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Buch-Reviews

Scriptum (Khoury, Raymond)

Auflage: Dezember 2005
Erscheinungsjahr: 2005
ISBN: 3499242087
Verlag: rororo / Rowohlt
Genre: Thriller & Krimis

2 Reviews

Es ist auffällig, wie viele Romane erschienen sind, die im ähnlichen oftmals sogar gleichen Genre wie Dan Browns Erfolgstitel (Sakrileg/Illuminati) spielen und an dessen Erfolgen teilhaben wollen. Fast jeder Verlag versucht ein Stückchen dieses Marktes für sich zu behaupten. Und in jedem Roman spielen der Vatikan, Geheimbünde und Verschwörungen eine Rolle. Hier werden Tatsachen, Theorien der Bibelgeschichte und überhaupt der Geschichte, Magie und Aberglaube miteinander vermischt, es entsteht ein Hang zum Okkulten, ein Drängen danach, die einzige Wahrheit zu finden oder zumindest etwas Licht in die Schattenwelten uralter Geheimnisse zu bringen.

In "Scriptum" spielen die geheimnisvollen Tempelritten zur Zeit der Kreuzzüge im "Heiligen Land" die Hauptrolle, begleitet von einigen Enthüllungen der Evangelien, auch Alchemie und versteckte Schätze kommen hinzu, und zu guter Letzt steht der Vatikan auch hier wieder in keinen sehr guten Licht.


Die Story

Akkon im Jahr 1291. Lateinisches Königreich Jerusalem - das "Heilige Land.

Die Tempelritter kämpfen verzweifelt, aber gegen diese Übermacht haben sie keine Chance, und das "Heilige Land" gilt als verloren. Die Sarazenen bekämpfen die in ihren Augen Ungläubigen schon seit Jahren, und nun geht diese Festung unter großen Verlusten in ihren Besitz zurück. Die Templer und Ritter des Johanniterordens werden gänzlich getötet, nur wenige können dem Inferno entfliehen und landen auf der Insel Zypern.

Der Großmeister des Ordens hinterlässt ein Geheimnis, verwahrt in einer kleinen Schatulle, und sein letzter Wille ist es, diese nach Paris bringen zu lassen. Versteckt auf der Ordensgaleere "Faucon du Temple" erreicht sie, durch ein Unwetter versenkt, nie das Ziel.

Jahrhunderte später - Die Geschichte setzt sich im heutigen New York fort.

Der Vatikan stellt seine gesammelten und geraubten Schätze im Metropolitan Museum of Art im Herzen dieser Stadt aus.

Durch Terrordrohungen befindet sich die Großstadt in einem permanenten Alarmzustand. Die Bundesbehörden verschärfen die Sicherheitsmaßnahmen, aber hiermit hat keiner gerechnet: Aus dem Dunkel des Central Park tauchen vier Reiter auf und nähern sich auf ihren prachtvollen Pferden dem Museum. Sie sehen aus, als wären sie einer Zeitmaschine entsprungen. Alle vier Reiter tragen die gleiche mittelalterliche Rüstung, visierbewehrte Helme, Kettenpanzer. Der dramatische Auftritt wird noch durch die Schwerter in ihren Scheiden unterstützt, am auffälligsten aber sind die weißen Umhänge und das Zeichen darauf: ein geschweiftes blutrotes Kreuz - das Wappen der Tempelritter.

Anfangs für eine Aktion der Ausstellung gehalten, betreten diese vier Ritter unter Beifall, Jubeln und Klatschen mitsamt ihren Pferden das Museum. Schnell wird den Besuchern, Reportern und Sicherheitskräften klar, dass dies nicht zum Programm gehört, denn die vier Ritter verwandeln die Ausstellungsräume in ein Schlachtfest.

Ihr Ziel sind natürlich die ausgestellten Gegenstände des Vatikans, und hier besonders ein verwittertes Holzkästchen. Wie sich später herausstellt, ist dies ein uralter Verschlüsslungsapparat: ein Rotorchiffrierer. Der Überfall dauert nur Minuten, und unter der Panik der Besucher verschwinden die vier Tempelritter wieder in dem nahen Central Park.

FBI-Agentin Sean Reilly und die junge Archäologin Tess Chaykin, die zusammen mit ihrer Tochter zufällig diese Ausstellung zum Zeitpunkt des Raubüberfalls besuchte, versuchen hinter das Motiv des Anschlages zu kommen. Tess, die mit ihrem Wissen über die Kirchgeschichte dieses Ritterordens der Ermittlung unschätzbare Dienste erweist, kommt den Drahtzieher schnell näher. Doch es gibt noch andere, die das Geheimnis um die Tempelritter lüften wollen. Nach und nach sterben drei der vier "Ritter", sie werden grausam ermordet. Welche Rolle spielt der unnahbare Monsignore De Angelis, ein Mitarbeiter des Vatikans, der Heiligen Römischen Kirche?


Kritik

Anfangs war ich noch recht angetan, die Story erschien mir interessant und nicht unbedingt an den Haaren herbeigezogen. Doch im Laufe der Handlung kam es mir zunehmend so vor, als hätte Raymond Khoury versucht, das Grundgerüst eines Dan Brown kopieren zu wollen.

Die beiden Charaktere Sam Reilly und Tess Chaykin erinnerten mich doch sehr an die Hauptdarsteller von Browns "Sakrileg" und "Illuminati". Beide ergänzen sich in diesem Falle sehr gut; die Polizistin, die geschichtlich überhaupt nicht versiert, aber sehr gläubig ist und allzu menschlich Schwäche, Minderwertigkeitskomplexe und Schuldgefühle erkennen lässt. Ihr zur Seite steht die recht selbstbewusste und attraktive Expertin, die nebenbei noch äußerst intelligent und ehrgeizig ist. Und genau das hat mich arg enttäuscht. Und wenn dazu noch eine kitschige Liebesgeschichte kommt, die nun gar nicht ins Geschehen passt, kann mein Urteil letztlich keine Empfehlung sein. Der Autor ist scheinbar nicht nur bei Dan Brown in die schriftstellerische Lehre gegangen, sondern bediente sich auch bei Elementen des Romans "Assassini" von Thomas Gifford.

Was mir gefallen hat, und damit hat sich Raymond Khoury eng an die geschichtlichen Fakten gehalten, waren die Spekulationen über das Geheimnis um den Schatz der Tempelritter. Auch ein immer wieder gern zitiertes Thema in diesem Genre, "Scriptum" beinhaltet aber neben der recht lahmen Handlung eine recht interessante Theorie in durchaus verblüffender Variante.

Der Autor erzählt uns durch Tess Chaykin von Geschichte, Aufstieg und Fall des Ritterordens in komprimierter Form. Die Rückblicke in die Vergangenheit, in denen die Handlungen der Tempelritter eine wichtige Rolle spielen, sind weitaus interessanter als das Geschehen in der heutigen Zeit. Hier hätte der Autor vielleicht besser einen historischen Roman schreiben sollen. In "Scriptum" bekommt der Leser noch einen kleinen Einblick in die Entstehung der Evangelien und die Etablierung und den Aufstieg kirchlicher Macht. Allein diese kleinen Wahrheiten sind für den interessierten Käufer lesenswert und stimmen nachdenklich. Aber sollte man sich ohnehin für das Thema dieses Ritterordens, die Geheimnisse und Theorien interessieren, so ist man sicherlich besser beraten, sich entsprechende Sachbücher zu besorgen.

Außerdem wird die Rolle des Vatikans nicht weiter ausgespielt. Hier wäre es vorteilhaft gewesen, diesen mehr zum Zuge kommen zu lassen. Kurz spielt die Geschichte in Rom, und schon wenige Seiten später fragt man sich, warum der Autor diesen Handlungsstrang so abrupt abgerissen hat. Die Interessen der kirchlichen Macht hätte ich mir detaillierter vorstellen können.

Schade, der Roman hätte vielleicht ein wirklicher guter des historischen Genres sein können, aber als Thriller versagt er leider völlig. Hier gibt es bessere Veröffentlichungen, die durch Spannung und Geschichte unterhalten. Ein wenig Geschichte der Tempelritter, ein wenig Suchen nach dem Heiligen Gral, ein wenig morden für den Vatikan, ein Geheimnis, das den Kirchenstaat stolpern lassen oder gar ins Wanken bringen würde - alles schon einmal gehabt, alles schon einmal gelesen und nichts Neues dabei gefunden.

Ich kann diesen Roman wie gesagt nicht empfehlen. Es gehört sicherlich zur Strategie des Verlages, das Cover des Romans ähnlich aussehen zu lassen wie die Werke eines Dan Brown, denn es ist es doch offensichtlich, welches Ziel hier verfolgt wurde. Enttäuschend. Aber vielleicht lernt Raymond Khoury aus den Fehlern und sein zweiter Roman wird besser und eigenständiger. Wer weiß?


Der Autor

Raymond Khoury war zunächst Architekt, später Drehbuchautor, was man bei "Scriptum" auch rasch feststellt. Sein erster Roman wurde in den Staaten schnell zu einem Bestseller. Zurzeit schreibt er an seinem zweiten Roman.


Hintergründe: Geschichtliches zum Templerorden

Es gab zu jener Zeit zwei große Ritterorden: den Johanniterorden sowie den Templerorden, eigentlich: Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem. Der Zeitraum seiner Macht war von ca. 1120 - 1312.

Der Templerorden vermischte die Ideale des Adels und der Kirche. Sonst war es eher so, dass Mönche nicht zur Waffe griffen, die Stände miteinander nichts zu tun hatten.

Ein genaues Gründungsdatum ist nicht genau bekannt. Man weiß, dass es zwischen 1118 und 1121 war. In dieser Zeit war Jerusalem der Mittelpunkt aller Pilger, Abenteuerer und des Adels aus ganz Europa. Die Straßen und Wege, die Routen zur und von der Heiligen Stadt waren jedoch alles andere als sicher.

Hugo von Payens und Gottfried von Saint-Omer sowie sieben französische Ritter gründeten diesen Orden und legten die klassischen Gelübde von Keuschheit, Armut und Gehorsam ab. Weiterhin verpflichteten sie sich, die Handels- und Reiserouten zu beschützen. Die frühe Ordensbezeichnung lautete Paupere Militie Christi (Arme Ritter Christi).

Balduin II. war der König von Jerusalem. Er schenkte den Rittern im Jahre 1119 einige Gebäude. Diese standen auf den Grundsteinen des alten Tempels Salomon.

Nach einigen Jahren reiste Hugo von Payens mit anderen Gründungsmitgliedern wieder zurück nach Europa. Grund dieser Reise war wohl Personalbeschaffung in adeligen Kreisen. Mit den Jahren wurde der Einfluss der Kriegermönche größer und größer. Landschenkungen in England, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien vergrößerten die Macht des Ordens, aber auch den Neid auf ihn.

1139 wurde der Templerorden von Papst Innozenz II. offiziell bestätigt und die Organisation direkt dem Papst unterstellt. Dadurch wurde dieser im Grunde unantastbar. Die Tempelritter erschufen das eigentliche Bankgeschäft und konzentrierten sich darauf, Geld gegen Zinsen zu verleihen, auch und insbesondere an Könige. Das sollte sich später als der Anfang vom Ende erweisen.

Mitglieder des Ordens waren zumeist adelige Ritter aus ganz Europa. Diese bildeten innerhalb der Organisation ihre ganze eigene Hierarchie. An der Spitze stand der so genannte Großmeister des Ordens.

Das Ende dieses Ordens ging schnell in die Geschichtsbücher ein. Könige und andere Herrscher wurden zu Schuldnern und auch die militärische, kampferprobte Macht des Ordens führte zu Neid und Misstrauen. In den Staatskassen fehlte Geld für neue Kreuzzüge und Handelserweiterungen. Im Jahre 1305 wurden die Tempelritter der Sünde, der Ketzerei, der Sodomie angeklagt und König Philipp IV. machte schnell eine Staatsaffäre daraus.

An einem Freitag, dem 13. Oktober 1307, wurden in allen Haupt- und Nebenquartieren Massenverhaftungen durchgeführt. Eiskalt geplant und gleichzeitig ausgeführt. Mehrere hundert adeliger Rittern des Templerordens wurden unter völlig unzureichenden Anzeigen verhaftet. Falschaussagen wurden unter der Folter erzwungen und endeten jedes Mal mit einem Todesurteil durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen. Die Könige und der Papst wollten die Geheimnisse und das Geld, den Schatz der Tempelritter; ihre Macht und ihr Einfluss wurden den weltlichen und kirchlichen Größen zu viel.

Die Macht des Templerordens war gebrochen. Vereinzelte Mitglieder entkamen oder wurden inhaftiert, aber nicht getötet, einige ließ man laufen, denn der Orden hatte aufgehört, als Organisation zu existieren.

Einige Legenden umranken den Orden und liefern heute Stoff genug für Spannungsromane:

- die Einführung der Gotik in die europäische Architektur und der Bau der gotischen Kathedralen
- die Abspaltung der Prieuré de Sion
- die Entdeckung Amerikas
- die Bewahrung des heiligen Grals
- das Auffinden der Bundeslade
- die Meisterung der Alchemie durch den heiligen Gral, dadurch die Umwandlung des in Südamerika gewonnenen Silbers in Gold

Sowohl der französische König als auch der Papst starben ein Jahr nach der Verbrennung des Großmeisters Jacques de Molay - wie ein Fluch de Molays es vorhersagte. Außerdem soll der Begriff "Freitag der 13." auf die Templer zurückgehen. Einer Theorie zufolge unterlagen sie überraschenderweise den Truppen Saladins an einem solchen Tag, nach einer anderen Theorie ist das Datum der Festnahmen in Frankreich 1307 das relevante Ereignis.

http://www.rowohlt.de

Michael Sterzik [10.02.2007]

Auf den Spuren eines Dan Brown möchten heutzutage verständlicherweise sehr viele Autoren wandeln, insbesondere wenn es um die sagenhaften Verkaufszahlen von Browns Verschwörungsthrillern geht. So wundert es kaum, dass der Buchmarkt in den letzten Jahren von immer mehr Kirchenthrillern geflutet wird, die allerdings oftmals nicht einmal annähernd auf der Brown’schen Erfolgswelle mitschwimmen können. Denn ein kirchengeschichtlicher Hintergrund - am besten natürlich unter Mitwirkung eines Geheimbundes - sowie ein relativ spartanischer und rasanter Schreibstil alleine reichen noch nicht aus, um beim Leser dasjenige Kribbeln hervorzurufen, das man beim Lesen von "Illuminati" verspürt.

Auch Raymond Khoury hat sich mit den Tempelrittern und einem dunklen Vatikangeheimnis zwei sehr erfolgreiche Komponenten herausgepickt, die gepaart mit dem verkaufswirksamen Titel samt optisch hervorstechenden Buchcover praktisch einen Bestseller garantieren. Und richtig, "Scriptum" verkauft sich hervorragend und wird an Weihnachten sicher so manch einen Bibliophilen erfreut haben. Doch eins muss man gleich vorweg feststellen: Dies widerfährt Khoury nicht ganz zu Unrecht, denn sein Buch sticht aus den zahlreichen mittelmäßigen Thrillern erfreulich positiv heraus. Doch beginnen wir zunächst beim Inhalt:


Im New Yorker Metropolitan Museum werden in einer Sonderausstellung Schätze des Vatikans präsentiert, die sich auch die hübsche Archäologin Tess Chaykin, ihre Mutter und ihre Tochter ansehen wollen. Doch dann tauchen plötzlich vier in Tempelrittertracht verkleidete Reiter auf, die einen Wachmann köpfen, die Besuchermenge in Schach halten und sich einige Schätze ergreifen. Tess kann dabei nur knapp einem der bedrohlichen Reiter entgehen, der sich zielsicher einen unscheinbaren Kasten greift und dazu geheimnisvolle lateinische Worte spricht. Nach dem Überfall schnappen die Reiter sich eine prominente Geisel und verschwinden über alle Berge.

Nachdem Tess ihren Schrecken überwunden hat und auch ihre Tochter wohlbehalten in die Arme schließen kann, fragt sie sich bald, warum der eine Reiter zielbewusst den so unbedeutend wirkenden Kasten erbeutet hat, der im Katalog als Rotorchiffrierer mit mehreren Walzen geführt wird. Doch Tess' Gefühl sagt ihr gleich, dass dahinter mehr stecken muss. Bald stellt sie eine Verbindung des Überfalls zu den Tempelrittern her und beginnt mit ihren eigenen Nachforschungen.

Dies aber ist FBI Special Agent Sean Reilly ein Dorn im Auge, da er weiß, dass Tess sich durch ihre eigene Ermittlung unbewusst in große Gefahr begibt. Denn nach dem Überfall auf das Metropolitan Museum werden nach und nach die Leichen der Reiter aufgefunden. Irgendjemand verfolgt seine eigenen Ziele und ermordet zielsicher die Museumsräuber. Sogar der Vatikan hat einen Verbündeten in New York, der dafür sorgen will, dass ein gut gehütetes Geheimnis im Verborgenen bleibt. Während Tess ihren Nachforschungen nachgeht und sich allmählich in Reilly verliebt, werden die beiden von den Verfolgern zu den Verfolgten ...


Raymond Khoury bedient sich einiger erfolgsversprechender Komponenten für seinen Tempelritterroman, die Garanten für seinen großen Verkaufserfolg sind: In Manier eines Dan Brown lässt er zwei Protagonisten auf den Plan treten, die gut aussehend sind und mutig agieren und sich natürlich im Laufe der Geschichte ineinander verlieben und folglich alle Gefahren gemeinsam durchstehen können. Aber in den Biografien beider Hauptfiguren finden sich dunkle Episoden, die ihr heutiges Leben noch überschatten und dafür sorgen, dass die Liebe zwischen Tess und Sean nur langsam gedeihen kann. Khoury bedient hier sämtliche Klischees und langweilt dadurch an mancher Stelle, doch verlangt inzwischen wohl kaum noch jemand nach realistischen Figuren in aktuellen Spannungsromanen.

Glücklicherweise aber geschieht diese Liebelei zwischen Tess und Sean nur nebenbei und steht nicht im Zentrum der Geschichte. Khoury konzentriert sich vielmehr darauf, seine Tempelrittergeschichte zu entwickeln. In einem rasanten Erzähltempo präsentiert er uns historische Informationen über die Tempelritter und ihre Verbindung zum Vatikan. Hierfür lässt er zwischendurch einige Kapitel in weiter Vergangenheit spielen, wo wir neue Protagonisten kennen lernen, die damals das große Geheimnis des Vatikan gehütet haben.

"Scriptum" spielt an verschiedenen, teils recht exotischen Schauplätzen, zwischen denen Khoury hin und her blendet, um dadurch immer mehr Spannung aufzubauen. Besonders die erste Buchhälfte fällt dadurch sehr spannend aus. Ab der Hälfte jedoch übertreibt der Autor es ein klein wenig mit seinen Ausführungen. Hier überschlagen sich die Ereignisse dermaßen, dass Spannung und Glaubwürdigkeit darunter zu leiden haben. Die Ereignisse erscheinen nicht mehr so ausgefeilt, sondern eher wie eine bloße Aneinanderreihung von gefährlichen Situationen. Da der Leser sich zudem recht sicher sein kann, dass Tess Chaykin und Sean Reilly diese Gefahren überstehen werden, fehlt dem Leser etwas die Gänsehaut.

Stilistisch hat sich Raymond Khoury stark an Dan Brown orientiert; so zaubert er nicht nur ein Vatikangeheimnis aus dem Ärmel, das an dasjenige aus Sakrileg erinnert, sondern er bedient sich ebenfalls der kurzen Kapitel, die schon bei Brown für ein rasantes Erzähltempo gesorgt haben. Dennoch merkt man, dass die Geschichte bei Khoury bei weitem nicht so raffiniert ausgeklügelt ist wie bei seinem berühmten Kollegen. Dies ist auch ein großes Manko, mit dem "Scriptum" zu kämpfen hat, denn das wohlgehütete Geheimnis, das Khoury uns so sensationsversprechend präsentiert, wirkt nicht sonderlich innovativ, sodass an dieser Stelle viel aufgebaute Spannung verpufft. Hier hätte ich mir eine größere Sensation gewünscht, die vielleicht noch kein anderer Autor verwendet hat.

So bleibt am Ende festzuhalten, dass Raymond Khoury mit seiner Geschichte sehr wohl zu unterhalten weiß und mit "Scriptum" einen rasanten und spannenden Roman vorgelegt hat, den man gerne und gebannt liest. Doch leider kann Khoury nicht vollkommen überzeugen; Dan Brown hat die Messlatte mit "Illuminati" und "Sakrileg" einfach zu hoch gelegt, sodass Khoury diese Marke nicht erreichen kann. Den Vergleich verliert Khoury durch seine wenig innovative Geschichte, die leider nicht an jedem Punkt überzeugen kann und auch nicht mehr neu wirkt, außerdem übertreibt der Autor es am Ende seines Buches etwas zu sehr. Etwas weniger Action hätte der Glaubwürdigkeit seines Romans gut getan. Insgesamt ist "Scriptum" somit zwar überaus lesenswert und versüßt die Zeit bis zum nächsten Brown-Thriller gut, ganz oben in einer Liga mit Brown oder Eco kann das vorliegende Buch allerdings nicht mitspielen.

Maike Pfalz [14.01.2006]

 

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