damit den Zombies des „Lumpenmannes“ genau in die Arme läuft …

Der PULS

Ich habe die Phrase [„Handy-Komplott“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2576 nicht grundlos verwendet. Zufall oder nicht, jedenfall heißt so ein Hörspiel in der Reihe „Offenbarung 23“, in der allerlei neue und alte Verschwörungstheorien aufgegriffen, aufgedeckt oder neu erklärt werden. Da das Mobiltelefon inzwischen in den Händen von rund zwei Milliarden Menschen benutzt wird, lag es nahe, auch darüber mal eine Verschwörungstheorie zu stricken: der PULS der modernen Telekommunikation. So ein Handy ist ja nicht bloß zum Telefonieren, Simsen, Spielen und Mailen gut, sondern eignet sich auch hervorragend zum Überwachen und Abhören des Benutzers! Alles, was der Hacker dazu braucht, ist ein kleines Stückchen Software, dass ihm den Rückkanal (Virus) oder ein Hintertürchen (dann ist’s ein Trojaner) im Gerät öffnet.

Der Handy-Virus

Doch der Autor von „Handy-Komplott“ lässt es dabei ebenso wenig bewenden wie King. Damit das Handy oder vielmehr das übertragene Zombiesignal etwas mit Gehirn und Geist des Benutzers anstellen kann, muss eine entsprechende Einwirkung stattfinden. Im Hörspiel wird dazu Strahlung und Suggestion benutzt, bei King scheint ein entsprechender Ton und die Suggestion zu genügen, um die biologische Festplatte zu formatieren und den schlummernden aggressiven Zombie zu wecken.

Deshalb ist bei King stets die Rede von einem Virus, nur ist der nicht wie in „The Stand“ ein Grippevirus, sondern ein elektroakustisches Signal. Der Virus kann dadurch Updates erhalten und die Befallenen, die Phonies („phony“ bedeutet ursprünglich „nicht authentisch, ein Schwindel“), zu neuem Verhalten befähigen, z. B. zu besserer Sprachbeherrschung oder verbesserter Telepathie. Diese Zusammenhänge erklärt der Computerspezialist Jordan in einfacher, verständlicher Art und Weise, obwohl (oder weil) er erst zwölf ist.

Die Frage ist natürlich, wer ein Interesse daran haben könnte, solch einen Virus auf alle Handybenutzer der USA (ob auch andere Netze mit anderen Frequenzen betroffen sind, interessiert Kings Helden vorerst nicht) loszulassen. Sind es Terroristen oder harmlose Spinner? Der Unterschied ist nicht zu erkennen und vielleicht auch angesichts der katastrophalen Auswirkungen des PULSes nicht wirklich von Bedeutung.

Die neue Gesellschaft

Wirklich relevant ist hingegen, dass eine neue Gesellschaftsordnung entsteht, wie in so vielen SF-Romanen, die Clay (und mit ihm natürlich King) gelesen hat. Die Schwärme der Telepathen stellen nach 14 Tagen bereits eine herrschende Klasse dar, die die flüchtenden „Normalen“ jagt und zu „Phonies“ konvertiert – einfach anrufen, das genügt! Da die Konvertiten ihre Identität verlieren, haben sie auch keine Vergangenheit mehr.

Clay trifft seine Frau Sharon wieder, doch das Wiedersehen löst bei ihm keine Freude aus. Und sie erkennt ihn sowieso nicht. Er erinnert sich zwar an gewisse Freuden, die er mit ihr erlebt hat, doch die haben mit dem Zombie vor ihm nichts zu tun. Sie ist eine völlig Fremde, und dementsprechend unfreundlich fällt sein Verhalten aus. Später nimmt er ihren Tod billigend in Kauf, denn für ihn ist sie kein Mensch mehr. Er hofft nur, dass sein Sohn noch kein Zombie ist. Diese Hoffnung wird leider ebenfalls enttäuscht. Alles andere wäre auch ein wenig unwahrscheinlich.

Menschen und Würde

Die Definition, was ein Mensch ist und was nicht, diskutieren Kings Hauptfigur Clay und dessen Begleiter mehrfach. Was macht einen Menschen aus und wo hört er auf, diese Bezeichnung zu verdienen? Diese humanistische Diskussion scheint mir der eigentliche Kern der Geschichte zu sein. Hören Clay und Co. auf, Menschen zu sein, wenn sie von Zombies gesteuert werden? Nein, denn dann hätte man jeden durch Gehirnwäsche (vgl. [„The Manchurian Candidate“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1069 umgedrehten Agenten als Nichtmenschen klassifizieren müssen. Was aber eindeutig nicht der Fall ist.

Aber dennoch tötet sich einer aus Clays Gruppe genau aus diesem Grund: Diese Fremdsteuerung ist Menschen-unwürdig. Er jagt sich ein Dumdumgeschoss durchs Hirn, damit auch wirklich keine Wiederbelebung stattfinden kann. Und er gibt Clay den Schlüssel zur Freiheit mit auf den Weg. (Clay braucht dann eine ganze Weile, bis er das kapiert.) Die Definition der Würde des Menschen wird in der VR China sicherlich anders aussehen als in den USA. An diesem Punkt wird das Buch also ziemlich amerikanisch.

Und da wir Europäer uns den Werten der Amerikaner und der Menschenrechtskonvention angeschlossen haben, wird das Buch auch für uns relevant. Ich muss mich also fragen, ob ich bereit, willens und fähig wäre, einen Nicht-Menschen zu töten, selbst wenn dieser ein menschliches Gesicht trägt. Das ist ganz schön knifflig: Wie weit würde ich gehen, um meine Werte gegen „Terroristen“ zu verteidigen? Für Kings Figur Clay ist der Fall klar: Schickt sie alle in die Hölle! Doch noch besser wäre, was Clay am Schluss versucht: Wie schafft man es, einen vom PULS seiner Identität beraubten Menschen, hier Clays Sohn Johnny, wieder ins Reich der „normalen“ Menschen zurückzuholen? Knifflige Frage. Genügt wirklich ein Anruf? Telepathie hilft Clay bekanntlich nicht, ist er doch nicht „infiziert“.

Offener Schluss

Die Frage bleibt offen, und das ist das erste Mal, dass King den Schluss unentschieden lässt. Ich finde das sehr positiv. Der Leser soll selbst entscheiden, wie er dem Problem gegenüber steht. Wir haben zwar Mitgefühl für Clay, aber auch die Phonies haben Errungenschaften vorzuweisen, die vielleicht besser sind als das, was der Mensch jetzt hat: Telepathie beispielsweise. King selbst lässt die Dinge in der Schwebe.

Eine einfache Frage

Die Story beinhaltet auch die – vielleicht naive – Frage, ob uns die Handytechnik mittlerweile weniger menschlich gemacht hat. Die Höflichkeit hat bereits schwer nachgelassen, wie Clayton Rydell eingangs bemerkt: In aller Öffentlichkeit mit fremden Leuten, die nicht präsent sind, reden, so etwas tat man früher nicht.

Aber wie steht es mit dem Rest menschlicher Verhaltensweisen? Inzwischen werden ja auch Beziehungen per SMS beendet – es kommt nicht einmal mehr zu einer Aussprache, wenn schon nicht von Angesichts zu Angesicht, so doch wenigstens am Mobiltelefon. Genauso gut könnte man auch eine Mail schicken – auch das bürgert sich zunehmend ein. Man könnte fast meinen, die Normies würden zunehmend zu Phonies mutieren. Ein Hinweis darauf liefert Clays Methode, die seltsamen Leuten, die er am Eisstand trifft, als Comicfiguren zu betrachten. Er verwandelt sich die Umgebung durch seine kreative Fantasie an. (Der Vorgang ist als „transmogrification“ bekannt.) Ironisch ist dann allerdings, wie sich diese Umgebung unter der Einwirkung des PULSes in die Comicversion der Apokalypse verwandelt. Der Autor hat dies mit Sicherheit sehr bewusst so ausgeführt.

Der Sprecher

David Nathan gelingt es, mit seinem nuancenreichen Vortrag sowohl Figuren zu charakterisieren als auch emotionale Untertöne darzustellen. Wenn eine Frau spricht, so ist seine Tonlage entsprechend höher und zarter, die Emotionen sind deutlicher. Wenn die Männer sprechen – und das gilt für den Großteil des Textes – ist die Tonlage selbstverständlich tiefer.

Immer wieder ist mir aufgefallen, dass Nathan sehr emotional artikuliert. Dies ist eigentlich zu erwarten, wenn die Welt im Eingangskapitel aus den Fugen gerät. Tom ruft „Jesus Christus! Mein Gott!“, Clay ruft „Nein!“, eine Frau schreit entsetzt „Jesus, Maria und Josef!“ – es ist wie in einem Katastrophenfilm – oder am 11. September. „Sie setzen wieder Flugzeuge ein!“ ruft Tom, der die richtige Assoziation hat. Es ist wie „Silvester in der Hölle“, denkt Clay. Am besten fand ich den Moment, in dem Nathan die Aliensprache eines attackierenden Phonies hinausbrüllt.

Was die korrekte Aussprache des Englischen anbelangt, so zeigt sich Nathan weitaus sattelfester als viele seiner Kollegen. Mir ist nur ein einziger Fehler aufgefallen. In der Eingangsszene lehnt sich Clayton an das Schaufenster des Buchladens „Colonial Books“ (sicherlich für den Autor ein geheiligter Ort; darin steht sogar eine alte Schreibmaschine der Marke Royal). Nathan betont auf der ersten Silbe von „Colonial“, korrekt wäre die Betonung auf der zweiten Silbe. Also keine große Sache.

Begrüßenswert fand ich hingegen, dass die Danksagung vorgelesen wird. Darin sind nämlich einige sachdienliche Hinweise untergebracht, so etwa zu Mobilfunkmasten und eventuell vorhandenen Notstromaggregaten. Sicher nicht unbeachtet bleibt der Hinweis, dass der Autor selbst kein Handy besitzt, genau wie Clayton Rydell.

Unterm Strich

Kein Anschluss unter dieser Nummer, nur Wahnsinn – so könnte das Motto für die Handlung lauten. Der Virus, der den Wahnsinn bringt, stammt nicht von der Grippe wie noch in „Das letzte Gefecht“, sondern aus der Handyhörmuschel. Ansonsten ist vieles wie gehabt: Ein Häuflein Aufrechter macht sich auf, Angehörige zu finden und das Böse zu bekämpfen. Ihre Odyssee ins No-fo-Land (= kein TeleFON) macht den Großteil der Handlung aus.

Doch statt religiöse Kategorien zu bemühen, stellt der Autor diesmal die vom Virus Infizierten nur als Andersartige dar, die über eine neue, alte Kommunikationsform verfügen: Telepathie. Allerdings werden sie gleich durch ihre fehlende Hygiene und ihr hässliches Aussehen diffamiert, so dass sie eigentlich keine Alternative für unsere drei oder vier Helden darstellen. Und dass sie levitieren können, fand ich einfach nur putzig.

Als die Anderen vernichtet sind, stellt sich der Hauptfigur das Problem, wie er den infizierten / mutierten / zombifizierten Sohn zurück auf seine Seite der Normalos holt. (Der Roman ist nicht umsonst George Romero gewidmet.) Weder gutes Zureden noch Gehirnwäsche helfen da, und über Telepathie verfügt der brave Papi (noch) nicht. Den Schluss lässt er absichtlich offen: Wir können nur hoffen, dass das Handy, das Sohnemann verzaubert hat, ihn auch zurückverzaubern kann. Daumen drücken, Leute!

Ich fand die Geschichte zwar interessant, aber auch ein wenig langweilig. Die Figuren sind mit Ausnahme von Clay Riddell nicht wirklich voll ausformt, so dass ich nur an seinem Schicksal Teilnahme empfinden konnte. Von gewissem Interesse sind hingegen die Erklärungsversuche für die Katastrophe des PULSes sowie die Entstehung einer neuen Post-Holocaust-Gesellschaft.

Eigentlich hat King damit einen alten Topos der Science-Fiction ganz nah an die heutige Wirklichkeit der Post-9/11-Ära heranholen wollen. Für Mainstream-Leser dürfte er allerdings übers Ziel hinausgeschossen sein, und bei SF-Lesern rennt er nur offene Türen ein – was bei Leuten wie mir nur Gähnen auslöst. Nicht Fisch, nicht Fleisch, bleibt der Roman eigentlich im Ansatz stecken, hat aber dennoch starke Szenen. Diese sind leider viel zu selten, und nur das Finale konnte mich einigermaßen überzeugen. Den Epilog hätte sich King sparen können.

Das Hörbuch wird von David Nathan, einem unserer besten Synchronsprecher, zu einem lebhaften Erlebnis gestaltet. Insbesondere die apokalyptischen Eingangsszenen unterstützt er in deren erschütternder Wirkung durch emotionale Ausrufe und sogar ein Brüllen. Danach wird alles etwas ruhiger, aber auch ein wenig unheimlicher. Auch das Finale im Lager der Phonies hat wieder den Charakter einer Schlachtfeldbeschreibung, doch diesmal hält sich Nathan geradezu pietätvoll zurück.

Originaltitel: Cell, 2006
Aus dem US-Englischen von Wulf Bergner
852 Minuten auf 12 CDs

http://www.randomhouseaudio.de

_Stephen King bei |Buchwurm.info|_ (Auswahl):

[„Brennen muss Salem – Illustrierte Fassung“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3027
[„Friedhof der Kuscheltiere“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3007 (Audio)
[„Puls“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2383
[„Trucks“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2327 (Audio)
[„Colorado Kid“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2090
[„The Green Mile“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1857 (Audio)
[„Das Leben und das Schreiben“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1655
[„Atemtechnik“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1618 (Audio)
[„Todesmarsch“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=908
[„Der Turm“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=822 (Der Dunkle Turm VII)
[„Der Sturm des Jahrhunderts“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=535
[„Tommyknockers – Das Monstrum „]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=461
[„Achterbahn“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=460
[„Danse Macabre – Die Welt des Horrors“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=454
[„Christine“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=453
[„Der Buick“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=438
[„Atlantis“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=322
[„Das Mädchen“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=115
[„Im Kabinett des Todes“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=85
[„Duddits – Dreamcatcher“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=45

John Grisham – Das Manuskript

Die Handlung:

Hurrikan Leo steuert mit vernichtender Gewalt auf Camino Island zu. Die Insel wird evakuiert, doch der Buchhändler Bruce Cable bleibt trotz der Gefahr vor Ort. Leos Folgen sind verheerend: Mehr als zehn Menschen sterben. Eines der Opfer ist Nelson Kerr, ein Thrillerautor und Freund von Bruce. Aber stammen Nelsons tödliche Kopfverletzungen wirklich vom Sturm? In Bruce keimt der Verdacht, dass die zwielichtigen Figuren in Nelsons neuem Roman realer sind, als er bisher annahm. Er beginnt zu ermitteln und entdeckt etwas, was weit grausamer ist als Nelsons Geschichten. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nach drei Jahren (Echtzeit-)Pause sind wir wieder zurück auf Camino Island. Das letzte Mal gings noch um einen raffinierten Diebstahl, diesmal um Mord … mutmaßlich. Ob das wohl wieder so eine entspannt-spannende Strandlektüre wird, wie der erste Inseltrip?

John Grisham – Das Manuskript weiterlesen