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Buch-Reviews

Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Foster, Alan Dean / O'Bannon, Dan / Shusett, Ronald)

Auflage: November 2003
Erscheinungsjahr: 1979
ISBN: 3-453-87729-2
Verlag: Heyne
Genre: Fantasy / Science-Fiction

1 Review

In einem abgelegenen Winkel des Weltalls, ein oder zwei Jahrhunderte in der Zukunft: Der Raumfrachter NOSTROMO kehrt mit einer Ladung Erz zurück zur Erde. An Bord sorgen fünf Männer und zwei Frauen (sowie die Schiffskatze) im Auftrag der "Gesellschaft" für den reibungslosen Transport. Die endlosen Monate zwischen Start und Landung "überspringen" sie im Kälteschlaf.

Da sorgt ein Notruf vom Planeten LV-426 für eine vorzeitige Unterbrechung der Reise. Gesetzlich ist jedes Raumschiff verpflichtet, derartigen Funksignalen nachzugehen. Unlustig macht sich die rasch geweckte Besatzung unter ihrem Kapitän Dallas auf den Weg.

LV-426 erweist sich als kahler, unwirtlicher Ort, der jedoch ein großes Geheimnis birgt. Als Quelle des Notsignals erweist sich das havarierte Raumschiff einer völlig unbekannten Spezies intelligenter Raumfahrer. Das Rätsel bleibt ungelöst, zumal "Nostromo"-Crewmann Kane, der Schiffsingenieur, in einem der Laderäume von einem unbekannten Wesen attackiert wird. Es setzt sich in seinem Gesicht fest und kann auch chirurgisch nicht entfernt werden, da sich herausstellt, dass in den Adern des ungebetenen Gastes eine höchst aggressive Säure kreist. Doch das Problem scheint sich von selbst zu erledigen, als das Wesen scheinbar stirbt und Kane wieder zu Bewusstsein kommt.

Erleichtert trifft man sich in der Messe zu einer letzten Mahlzeit vor dem Weiterflug, als plötzlich das fremde Wesen aus Kanes Brustkorb bricht: Es ist beileibe nicht gestorben, sondern hat nur ein Stadium seiner Entwicklung hinter sich gelassen und sich dann in den Leib seines unglücklichen Opfers zurückgezogen. Nun ist es frei und erweist sich als äußerst beweglich. In den karg beleuchteten Räumen des riesigen Frachters kann es sich problemlos verbergen. Die Jagd auf das Alien bleibt daher erfolglos. Lange bleibt außerdem verborgen, dass es sich ständig weiterentwickelt und dabei immer größer, stärker und auch intelligenter wird. Bald dreht das Wesen den Spieß um - weitere Raumfahrer sterben, und die Überlebenden kämpfen sehr bald - und meist vergeblich - um ihr nacktes Überleben ...


Seit etwa 1980 ist der "tie-in-Roman" - die Nacherzählung eines Kino- oder TV-Films - eine feste Größe im Vermarktungskonzept der Film- und Fernsehindustrie. Das Drehbuch liegt sowieso vor; warum es dann nicht als Grundlage eines Romans noch einmal profitbringend recyceln? Im schlimmsten Fall werden die schon vorhandenen Dialoge und Handlungsvorgaben mit einigen Überleitungen verbunden, und schon kann das Produkt - und mehr ist es dann nicht - auf den Markt geworfen werden. Unter diesem Aspekt ist es einleuchtend, dass sich eine ganze Reihe von zweit- und drittklassigen Autoren auf das Verfassen von Filmromanen spezialisiert hat. Aber auch Schriftsteller von Rang und Namen verdienen sich gern ein kleines Zubrot, wenn die Karrierekurve einmal einen Knick nach unten erfährt.

Alan Dean Foster gehört zu den redlichen Vertretern seiner Zunft. Er gilt als schneller, aber versierter und unterhaltsamer Handwerker. Als solcher erregte er schon früh die Aufmerksamkeit der Film- und Fernsehindustrie, der er schon vorher durch seine Arbeit in der PR-Abteilung eines kleinen kalifornischen Studios verbunden war. Zwischen 1974 und 1978 verwandelte er die Drehbücher der "Star Trek"-Zeichentrickserie in eine zehnbändige Buchreihe. Nun ging es Schlag auf Schlag: Neben eigenen Romanen entstanden Bücher zu Filmen wie "Starman", "Das Ding aus einer anderen Welt" oder "Outland - Planet der Verdammten", aber auch zu Western wie "Pale Rider - Der namenlose Reiter"; bis Anfang der 90er Jahre insgesamt etwa 25 Romane.

Der fleißige Autor, der es zeitweise auf drei und mehr Romane im Jahr brachte, galt auch 1979 als erfolgversprechendster Kandidat, als die "20th Century Fox Film Corporation" jemanden suchte, der ihren aktuellen Science-Fiction-Streifen "Alien" literarisch umsetzen sollte. Die Erstaufführung stand bereits vor der Tür; insgesamt hatte Foster gerade drei Wochen Zeit, um den gewünschten Roman zu schreiben. (Nachzulesen ist diese Geschichte in: Jens H. Altmann, "Am Ende passt alles zusammen". Ein Interview mit Alan Dean Foster, in: Wolfgang Jeschke [Hg.], Das Science Fiction Jahr 1998, München : Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG 1997, Reihennr. 06/5925, S. 565-574.) Er meisterte die Herausforderung mit Bravour und empfahl sich dadurch als Autor, der auch die folgenden beiden Kapitel der "Alien"-Saga als Schriftsteller begleitete.

Foster stellte sich in der Tat als höchst glückliche Wahl heraus. An diesem frühen Punkt seiner Karriere ging er einen "tie-in"-Roman mit derselben Ernsthaftigkeit an wie eine "richtige" Science-Fiction-Geschichte. Er beschränkte sich nicht darauf, die Handlung des ersten "Alien"-Films einfach nachzuerzählen, sondern bemüht sich um eine plausible Personenzeichnung. Foster verlieh den sieben Männern und Frauen der NOSTROMO echte Persönlichkeiten und ersetzte das, was Regisseur Ridley Scott auf der Kino-Leinwand zeigen konnte, durch atmosphärisch dichte Beschreibungen, die er geschickt in die Handlung integrierte.

Mit seinem vorzüglichen Drehbuch - im Grunde die altbekannte Geschichte von den zehn kleinen Negerlein - lieferte Dan O’Bannon seinem Schriftstellerkollegen Foster eine ausgezeichnete Vorlage, die dieser elegant in eine spannende Geschichte umzugießen wusste.

Wobei die Idee an sich so neu gar nicht war: Auf dem Buchcover kann man lesen: "Idee - Dan O’Bannon und Ronald Shusett". Science-Fiction-Altmeister Alfred Elton van Vogt (1912-2000) stellte nach einem Besuch des "Alien"-Films fest, dass die Geschichte bemerkenswerte Parallelen zu einer seiner Erzählungen ("Der schwarze Zerstörer", veröffentlicht 1939, später Bestandteil des Romans "Weltraumexpedition der Space Beagle", 1950) aufwies. Nach langem Rechtsstreit wurde Van Vogt schließlich eine Entschädigungszahlung zugesprochen.

"Alien", der Roman, ist ein vom Film unabhängiges Werk; die Lektüre ergänzt den Film oder bereitet darauf vor, je nachdem, ob man das Buch nach oder vor dem Kinobesuch liest. Nicht umsonst ist der Roman noch über zwanzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen immer noch lieferbar.

Michael Drewniok [22.10.2004]

 

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