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Buch-Reviews
Yiu - Die Apokalypse: Buch 1 - In der Hölle (Téhy / Vax / Vee / Guenet / Renéaume)
 |  | Auflage: Februar 2009 Erscheinungsjahr: 2009 ISBN: 3-940864-99-4 Verlag: Splitter Genre: Comics / Graphic Novels
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1 Review
Band 1: "Die Armee des Neo-Mülls"
Band 2: "Die Auferstehung des Unreinen"
Band 3: "Die Kaiserin der Tränen"
Band 4: "Der Schwur der Söhne"
Band 5: "Operation Geisha"
Band 6: "Der Inquisitor und seine Beute"
Das brachiale Science-Fiction-Konstrukt, das der französische Autor Téhy vor einiger Zeit unter dem Namen "Yiu" publizierte und welches hierzulande vom Splitter-Verlag vertrieben wird, gehörte von Beginn an zu den diskussionswürdigsten Vertretern seiner Zunft.
Die Action war (und ist) übermäßig brutal, die Storys waren dagegen gerade in den ersten beiden Bänden relativ plump und größtenteils auf die Darstellung der Gewalt ausgelegt, und auch die wortkarge Titelheldin konnte ihren Part nur mäßig befriedigend erfüllen. Erst mit wachsender Episodenzahl bekam "Yiu" dann ein Format, das eine Entwicklung von erträglich über ansprechend bis hin zu begeisternd durchmachte - und heute schon gar nicht mehr aus der Dark-Fiction-Welt wegzudenken ist. Genau diesen Zeitpunkt haben Autor und Verlag nun abgewartet, um das Prequel zur Serie herauszugeben. Parallel zu den üblichen Releases der Reihe werden nun die sieben Bücher von "Die Apokalypse" veröffentlicht, in denen geschildert wird, wie Yiu zu dem wurde, was sie in der späteren Story als Profikillerin darstellt.
Story:
2166: Eine immense Krise hat den Globus radikal umstrukturiert und das Leben in den Erdenregionen zur Katastrophe für die normalsterblichen Bürger gemacht. Biowaffen gehörten in der Vergangenheit zum Standard, grausame Vernichtungen haben die bedeutenden Metropolen dahingerafft, und die einzige Instanz, die sich in der Zeit der seelischen Dürre und der brachialen Machtkämpfe weiter hat etablieren können, ist der Klerus.
Am 31. Mai kommt es dann zu einem folgenschweren Attentat: Der Bruder des buddhistischen Führers wird von einer nackten Schönheit, die er für seine alltägliche Hure hält, mit mehreren Kopfschüssen getötet. Der Mann, dessen Glauben die Reduktion auf das Wesentliche propagiert, wird noch vor der nächsten religiösen Verfehlung ermordet und hat keine Gelegenheit mehr, zu erleben, was seine Ermordung initiiert: die Apokalypse ...
Persönlicher Eindruck:
Unter Berücksichtigung vieler Aspekte ist der Auftakt von "Yiu - Die Apokalypse" sicherlich ein richtig guter Comic. Da wäre zum einen definitiv die Tatsache, dass es sich hier um die Einleitung eines Prequels handelt, dessen seitenlang aufgebaute Dramaturgie durch die geschichtliche Rückblende auf jeden Fall Wirkung erzielt. Die übergroßen Panels, in denen der schrittweise Untergang noch einmal nachhaltig erläutert wird, bieten inhaltlich und zeichnerisch Klasse und den Verstand, den man von Téhy (ausgehend von den Episoden 4-6 aus der regulären Serie) gewohnt ist.
Dann muss natürlich auch berücksichtigt werden, dass es sich bei "In der Hölle" ausschließlich um einen Rückblick handelt, der in der Form eines bloßen Tatsachenberichts eine erklärende Wirkung haben soll, quasi das Setting etablieren muss, gleichzeitig aber auch schon einmal die Voraussetzungen für das schaffen sollte, was in den folgenden Kapiteln in ausladender Form geschehen wird. Und natürlich ist ein gewisses Verständnis vorausgesetzt, nämlich dafür, dass in "Yiu" die wiederum nicht ganz gewaltfreie Bildsprache die Akzente setzt - und darauf kann man sich hier auch voll und ganz verlassen.
Warum also diese Rechtfertigungen? Nun, der Plot ist enttäuschend und inhaltlich sehr begrenzt. Nach der bildgewaltigen Vergangenheitsbewältigung der Weltgeschichte folgt eigentlich nur der perfide inszenierte Mord an der Nummer zwo der buddhistischen Führung mit der explosiven Flucht der Attentäterin. Wer genau dahinter steckt, muss nicht näher erläutert werden, so dass die Verbindung zur eigentlichen Serie natürlich direkt hergestellt ist.
Nichtsdestotrotz wäre ein klein wenig mehr Tiefgang wünschenswert gewesen, da Story und Zeichnungen hier einen so großen qualitativen Kontrast entwerfen, dass die nicht zu Unrecht aufgeworfene Kritik, Téhy würde sich hinter der Gewalt der illustrierten Entwürfe verstecken, mal wieder in den Fokus rückt. Und man erinnere sich nur an den Auftakt von "Yiu" vor ungefähr zwei Jahren: Da lautete das Urteil ähnlich.
Nun denn, die Hoffnung auf die Zukunft bleibt, ebenso die bleibenden Eindrücke der gewohnt starken, düsteren Zeichnungen. Doch langfristige Begeisterung erfordert mehr, weshalb man sich nun besser auf die Erfahrungen stützt und sich darauf verlässt, dass bereits die zweite Episode das Gleichgewicht wieder ins Lot bringen möge. Eine weitere derart langsam vorangeschobene Entwicklung wie beim letzten Mal wäre jedenfalls fatal!
Originaltitel: Yiu - Aux enfers
69 Farbseiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-940864-99-4
http://www.splitter-verlag.de Björn Backes [09.03.2010]
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