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Buch-Reviews
Blutherz (Wallner, Michael)
 |  | Auflage: August 2009 Erscheinungsjahr: 2009 ISBN: 3570160467 Verlag: cbt Genre: Fantasy / Science-Fiction
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2 Reviews
Mit Turboschwangerschaft zur Göttin der Vampire
Die 17-jährige Beinahe-Schottin Samantha verliebt sich in Taddeusz, den ältesten Sohn einer steinreichen Londoner Ärztefamilie. Doch Taddeusz hat ein düsteres Geheimnis: Er entstammt einem Jahrhunderte alten Vampirgeschlecht. Sein jüngerer Bruder Richard versucht, Samantha vor dem gefährlichen Einfluss und der Macht des Clans zu schützen - doch das Mädchen steckt schon mittendrin.
Der Autor
Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren und hat als Schauspieler und Regisseur gearbeitet. Er lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor in Berlin. Von ihm sind u. a. die Romane "Manhattan fliegt" (2000), "Cliehms Begabung" (2000) und "Finale" (2003) erschienen. International bekannt wurde er durch den bis heute in 24 Länder verkauften Luchterhand-Bestseller "April in Paris" (2006); eine Verfilmung dieses Buches ist in Vorbereitung. Zuletzt erschien von Michael Wallner bei Luchterhand der Roman "Zwischen den Gezeiten" (2007). Sein erster Roman bei cbj war "Zeit des Skorpions" (2008).
Handlung
Die 17-jährige Samantha Halbrook arbeitet als Lernschwester am Chelsea and Westminster Hospital, einem riesigen Komplex in West-London. Nur der Schwester ihrer Mutter hat sie es zu verdanken, dass die Schülerin aus dem nordenglischen Kaff Lower Liargo überhaupt im mondänen London einen Unterschlupf gefunden hat. Deshalb ist Sam auch bereit, sich im Untergeschoss mit einem besseren Lagerraum als Wohnungsersatz zufriedenzugeben.
Täglich beobachtet sie, wie der Chefarzt Sir Kennock Transplantationen vornimmt oder plant. So etwa beim elfjährigen Andrew, dessen einzige Niere den Dienst quittieren will. Doch Andrew hat eine seltene Blutgruppe und wird so bald keine neue Niere bekommen. Täglich wird sein Blut gewaschen. Hier lernt Sam, dass Blut ein ganz besonderer Stoff ist. Und bei wem es versagt, den fährt man schon bald mit den Füßen voraus in die Leichenlagerhalle ...
Um aus ihrem Alltagstrott herauszukommen, besucht der aufgeweckte Rotschopf eine Disco im Stadtzentrum. Sie hat natürlich keine Chance, am Türsteher vorbeizukommen, denn schicke Klamotten kann sich die Lernschwester nicht leisten. Aber ein hochgewachsener Mann, der aus einem Luxusschlitten steigt, nimmt sie einfach höflich am Arm und bittet um ihre Gesellschaft. Er nennt sich Teddy und hat einen gewissen Charme, dem sie nicht widerstehen kann. Schwupps, ist sie drin im Tanzschuppen. Natürlich gehen die Drinks auf ihn. Als ein muskelbepackter Typ Samantha schräg anmacht, wirft ihn Teddy quer durch den Raum. Wow, solche Kraft hätte Sam ihrem Galan gar nicht zugetraut.
Doch leider meldet er sich erst vier Tage später, als sie sich schon ganz in ihn verliebt hat, wieder, um sie zu einem privaten Abendessen einzuladen. In dem schlossartigen Bau am vornehmen Belgrave Square lernt sie Teddys Vater Valerian Koranyi kennen, den sie sehr freundlich findet und der sie den anderen Gästen vorstellt. Sie soll zu Valerians Rechten sitzen, als wäre sie ein Promi. Sam wird ganz nervös. Erst recht, als ein magerer Kerl auftritt, der wie betrunken an die Tafel torkelt und unverständliches Zeug brabbelt. Es ist Richard, Teddys Bruder. Diener bringen ihn weg.
Und hinterher zeigt ihr Teddy, pardon: Taddeusz Koranyi seine Gemächer. Dabei ergibt sich die Gelegenheit, die Standfestigkeit des Himmelsbetts zu testen: Sam schläft mit ihm. Seltsam findet sie allerdings, dass er sie nicht küssen will. Wenige Tage später stellt sie fest, dass ihre Periode überfällig ist. Keiner von ihnen beiden hat daran gedacht, an Verhüterli zu denken. Und da am nächsten Morgen niemand im "Palast" anzutreffen ist, kann sie Teddy auch nicht darauf ansprechen. Nur Richard liegt in seinem Bett: Er erhält eine Bluttransfusion - in den Hals ...
Teddy besucht sie im Hospital. Er bringt ihr ein kleines Fläschchen mit einer klaren Flüssigkeit, hergestellt aus der "Bariactar-Kirsche", sagt er. Das Zeug riecht zwar wie Ziegenpisse, stärkt sie aber im Nu, als wäre es flüssiges Feuer. Sie solle sparsam damit umgehen. Sie fragt ihren Wohltäter, ob er nicht auch etwas für den armen Andrew tun könne. Wie sich herausstellt, verdienen die Koranyis mit dem Transport von Transplantationsorganen sehr gut. Teddy sagt, er werde Andrew vielleicht eine neue Niere besorgen können. Sam ist froh.
Doch dieser gute Eindruck wird schwer gestört, als Richard in der Klinik auftaucht. Er kann sich kaum auf den Beinen halten, was nicht gerade zu seiner Glaubwürdigkeit beiträgt, aber er ist nicht betrunken, nur schwach. Der junge Mann mit dem blassen Teint und der Sonnenbrille behauptet, einer Familie von Vampiren anzugehören, die alle schon mehrere hundert Jahre alt seien. Wie absurd!, denkt Samantha. Allerdings: Sie hat weder Teddy noch Richard bei Tageslicht gesehen.
Im Internet über Vampire zu recherchieren, ist kinderleicht, findet sie, doch es stellt sich heraus, dass alles, was dort getextet wird, aus Legenden, Hörensagen und Geschwätz besteht. Die einzige Tatsache: Es gab einen angeblichen Urvater der Vampire namens Fürst Vlad III Tzepesz, genannt der Pfähler und Dracul, weil er dem Drachenorden angehörte. Seine Gebeine seien in einem Kloster bei Hermannstadt begraben, sein Kopf aber sei in Konstantinopel ausgestellt worden.
Ein Tag mit Teddy in den Gewächshäusern der Kew Gardens verläuft ohne Zwischenfall, doch Sam muss feststellen, dass sie nach seiner Liebe lechzt. Richard warnt sie eindringlich: Teddy habe sich mit einer speziellen Sonnenschutzcreme gegen die Folgen der Sonnenbestrahlung gewappnet, alles sei nur ein Trick. Inzwischen ist ihre Schwangerschaft sichtbar, was Sam wirklich verblüfft: Sie sieht nach fünf Wochen aus, als wäre sie im fünften Monat! Richard erkennt, dass die Koranyis, also Teddy und sein Vater Valerian, irgend etwas mit ihr und ihrem Kind vorhaben, sonst hätten sie Sam längst zu einer der Ihren gemacht: einer Blutsaugerin. Doch worin könnte dieser Plan bestehen?
Der junge Andrew bringt sie auf eine Idee: Wenn er Sorgen hat, will er zu seiner Mama. Und deshalb fährt Sam mit dem nächsten Zug nach Lower Liargo, nahe beim alten Hadrianswall. Ihr Vater ist hier Vikar, ein Seelsorger von sanftem Gemüt, aber entschlossenem Handeln. Von ihm hört sie zum ersten Mal von den Jüngern Fortrius, die in der Gegend die blutigen Bräuche der alten Pikten wiederaufleben lassen. Hier hat Sam einen schrecklichen Traum voller Omen, der sich auf prophetische Weise erfüllen könnte. Denn darin treten Valerian und der dunkle Gott Fortriu, dem er dient, selbst auf: mit Sam als Opfer ...
Doch die Vampire haben nicht mit Sams Einfallsreichtum und Richards Verrat gerechnet. Ein Zeitenwechsel bahnt sich an ...
Mein Eindruck
Zunächst lässt sich der Roman an wie jede Vampirgeschichte, die seit Bram Stokers Klassiker "Dracula" geschrieben wurde. Und das ist auch der Teil, der mich am meisten enttäuscht hat. Samantha Halbrook hat zu wenig Individualität, als dass sie wie ein richtiger Mensch erscheint, aber auch nicht zu viel, so dass sich jugendliche Leser um 17 Jahre immer noch mit ihr identifizieren können. Ein erwachsener Leser dürfte sich deshalb wenig von ihrer Geschichte angesprochen fühlen (es sei denn, er sammelt sämtliche Vampirgeschichten, die je geschrieben wurden - das ergäbe eine voluminöse Bibliothek).
Der hilfreiche Verräter
Wirklich interessant ist vielmehr Richard, der junge Vampir, der gar keiner sein will. Wir erfahren zwar nicht seinen Grund dafür - was ich sehr bedauere -, aber die Folgen seiner Abstinenzlerhaltung sind für Sam ziemlich positiv: Er wird zu ihrem größten Helfer, und zwar nicht bloß wegen seiner goldenen Kreditkarte. Leider ist er wegen seiner Verweigerungshaltung etwas ungeübt in den Vampirkünsten, insbesondere Verwandlung in Fledermaus, Spinne und Wolf, vom Nebel ganz zu schweigen.
Die Pikten und Fortriu
Und Richard ist auch einer der drei Koranyis, der die Verbindung zu Fortriu herstellt. Fortriu, der dunkle Gott aus Transsylvanien, ist der Gott der Pikten, die angeblich aus dieser Gegend, der römischen Provinz Dacia, stammen. Als die Jünger Fortrius nun in Samanthas Heimat Lower Liargo aktiv werden, interessiert dies nicht bloß die drei Koranyis, sondern ganz dringend auch Sam selbst.
Die Pikten saugten offenbar Blut aus ihren Menschenopfern, was schon mal ziemlich vampirisch klingt. Und sie vermischten sich mit den Schotten am Hadrianswall, von denen Sam abstammt. Deshalb finden Teddy und Valerian den Rotschopf so außergewöhnlich attraktiv, um ihre Nachkommen hervorzubringen. (Es gibt noch einen weiteren Grund, aber der darf hier nicht verraten werden, weil er als große Überraschung im Finale präsentiert wird.)
Samantha erkennt ihre strategische wichtige Bedeutung in den Plänen der beiden Vampir-Koranyis, die sie als Mutter des nächsten Erben einnimmt, und nutzt diese Stellung aus. Zudem fällt ihr das leicht, weil sie sich immer mehr als Verbrecher herausstellen: Sie haben das Unfallopfer, dessen Niere der kleine Andrew bekommt, selbst umgebracht. Doch um sich selbst aus der gestellten Falle befreien zu können, muss sie, wie sich herausstellt, nicht nur den Jüngern Fortrius entgehen, sondern auch zurück zu den Ursprüngen des Fortriu-Kults gehen: nach Transsylvanien selbst.
Wie bei Bram Stoker findet hier ein fein eingefädelter Showdown mit Valerian statt, doch die besondere Rolle der "Bariactar-Kirsche" für Sam erweist sich als segensreich. Erstaunlich, wie eine nach 13 Wochen hochschwangere junge Frau noch kämpfen kann. Ihr prophetischer Traum erfüllt sich auf eine ganz eigene, unvorhergesehene Weise. Und fortan wird für die europäischen Vampire nichts mehr so sein wie zuvor.
Unterm Strich
"Blutherz" klingt zunächst nach einem der handelsüblichen Vampirromane von Wolfgang Hohlbein. Und die ersten zwei Drittel lassen auch keine Eigenständigkeit gegenüber diesem Vorbild erwarten. Das hat mich ziemlich enttäuscht. Doch dann entwickelt die Heldin noch erhebliche Initiative, bis sie im Finale die Oberhand behält. Das klingt schon weniger nach Hohlbein. Auch die Idee, Fortriu selbst, den Obergott der Vampire, auftreten zu lassen, fand ich originell.
Sicher ist es ein sexy Bild, sich eine Hochschwangere nackt auf einem Opferaltar vorzustellen, allerdings keines, das ich einem Minderjährigen zumuten würde. Solche Szenen finden sich gemeinhin eher in Horror-Fantasy-Erzählungen im Internet. Und auch das Inzest-Motiv ist wohl eher etwas für erwachsene Leser. Dagegen spricht aber die Jugend der Heldin und ihres Helfers Richard (der ja auch erst 114 Jahre alt ist, nicht gerade ein biblisches Vampiralter) und ihre beiderseitige, ziemlich sympathische Unerfahrenheit in Sachen Liebe, Schwangerschaft und Autofahren, von Begegnungen mit Göttern ganz zu schweigen. Samantha ist die erwachsen gewordene Version von Bella, Stephenie Meyers keuscher Vampirbraut.
Der Erzählstil Wallners ist anspruchslos, aber kompetent genug, um seine Story voranzubringen. Man merkt, dass er sich nicht für Landschaften und deren Stimmung interessiert, sondern vielmehr für ihre Geschichte. Der Stil ist straff, fast schon zu straff - Hohlbein hätte sicherlich fünfzig Prozent mehr Text produziert, wäre aber dadurch wesentlich langweiliger geworden. So aber konnte ich das Buch im letzten Drittel nicht mehr aus der Hand legen, sondern wollte unbedingt erfahren, wie die Geschichte ausgeht. Das ist eine Empfehlung für spannende Lektüre.
Empfohlen ab 14 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN-13: 978-3-570-16046-6
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/ Michael Matzer [25.11.2009]
Zurzeit ist Hochsaison für die romantische Vampirliteratur. Als literarischer Vorreiter gilt hierbei Bram Stokers "Dracula", der mit spitzen Zähnen, mystischer und geheimnisvoller Aura, seiner Unsterblichkeit und einen ziemlich niedrigen Sonnenschutzfaktor auf die Jagd nach Blut zum Urvater der Vampire geworden ist.
Doch auch das Rad der Zeit dreht sich in der Fantasy-Literatur weiter, und so gibt man den Fürsten der Dunkelheit viel Raum und Zeit, sich zu entwickeln, sei es nun zum Bösen oder zum Guten hin. Die Grundkonzeption eines Vampirs gleicht aber allzu oft einer Schablone und einem Klischee, an dem der Großteil der Urheber nicht vorbeizukommen scheint.
Der klassische, aber auch der moderne Vampir ist und bleibt von attraktiver Erscheinung, eine gewisse Erotik ist ihm ebenso von Vorteil wie auch sein Wissen oder seine Körperkraft. Es gibt noch einige Grundeigenschaften, und sie alle findet man bei diesen Schattengestalten meist gesammelt wieder. Doch einige Eigenschaften und Fähigkeiten sind variabel, z. B. die Sonnenschwäche oder die Aversion gegenüber christlicher Symbolik.
Doch die Kunst der Verführung beherrschen sie alle, und sie setzen diese auch stets ein, um ihr Ziel zu erreichen, aber nicht immer ist dies das Trinken von Blut.
Im Verlag cbt ist mit Michael Wallners "Blutherz" ein weiterer Vampirroman dieser Ausrichtung erschienen und richtet sich erkennbar an die etwas jüngere Leserschaft.
Kritik
Samantha Halbrook ist erst 17 Jahre jung, als sie die Stelle als Lernschwester in einer Londoner Klinik antritt. Endlich hat sie ihre eintönige Heimat Lower Liargo an der schottischen Grenze liegt hinter sich gelassen. Das Stadtleben in einer Metropole wie London verspricht Abwechslung und Aufregung, und genau das ist Samanthas Erwartungshaltung.
Als Samantha eines Abends vom attraktiven und jungen Taddeusz Kóranyi in einem exklusiven Club eingeladen wird, staunt sie nicht schlecht. Der geheimnisvolle Mann übt eine gewissen Faszination aus, und auch er scheint Interesse an Samantha gefunden zu haben. Aber warum wirkt er dann verwirrt und völlig aus dem Konzept gekommen, als Samantha ihm spontan einen Kuss gibt?
"Teddie" verschwindet genauso schnell, wie er Samanthas Leben betreten hat, und sie findet sich mit dieser flüchtigen Begegnung ab, bis sie eines Tages eine offizielle, sehr formelle Einladung unter ihrer Zimmertür findet. Schon als sie die eindrucksvolle Villa der Familie Kóranyi betritt, wird ihr klar, dass diese reich und mächtig sein muss.
Valerian Kóranyi begrüsst Samantha wie eine alte Freundin und stellt sie den anderen Gästen offiziell als Teddies Freundin vor. Samantha ist immer verwirrter: erst diese Distanz, und nun soll sie offiziell ein Teil der Familie Kóranyi sein.
Valerin macht seinen ältesten Sohn Teddie zum Nachfolger des Familienunternehmens und überlässt ihm die wirtschaftlichen Geschicke. Als Richard, Teddies jüngerer Bruder, am Tisch eine kleine Szene veranstaltet, wird die ganze Situation noch geheimnisvoller. Richard scheint erstaunt über die Anwesenheit Samanthas zu sein, doch diese hat nicht die Gelegenheit, Fragen zu stellen.
Doch es bleibt nicht bei dieser einen Begegnung mit Richard, denn er versucht immer wieder, Samantha vor einer Bedrohung zu warnen, und beobachtet sie. Samantha, die sich in Teddie verliebt hat, wird nach der ersten gemeinsam in Leidenschaft verbrachten Nacht schwanger. Schon in den ersten Tagen und Wochen stellt Samantha fest, dass die Schwangerschaft zeitlich viel schneller verläuft als normal und so die Lage recht kompliziert wird.
Als Richard sie über seine Familie aufklärt und beweisen kann, dass sie die Braut eines Vampirs geworden ist, sucht sie nach einem Ausweg für sich und ihr ungeborenes Kind. Doch Valerian Kóranyi und sein Sohn Teddie wissen schon über die nächsten Schritte der Flüchtigen Bescheid, die sie quer durch Europa führen werden ...
Kritik
Vampire stehen momentan in der phantastischen Literatur hoch im Kurs. Die Grundidee, dass sich eine junge Frau in einen geheimnisvollen Mann verliebt und wenig später feststellen muss, dass dieser ein Vampir ist, ist wahrlich nichts Neues mehr. In "Blutherz" greift auch Autor Michael Wallner zu sattsam bekannten und allzu bewährten Mitteln, doch gelingt es ihm noch, seinem Roman in Grundzügen den nötigen Biss zu verpassen.
"Blutherz" ist für Jugendliche Leser geschrieben und die Handlung daher auch aus der Perspektive von Samantha erzählt. Die junge Frau ergibt sich aber nicht ihrem Schicksal und mausert sich stattdessen von einem stillen Mauerblümchen zu einer selbstbewussten Frau, die offen gegen die dunklen Mächte ankämpft, und das mit beachtlichen Erfolg.
"Blutherz" bietet dem Leser allerdings auch kein neues Konzept, keine waghalsigen und spektakulären Szenen, die den Leser aufschrecken. Das tragische Schicksal und die unerwartete Hilfe eines Verbündeten, in diesem Falle die des Bruders ihres angehimmelten Liebsten, lassen den Leser schon frühzeitig wissen, was der Roman an Dramatik zu bieten haben wird.
"Blutherz" wirkt besonders am Anfang düster und geheimnisvoll, auch spannend, aber leider zu keiner Zeit wirklich überraschend. Samanthas Vergangenheit und familiärer Background bleiben bis zum Ende hin verborgen; die Handlung explodiert dann aber in einem Showdown, dessen Tempo zu hoch angesetzt ist.
"Teddie" als vampirische Schlüsselfigur wirkt nur als Verführer, steht aber stets im Schatten seines Vaters Valerian, der doch nicht gewillt ist, das Ruder der Familie an seinen Sohn abzugeben. Er spielt den 'bösen' Part recht gut, der eigentlich seinem Sohn hätte überlassen werden sollen. Richard Kóranyi, der etwas schwächliche Bruder, wächst ebenso über sich hinaus wie Samantha und entwickelt sich zum stillen Helden.
Michael Wallners Stil verändert sich mit der Handlung. Anfangs spannend und unterhaltsam, vollzieht sich zur Mitte hin ein erzählerischer und stilistischer Bruch. Das Tempo steigt zwar rasant an, doch die Protagonisten laufen hinterher und verrennen sich in diversen Klischees. Positiv zu sehen sind Samanthas Erfahrungen und Begegnungen im Krankenhaus; dieser Part ist realistisch und einfühlsam beschrieben, und Michael Wallner beleuchtet auch das Thema Organspende und die Überlebenschancen bei Patienten, die auf ein Spenderorgan warten. Auch der Missbrauch und der Handel mit Organen werden hier realistisch dargestellt.
Im weiteren Verlauf von "Blutherz" bekommen es Samantha und Richard übrigens mit Anhängern einer Sekte zu tun, die den Vampiren wohl zu Diensten sind, aber dieser Abschnitt war überflüssig für die Handlung und inhaltlich teilweise unlogisch.
Samanthas Motivation, ihr Heil in der Flucht nach vorn zu suchen, bringt sie in ihrer Entwicklung deutlich weiter; nicht nur ihr Selbstbewusstsein steigt, sondern auch ihr Verhältnis zu Teddie, den sie trotz allem liebt, verändert sich, und auch ihre Haltung gegenüber Richard, der ihr treu zur Seite steht, bleibt nicht ohne Komplikationen.
Fazit
"Blutherz" von Michael Wallner ist vor allem ein Jugendbuch und spricht eher Mädchen ab 14 Jahren an. Der nötige 'Biss' allerdings fehlt dem Buch; zwar sind die Protagonisten einfallsreich und originell eingesetzt, auch wenn sich der Autor so manchen Klischees bedient, auch der Anfang des Romans ist vielversprechend, aber leider vollzieht sich nach Einführung der Hauptpersonen ein Bruch, der viele Fragen einfach nicht beantwortet und manche Ereignisse unlogisch dastehen lässt.
Michael Wallner ist sicherlich ein sehr guter Autor von Jugendromanen, das hat er zuletzt mit "Zeit des Skorpions" bewiesen, doch hier erweckt er den Eindruck, als wäre er mit sich und seiner Erzählung selbst nicht zufrieden. "Blutherz" verfügt über einen flotten Stil und genretypische Protagonisten, die anfangs verzaubern und später enttäuschen. Das Ende verrennt sich in einem undurchschaubaren Fiasko, und es bleiben eine Menge Fragen übrig, die niemand je beantworten wird. "Blutherz" ist ein in sich abgeschlossener Roman, allerdings hat man sich wohl die Hintertür offen gelassen um eine mögliche Fortsetzung zu schreiben.
"Blutherz" ist leider nicht überzeugend; die Chance war ganz klar vorhanden, etwas Besonderes zu verfassen, im zweiten Teil wird diese aber endgültig vertan, so dass die Lektüre letzten Endes nur von durchschnittlicher Qualität bleibt.
Empfohlen ab 14 Jahren
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN-13: 978-3-570-16046-6
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/ Michael Sterzik [11.09.2009]
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