MAGAZIN
Neuigkeiten
Rezensionen
Artikel
Forum
Links
Impressum
GENRES
Abenteuer
Belletristik
Comics / Graphic Novels
Fantasy / Science-Fiction
Film
Grenzwissenschaft und Neues Denken
Historisches
Horror & Unheimliches
Hörbuch/Hörspiel
Kinder- und Jugendliteratur
Magazine
Magie und Esoterik
Musik
Philosophie, Religion und Spiritualität
Rollenspiel
Sachbuch
Skurriles & Satirisches
Spiel & Spaß
Thriller & Krimis
Zeitgeschichte & Gesellschaft
REZENSION

Sehr erfreut, meine Bekanntschaft zu machen
Anzeige
NEWSLETTER
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter:
COPYRIGHT
Alle Rechte vorbehalten!
© 2002 - 2010
Buchwurm.info

Haftungsausschluss / Disclaimer

Thanx to: Linux, PHP, VIM

 

 

Buch-Reviews

Metropolis. Der Filmklassiker von Fritz Lang (Elsaesser, Thomas)

Auflage: Mai 2002
Erscheinungsjahr: 2001
ISBN: 3-203-84118-5
Verlag: Europa
Genre: Film

1 Review

Wie kann es eigentlich angehen, dass ein Film als Klassiker gilt, den kaum jemand wirklich gesehen hat ...? Ein Dreivierteljahrhundert nach seiner Entstehung ist es gar nicht so einfach, "Metropolis" neu oder wieder zu entdecken. Manchmal wird er von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern im Dunkel der Nacht gezeigt, aber eigentlich müsste man ihn natürlich auf der großen Leinwand so sehen, wie ihn Fritz Lang einst konzipiert hat.

Bei dieser Gelegenheit zeigt sich, dass "Metropolis" auch im 21. Jahrhundert die Gemüter zu erregen vermag. Viel bewundert ob seiner monumentalen Bildsprache, die noch heute staunen macht, aber vielleicht noch mehr kritisiert und geschmäht wegen der naiven Geschichte, die da mit stupendem Aufwand erzählt wird, ist es an der Zeit für eine aktuelle und vor allem sachliche Bestandsaufnahme: Was ist "Metropolis" wirklich bzw. was haben sich seine Schöpfer vor 78 Jahren dabei gedacht, ein bei objektiver Betrachtung wahnwitziges Projekt zu verwirklichen?

Der Film- und Fernsehhistoriker Thomas Elsaesser, der an der Universität Amsterdam lehrt, hat sich diesen Fragen im Auftrag des renommierten "British Film Institute" angenommen. Auf gerade 135 Seiten ist das keine einfache Aufgabe, denn über "Metropolis" haben sich schon viele und manchmal sogar kluge Köpfe ausführlich dieselben zerbrochen. Im Gewirr dieser wild bewegten Rezeptionsgeschichte den roten Faden zu finden, ist eine respektable Leistung. Elsaesser ist es gelungen - und noch besser: Er schafft es, das schwierige Thema mit spielerischer Leichtigkeit in den Griff zu bekommen und seinem Publikum nahe zu bringen.

Dabei geht Elsaesser beileibe nicht den einfachen Weg, der in der Filmbuch-Welt leider in der Regel so aussieht: Man erzähle ausführlich die Story nach, ergänze dies durch die Nachbetung einiger Fakten aus der Pressemappe und peppe das Ganze mit (meistens reichlich apokryphen) Anekdoten auf, die im Falle von "Metropolis" ungeprüft seit über siebzig Jahren nachgeplappert werden. Dazu kommen viele, viele Bilder - fertig! Elsaesser geht dagegen inhaltlich in die Tiefe, und er setzt mit einer ungewöhnlichen These an: "Metropolis" ist in seiner Deutung kein geplantes Monument der frühen Filmgeschichte, keine ehrgeizige Prophezeiung einer möglichen Zukunft, auch kein (missglücktes) politisches Manifest, sondern ein kühl kalkulierter Blockbuster à la "Star Wars - Episode 1". Die Belege dafür sind bestechend: In den 20er Jahren befand sich die deutsche Filmindustrie, die einst führend in der Welt war, in einer tiefen Krise. Hollywood hatte die Zelluloid-Krone an sich gerissen. "Metropolis" sollte als Kraftakt beweisen, dass Deutschland nicht nur mithalten, sondern die Konkurrenz jederzeit in die Schranken verweisen konnte. Dies war der Grund, wieso die UFA Fritz Lang praktisch unbegrenzte Mittel gewährte und ihn zwei Jahre (!) ungestört an "Metropolis" arbeiten ließ.

Auf der anderen Seite erklärt diese Zielrichtung auch die oft beklagte formale wie inhaltliche Indifferenz des Films. Ungehemmt und offenen Auges wilderten Regisseur Fritz Lang, Drehbuchautorin Thea von Harbou oder Ausstatter Ernst Ketelhut in den Höhen der hehren Kunst wie in den Niederungen des alltäglichen Kitsches. Elsaesser ist es gelungen, den Ursprung vieler "Metropolis"-Bilder, die sich längst in Pop-Ikonen verwandelt haben - der weibliche Roboter, der Turm zu Babel, das Rotwang-Labor usw. -, zu rekonstruieren. Die Betroffenheit über die scheinbare Banalität der meist recht seichten Quellen, aus denen sich "Metropolis" speist, weicht der Bewunderung, wenn man sich erst einmal vor Augen geführt hat, dass "Metropolis" in erster Linie ein Spektakel und "nur" ein Film ist und nie als etwas Anderes, gar "Großartiges" geplant war.

Unter diesem Aspekt relativiert sich auch die Mär vom künstlerischen und geschäftlichen Scheitern des ehrgeizigen Projektes. Fritz Lang und besonders Thea von Harbou, die stets als die "Hauptschuldigen" gescholten werden für das schlechte Abschneiden an den Kinokassen, hatten einfach Pech: "Metropolis" entstand für einen Konzern am Rande des Konkurses, in einer Zeit der Inflation und der politischen wie wirtschaftlichen Unruhen - und kam auf den Markt, als sich der Tonfilm massiv ankündigte.

Was dagegen von der Kritik niemals richtig gewürdigt wurde, ist der enorme Erfolg des Films auf anderem Gebiet: Einen Kultfilm erkennt man daran, dass er moderne Mythen entstehen lässt. "Metropolis" ist in dieser Hinsicht ein einziges Füllhorn; ein Ideen- und Bildersteinbruch, aus dem sich die Nachgeborenen gern und großzügig bedienten. Elsaesser kann nur wenige, aber beeindruckende Beispiele präsentieren - bereits die Nennung von Filmen wie "Frankenstein" über "Blade Runner" bis zur "Batman"-Serie (der "richtige" der Teile 1, 2 und 5, nicht der Schumachersche Clown im Cape), "Das Fünfte Element" oder "Sin City" gibt ihm uneingeschränkt Recht.

Wenn man Elsaesser bereitwillig schon bis zu diesem Punkt gefolgt ist, akzeptiert man auch sein zunächst irritierendes Plädoyer für Giorgio Moroders bonbonbunte, massiv umgeschnittene und mit der Popmusik der 80er unterlegte "Metropolis"-Fassung von 1983. Das Protestgeheul der etablierten Filmkritik ließ damals die Kinowände weltweit erzittern, doch Elsaesser nimmt Moroder in Schutz und weist nach, dass "Metropolis" bereits seit seiner Uraufführung immer wieder geschnitten und neu montiert wurde - womöglich gibt es gar keine authentische Urfassung! Die eigentliche Kraft dieses Films, so Elsaesser, liegt in der erstaunlichen Tatsache, dass noch jede Version ihr Publikum gefunden hat: In einem Film, der stets Stückwerk war, nimmt der Zuschauer nur jene Elemente wahr, die seine Phantasie beflügeln.

Doch ist Thomas Elsaesser denn nun im Besitz der einzigen Wahrheit? Er stellt seine Thesen zur Diskussion, aber das heißt keineswegs, dass seine überzeugenden Thesen in zehn Jahren noch gültig sein werden. Elsaessers "Metropolis"-Buch fesselt auch als Exkurs über die Filmkritik im Wandel der Zeit. Jede Generation, jede Kultur hat den Film so interpretiert, wie er in ihr Weltbild passte. "Metropolis" wurde als kommunistische Agitation wie als faschistische Propaganda, als Warnung vor den Nazis wie als früher Gruß an Hitler & Co, als Utopie wie als Dystopie interpretiert oder besser: instrumentalisiert. Heute ist es möglich offen anzusprechen, dass "Metropolis" in erster Linie Unterhaltung war und ist, ohne dafür von der verkopften Cineastenschar früherer Jahre gesteinigt zu werden. (Nicht, dass es sie nicht mehr gäbe oder sie es nicht gern täte - sie ist nur einfach nicht mehr in der Überzahl und musste heraus aus ihrem Elfenbeinturm ...) Unter dieser Prämisse ist übrigens ausgerechnet der arme H. G. Wells das beste Beispiel für solche Kurzsichtigkeit: Der hoch und mit Recht gerühmte Autor unsterblicher Klassiker wie "Die Zeitmaschine" oder "Der Krieg der Welten" listete penibel die "Fehler" und Anachronismen auf, die ihm in "Metropolis" als Geschichte aus der Zukunft aufgefallen waren, ohne jemals zu begreifen, dass diese überhaupt nicht beabsichtigt war bzw. eine Story im Film völlig anderen Gesetzen zu gehorchen hat als ein Roman.

"Metropolis" gehört eindeutig zu den Highlights der Reihe "Filmbibliothek" des Europa-Verlags: brandaktuell, fern jedes pseudo-philosophischen Schwurbels kundig und lesbar geschrieben, vorzüglich übersetzt und erfreulich preisgünstig - ein erstaunlicher, neugierig machender (Rück)Blick auf einen halb vergessenen, doch stets präsenten, oft missverstandenen Klassiker der Filmgeschichte.

Michael Drewniok [02.07.2005]

 

Artikel bestellen

Du möchtest "Metropolis. Der Filmklassiker von Fritz Lang" bestellen? Klicke einfach auf einen der unten stehenden Partner von Buchwurm.info.

 

 

 

NEUIGKEITEN
ANGELA WALDMANN: Wolfstochter

MILA WOLF: Schandfleck

KAMI GARCIA & MARGARET STOHL: Sixteen Moons - Eine unsterbliche Liebe

MINA HEPSEN: Unsterblich wie die Liebe

THILO SARRAZIN: Deutschland schafft sich ab - Wie wir unser Land aufs Spiel setzen

CINDA WILLIAMS CHIMA: Der Dämonenkönig

JAMES PATTERSON: Blutstrafe

WULF DORN: Kalte Stille

SUSAN PRICE: Elfling - Der Erbe der Krone

SUSAN PRICE: Elfling - Das Heer der Toten

STEPHEN L. CARTER: Vermächtnis

SCOTT MARIANI: Das Fulcanelli-Komplott

JOSÉ SARAMAGO: Kleine Erinnerungen

DAVE DUNCAN: Die Jägersschenke

DAVID WEBER: Sturm der Schatten

Anzeige
REZENSIONEN
Im Funkloch

Mark Brandis: Verrat auf der Venus (W...

Northanger Abbey (Lesung)

Hexenküsse (Schwestern des Mondes 4)

Sechs Finger der Zeit, Die

BAT People

Schwalbenturm, Der

Palast des Poseidon, Der (Chroniken d...

In den Armen des Vampirs (Eternal 2)

Mark Brandis: Bordbuch Delta VII (Wel...

Im Wandel der Zeiten - Bronzezeit (Ge...

Buch der Sünden, Das

Bernsteinhändlerin, Die

Ein Fisch geht ins Netz

Point Whitmark 29: Der Seelenkünder (...

ARTIKEL
Leseprobe zu »Die Bestie von Florenz«

Interview mit Frank Haubold

Interview mit Lea Korte

Interview mit Markus Heitz

Interview mit Norbert Sternmut

Interview mit Jörg Kaegelmann, BLITZ-...

Interview mit Renate Grubert, cbj-Verlag

Interview mit Andreas Eschbach

Interview mit Michael K. Iwoleit

Interview mit Willibald Spatz

Interview mit Peter Prange

Interview mit Nina Wolfframm

Interview mit Uta-Maria Heim

Interview mit Bernd Perplies

Interview mit Ulrike Schweikert

FILMKRITIKEN
Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die...

Triangle - Die Angst kommt in Wellen

Haunting of Winchester House

Antichrist

Messengers 2 - The Scarecrow

Shadow Within, The

Trailer Park of Terror

Horde, Die

Schande

Der fantastische Mr. Fox

MUSIKKRITIKEN
IRMINSUL Irminsul

DESCENTED 1095

KIDS IN GLASS HOUSES Dirt

DESTINATION ANYWHERE Party,Love & Tragedy

SPIRIT DESCENT Doominion

JETTBLACK Jettblack

KILL-TECH Inappropriate

YOUNG GUNS All Our Kings Are Dead

DAKOTON Kein Platz für Kompromisse

VARIOUS ARTISTS Imperative Music Volume II

MONARQUE Blasphémes et Cultes Morbides

KATY PERRY Teenage Dream

TOXIC LOON Phoenix

NEW BORN HATE Obsessed

ASPHYX Live Death Doom

IRON MAIDEN The Final Frontier

VISNU Time For Blood

DISTURBED Asylum

DISPOSED TO MIRTH The Value of Diamonds

HURTS Happiness

LEATHER PHANTOM Leather Messiah (Demo)

LOST SOUL Immerse in Infinity

JESUS ON EXTASY No Gods

POSITHRONE Necropoles

REEL: HARD'N'HEAVY Schwermetall - Der Film

CRYSTAL TEARS Generation X

IRON MAIDEN The Final Frontier

BANGALORE CHOIR Cadence

THE PAST ALIVE Sweet Dreams E.P.

HAMMERS OF MISFORTUNE The Bastard (Re-Release)

CURBS The City Of Dreaming Spires

CLUTCH From Beale Street To Oblivion (Re-Release)

WINTERSTORM A Coming Storm

TERRIBLE SILENCE Legacy Of Silence

VARIOUS ARTISTS Dark Alliance Vol. 8

AS I AM Into The Darkness

FAITH AND THE MUSE : shoumei : - An Evening With Faith And The Muse (DVD)

AGAINST THE PLAGUES Decoding The Mainframe

INTERMENT Into The Crypts Of Blasphemy

OTARGOS No God, No Satan

COMEBACK KID Symptoms + Curses

SONIC SYNDICATE We Rule the Night

AVENGED SEVENFOLD Nightmare

CELESTE Morte(s) Nee(s)

TERROR Keepers of the Faith

CALEYA These Waves Will Carry Us Home

LAETHORA The Light In Which We All Burn

AMORTICURE A Bleeding Soul In A Dying World

LYTHIUM Dead Tales

OUTSMARTED The Amoral Ranger

TARAXACUM Rainmaker