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Buch-Reviews

Illuminati (Brown, Dan)

Auflage: geb. Neuausgabe September 2004
Erscheinungsjahr: 2003
ISBN: 3404770005
Verlag: Bastei Lübbe
Genre: Thriller & Krimis

3 Reviews

Der sagenumwobene Orden der Erleuchteten ist zurück, jedenfalls in Romanform. Als Liebhaber von Verschwörungstheorien ist so etwas natürlich genau meine Kragenweite. Geschichte, Mythen und Geheimgesellschaften finde ich extrem faszinierend, vor allem, weil man davon ausgehen kann, dass in allem immer ein Körnchen Wahrheit steckt. Gerade die Illuminaten haben in der Riege der mystischen Kulte einen hohen Stellenwert in der Historie, manche meinen sogar, dass sie selbst heute noch hinter den Kulissen die wahren Weltherrscher sind, die auch das tagesaktuelle politische Geschehen über unsichtbare Kanäle diktieren.

Man mag das glauben oder nicht, es steht jedoch mit Sicherheit fest, dass die Bruderschaft seit jeher ein ausgesprochen konspirativer Haufen gewesen ist, der jede Menge Anlass zu Spekulation bietet. So auch im vorliegenden Roman von Dan Brown, der die Erleuchteten zum finalen Kampf gegen den Vatikan fiktiv auferstehen lässt - mit sehr hohen Erwartungen ging ich das Werk auch an.

Allgemeines zum Thema
Wer oder was sind die "Erleuchteten" denn eigentlich und gab/gibt es sie wirklich? Für die präzisere Beantwortung der Frage muss man schon weiter ausholen: Die Illuminaten (oder korrekter: Illuminati) sind/waren ein dem Klerus feindlich gesonnener Geheimbund aus meist hochintelligenten Persönlichkeiten und gehen laut einigen Autoren sogar zurück bis auf den berühmten italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei, andere verdächtigen auch den Templer-Orden schon zur Zeit der Kreuzzüge als Wurzel. Belegen lässt sich das nicht exakt, nach offizieller Lesart war der Bayer Adam Weishaupt der erste offizielle Illuminatus und Begründer des Ordens. Den Beweis, dass sie immer noch bis in die Moderne existieren, leiten Konspirologen immer wieder gern von der 1-US$-Note ab. Die Pyramide mitsamt des seltsamen Textes "Ordo Novus Seclorum - Annuit Coeptis" und das Allsehende Auge sind blitzsaubere Illuminati/Freimaurer-Symbolik und -Rhetorik.

Doch zurück zu den Urvätern der Loge. Im Laufe der Zeit wurden die Mitglieder von der Kirche zu Ketzern und Satanisten abgestempelt, das war insofern leicht, als sie "Luzifer" (sinngemäß: "Lichtbringer", von ital.: Luce = Licht) quasi im Namen tragen. Schon damals wirkte plumpe Propaganda Wunder. Waren die Illuminaten ursprünglich aufklärerische Freidenker, mutierte die Organisation von Generation zu Generation in einen regelrechten Kirchenhasser-Verein, dessen Methoden, die christliche Gotteslehre zu untergraben, immer diffiziler und auch drastischer wurden. Weishaupt selbst galt als Fürsprecher eines elitären Denkens und Handelns, was unter anderem die Ausrottung der Schwachen und Dummen beinhaltete. Diese Doktrin haftet dem Geheimbund auch heute noch an. Sofern man daran glaubt.

Etliche Gräueltaten wurden auf beiden Seiten verübt und es entstand eine Jahrhunderte dauernde Fehde zwischen beiden Lagern, bei der es Illuminati immer wieder unerkannt bis in höchste weltliche Ämter schafften oder gar klerikiale Zirkel infiltrierten und dort von innen heraus gegen die Kirche wirkten - auch vor Gewaltakten gegeneinander schreckte man beiderseits nicht zurück. Die direkte Reaktion Roms auf die vermeintliche Gefahr lag in der Inquisition. Was die wenigsten wissen: Die Hexenverbrennungen in dieser Periode waren nur Nebeneffekt (und Deckmäntelchen), primär ging es dem Papsttum wohl eher darum, die Illuminaten und wesensverwandte Gruppierungen auszurotten. Der Orden der "Templer" soll das berühmteste Beispiel für die vatikanischen Säuberungsaktionen gewesen sein.

Doch die umtriebige Bruderschaft hat es mit List und Verschwiegenheit trotz aller Versuche bis in unsere Zeit geschafft zu überleben. Angeblich. In einem Zug mit den Erleuchteten wird auch häufig das Freimaurertum genannt; wenngleich das nicht dasselbe ist, fanden sich gerade unter diesen Freimaurern häufig Mitglieder des mystischen Ordens. Ob der Geheimbund auch heute noch existiert, ist umstritten. Verschwörungstheoretiker werden das sicher mit einem beherzten Ja beantworten. Die offizielle Geschichtsschreibung will davon nichts wissen. Es gibt eine ganze Menge sehr guter Literatur über dieses Thema, sodass ich es bei diesem - zugegeben - recht groben Überblick bewenden lassen will ...

Mehr unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Illuminatenorden.

Zur Story
Eigentlich ist der Mittvierziger Professor Robert Langdon kein wirklicher Abenteurer, sondern ein biederer Dozent und Experte für religiöse Symbolik an der University of Harvard, doch der ominös-nächtliche Anruf des Teilchenphysikers Maximilian Kohler vom Genfer CERN-Institut (Conseil Européen pour la Recherche Nuclaire) soll ihm mehr als nur den Schlaf dieser Nacht vergällen. Was Direktor Kohler ihm per Fax schickt, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren: Der berühmte Professor Vetra ist im CERN auf grausame Art umgebracht und gebrandmarkt worden.

Das Ambigramm "Illuminati" ziert den Brustkorb der Leiche auf dem Fax und Langdon wird stante pede nach Genf zitiert - sofort und ohne zu packen steigt er in das ultra-moderne Überschallflugzeug des CERN, welches ihn bereits erwartet. Auf seiner nur gut eine Stunde dauernden Reise in die Schweiz hat Langdon schon mal ein wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, ob die berühmte Bruderschaft nach über 50 Jahren Stillschweigen der Erleuchteten tatsächlich wiederauferstanden sein kann und warum dieser grausame Mord überhaupt begangen wurde. In Genf angekommen, lüftet sich der Schleier nur wenig.

Der undurchsichtige, an den Rollstuhl gefesselte Vollblutwissenschaftler Kohler zeigt dem entsetzten Experten aus den USA die Leiche von Vetra, der mit seiner Adoptiv-Tochter Vittoria an einem hochgeheimen Projekt zugange war: Der Erschaffung von Antimaterie. Nach Eintreffen besagter Tochter wird sehr schnell klar, dass es dem Attentäter und seinem Auftraggeber um genau diese hochbrisante Substanz mit der vielfachen Zerstörungskraft konventioneller Nuklear-Sprengköpfe ging. Das Ziel für die ("saubere") Massenvernichtungswaffe steht kurz darauf auch bereits fest - der Illuminatus will sich am Klerus für all die jahrhundertelange Schmach rächen, welche die Kirche der Wissenschaft angetan hat.

In Rom findet gerade das große Konklave statt (die Papst-Wahl) und daher sind alle ranghohen Kardinäle und Aspiraten auf den Job des Pontifex natürlich anwesend. Dank seines Hashishin (Assassinen) hat der Illuminatus den Behälter mit der Antimaterie direkt vor den Augen der päpstlichen Schweizergarde in die Vatikanstadt geschmuggelt, doch er will seinen Triumph noch weiter auskosten: Er entführt die vier meistversprechenden Kandidaten auf den Papst-Titel (die sog. Preferiti) und plant sie, einen nach dem anderen medienwirksam abtreten zu lassen. Die einzige Chance, die Kardinäle und den Vatikan zu retten, ist, dem alten, rituellen Initiierungs-Pfad der Bruderschaft zu folgen - ein Pfad, der vor Jahrhunderten von niemand Geringerem als Galileo Galilei und den ersten Illuminaten gelegt wurde ...

Meinung
Vom Start weg weiß "Illuminati" zu gefallen, der kurze Prolog lässt bereits erahnen, was da alles kommen mag und spätestens, wenn Dan Brown respektlos den ersten hochangesehenen kirchlichen Würdenträger brutal über die Klinge springen lässt, ist man sich nicht mehr sicher, ob die verbliebenen drei Kardinäle die Sache heil überstehen. Ganz zu schweigen von der enormen Antimaterieladung unter dem Vatikan, welche im Umkreis von knapp einem Kilometer alles in einem grellen Lichtblitz pulverisiert, sollte der Behälter nicht innerhalb von insgesamt sechs Stunden aufgespürt werden. So entwickelt sich der anfängliche, rätselhafte Mordfall zu einem teils überaus dogmatisch geführten Überlebenskampf zwischen Kirche, Wissenschaft und Medien.

Bei der Hetzjagd durch Rom und der Spurensuche in alten Archiven sitzt den Protagonisten die Uhr zudem ständig im Nacken. Außer bei den beiden Hauptcharakteren (Robert Langdon und Vittoria Vetra) vermag man zwischendrin nie zu sagen, auf welcher Seite so mancher Handelnde eigentlich steht. Alle Figuren sind gut und lebendig ausgearbeitet, der Schreibstil ist locker, somit ist der Roman trotz der 640 Seiten keine allzu schwere aber dafür umso unterhaltsamere Kost - auch für Gelegenheitsleser.

Die archaischen Puzzles, die es zu lösen gilt, sind intelligent gemacht und verraten seitens des Autorsviel Kenntnis über die Thematik der Bruderschaft und die Strukturen des Vatikans. Er verflechtet hier gekonnt geschichtliche und wissenschaftliche Tatsachen mit Zukunftsmusik, natürlich ist die Geschichte frei erfunden und dürfte sich in dieser Form wohl kaum abspielen, logische Fehler konnte ich jedoch nicht ausmachen und das will bei mir notorischem Nörgler schon etwas heißen.

Ich bin der Thematik ja ohnehin nicht abgeneigt und wie der Autor auch schon im Vorwort erwähnt, stimmen die Örtlichkeiten, die physikalischen Grundlagen und die Historie des Vatikans und auch der Illuminati an sich, das hat er gut recherchiert und gekonnt zusammengefügt. Ein paar Begriffe aus der Mythologie und einige Brocken Italienisch und Latein sind vorteilhaft, diese Dinge werden teilweise unkommentiert stehen gelassen, was, wie ich finde, der Atmosphäre sehr dienlich ist. Der deutsche Übersetzter hat es sich aber trotzdem nicht nehmen lassen, einige Fußnoten einzufügen, wenn er der Auffassung war, dass einige Begriffe dennoch einer Erklärung bedürfen. Netter Service.

Die aufkeimende und beinahe unvermeidliche Romanze zwischen Robert und Vittoria stört die Geschichte nicht und schwelt dankenswerterweise nur latent im Hintergrund und gleitet nicht in Schnulz & Kitsch ab, das hätte ich Dan Brown auch nicht verziehen. So mutet der Roman ein wenig wie Indiana Jones (speziell: "The Last Crusade") und einige der guten alten "Drei ???"-Storys an, bei denen es knackige Text-, Logik- und Bilder-Rätsel zu lösen gibt und durch Kombinationsgabe erst am Ende ein Täter feststeht. Gestorben wird auch, und das recht gemein und blutig à la "Sieben" oder "Resurrection".

Langdon ist jedoch weit von den Allüren eines Actionhelden entfernt (dem Assassinen ist er körperlich zu hundert Prozent unterlegen und kriegt von dem auch mächtig die Hucke voll) und irrt auch gern mal mit seinen Vermutungen, das macht die Figur menschlich und sympathisch. Vittoria ist ein sehr starker Charakter und bestimmt nicht die berühmte Quotenfrau bzw. der Hauptpreis für den Helden am Ende (mit Sonnenuntergang und all dem Trallala). Sie steuert dank ihrer Orts- und Sprachkenntnis eine Menge bei, außerdem ist sie als Teilchenphysikerin als Einzige mit dem Antimateriekanister vertraut, den sie auch zusammen mit ihrem Daddy entworfen hat.

Fazit
Ein äußerst kurzweiliger und rasanter Roman, der auf beeindruckende Art Realität und Fiktion zusammenfügt und am Ende ziemlich unvorhergesehen ausgeht, da Dan Brown es versteht, Nebelkerzen zu werfen und den wahren Hauptschuldigen effektiv bis fast vor Schluss zu verschleiern. Nur wer auf den Punkt genau liest und richtig kombiniert, dem fallen inmitten der Story schon einige Sachen ins Auge, die auf den wahren Initiator dieser von Morden durchzogenen wilden Hatz durch Rom hinweisen. Nebenbei lernt man sogar eine ganze Menge Wissenswertes über (Kunst-)Geschichte.

Dank der flüssigen Erzählweise des Autors fällt es leicht das - zugegeben - etwas dickere Buch komplett durchzuziehen. Das Teil und auch sein Nachfolger "Sakrileg" gehören endlich verfilmt - es ist eine Schande, dass sich dafür noch kein Filmemacher ereifert hat, denn die beiden um Dr. Robert Langdon gesponnenen Geschichten haben das Potenzial zu richtigen Blockbustern. Wobei ich "Illuminati" noch als einen Tick besser und origineller empfinde. Klare Lesempfehlung für (noch nicht-)Freunde des intelligenten Thrillers.

http://www.danbrown.com

Jürgen Pern [22.11.2004]

Robert Langdon, Professor an der Universität von Harvard, wollte es sich gerade mit einem Glas Wein und einem guten Buch gemütlich machen, als das Telefon klingelt und ein wenig später eintreffendes Fax ankündigt, auf dem ein verstümmeltes Mordopfer zu sehen ist. Langdon wird aufmerksam, weil das Mordopfer ein Brandzeichen trägt, dessen okkulte Bedeutung ihm als Symbolologen überaus bekannt ist: ILLUMINATI.

Der Direktor der Schweizer Forschungseinrichtung CERN, Maximilian Kohler, lässt ihn zum Ort des Geschehens einfliegen. Als die Tochter des Ermordeten, Vittoria Vettra, eintrifft, weiht sie Kohler und Langdon in ein unglaubliches Geheimnis ein: Ohne irgendjemandes Wissen hatte sie zusammen mit ihrem Vater an der Erforschung der Urknall-Theorie gearbeitet und es war ihnen gelungen, sie zu beweisen und dabei neben der eigentlichen Materie auch "Antimaterie" zu erschaffen. Diese ist höchst instabil und hochexplosiv - und eine Probe mit der Sprengkraft mehrerer Atombomben wurde aus dem Labor gestohlen.

Ein Anruf aus dem Vatikan bringt die drei auf die richtige Spur: Die Illuminati, als wissenschaftlicher Geheimbund traditionell auf Kriegsfuß mit dem Vatikan, scheinen sowohl den Wissenschaftler Vettra ermordet als auch die Antimaterie gestohlen und irgendwo im Vatikan platziert zu haben, um diesen in die Luft zu sprengen. Der Zeitpunkt hätte nicht günstiger sein können, denn zwei Wochen vorher ist der alte Papst verstorben und 165 Kardinale befinden sich an diesem Tag zur Wahl eines neuen Papstes, einem "Konklave" genannten Ritual, im Vatikan.

Vittoria Vettra und Robert Langdon machen sich sofort auf in die Vatikanstadt und müssen dort erfahren, dass die vier prefereti, die vier aussichtsreichsten Kandidaten für die Papstnachfolge, entführt wurden und bis Mitternacht ermordet werden sollen. Gemeinsam versuchen sie, den alten "Pfad der Wissenschaft" der Illuminati durch Rom zu verfolgen, denn an den vier "Altären der Wissenschaft", die als Wegweiser zur "Kirche der Wissenschaft" dienen sollen, sollen die vier Kardinäle ermordet werden.


Brown hat offensichtlich einige Zeit darauf verwendet, für das Buch zu recherchieren, denn sowohl Schauplätze als auch Sehenswürdigkeiten sind detailliert genau beschrieben. Bei der Verfolgungsjagd durch Rom fühlt man sich beinahe wie auf einer Städtetour und bekommt richtig Lust, sich an die entsprechenden Örtlichkeiten zu begeben.
Dank der beiden "Reiseführer" Langdon und Vettra ist es zudem nicht einmal notwendig, selbst mit der Materie oder den Örtlichkeiten vertraut zu sein. Durch Dialoge zwischen den beiden oder gedankliche Monologe wird der Leser mit allem vertraut gemacht.

Die Darstellung der Charaktere ist sehr gelungen. Mit Robert Langdon hat Brown eine Beinahe-Entsprechung zu Indiana Jones geschaffen, einen offensichtlich durchaus "realitätstauglichen", überaus gebildeten Wissenschaftler, der sich nicht nur auf dem Feld der Wissenschaft sondern auch körperlich durchsetzen kann. Gleichzeitig gelingt es dem Autoren, einige erst auf den zweiten Blick handlungsrelevante Charaktere so undurchsichtig wirken zu lassen, dass bis zum Schluss unklar bleibt, wer auf welche Art an der Verschwörung beteiligt ist.

Der Schluss der Nacht und damit beinahe auch des Buches schließlich toppt alles vorher Dagewesene noch einmal. Innerhalb von etwa 100 Seiten werden fast alle vorher quasi als bestätigt geltenden Eindrücke über den Haufen geworfen und das Ganze erhält kurzzeitig sogar einen interessanten Touch Spiritualität.

Ich konnte dieses Buch wirklich kaum mehr aus der Hand legen. Bereits auf den ersten 100 Seiten erzeugt Dan Brown eine Atmosphäre, die einen förmlich an das Buch fesselt. Die Idee selbst ist schon überaus reizvoll, die Geschichte perfekt konstruiert und packend erzählt und die Charaktere liebevoll detalliert gezeichnet. Mit "Illuminati" hat Dan Brown einen neuen Maßstab im Thriller-Bereich gesetzt, der selbst Kollegen wie Tom Clancy oder John Grisham auf die Plätze verweist.

Dringende Empfehlung für alle Thrillerfans.

Sebastian Hirschmann [02.08.2004]

Das Weiße Haus bot schon oft Romanstoff für Bombenattentate, aber das kann man noch steigern: Auch den Vatikan mitsamt Papst einzuäschern, verspricht Spannung satt.

Der Streit zwischen katholischer Kirche und der Wissenschaft ist uralt. Galileo Galilei’s heliozentrisches Weltbild wurde Jahrhunderte lang nicht anerkannt, trotz aller Fakten, die dafür sprachen. Hier setzt der Autor Dan Brown an: Die legendäre Bruderschaft der Illuminaten stand Pate für den deutschen Titel des schon im Jahre 2000 in den USA veröffentlichten Thrillers "Angels & Demons".

Eine uralte Verschwörung von Wissenschaftlern, die Illuminati, die Grund haben die katholische Kirche bis ins Mark zu hassen, bildet den Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Der Konflikt zwischen moderner Forschung und konservativem Glauben wird von Brown zu einer Schnitzeljagd quer durch Rom und Jahrhunderte der Geschichte ausgebaut… Terror und Mord inklusive!


Robert Langdon, amerikanischer Forscher für Kunstgeschichte und Symbolik, wird in das CERN (Erfinder des WWW und berühmtes Forschungszentrum) in Genf gerufen. Er soll bei der Klärung eines Mordes helfen. Der Forscher Leonardo Vetra wurde in seinem Labor ermordet. Er hatte kurz zuvor eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Es gelang ihm, mit einem Teilchenbeschleuniger die Schöpfung bis hin zum Urknall zurück zu simulieren. Dabei entstand die Energiequelle der Zukunft: Er konnte geringe Mengen an Antimaterie erzeugen und lagern. Doch nun ist er tot, ermordet und mit dem Brandzeichen ILLUMINATI auf der Brust versehen. Seine Tochter Vittoria bemerkt, dass der Behälter mit der Antimaterie gestohlen wurde. Außerhalb des CERN kann er nur für 24 Stunden stabilisiert werden. Die geringe Menge reicht bereits aus, um eine Explosion im Größenbereich von 5.000 Tonnen TNT zu verursachen.

Man muss nicht lange suchen: Die beiden werden in den Vatikan beordert, wo derzeit das Konklave zur Wahl des kürzlich verstorbenen Papstes tagt. Der Assassine der Illuminati hat sich gemeldet: Er übernimmt nicht nur die Verantwortung für den Tod des Papstes, nein, er zeigt rotzfrech ein Überwachungskamerabild des Antimaterie-Containers, den er irgendwo in der Vatikanstadt gelagert hat… bloß wo ist die Kamera, wo ist der Container? Die Zeit läuft genau um Mitternacht ab… Explodiert der Behälter, vernichtet er die ganze Vatikanstadt, und sofern man nicht die mit der Papstwahl beauftragten Kardinäle zuvor evakuiert, auch die Führung der Kirche neben den in der Vatikanbank gelagerten Vermögenswerten der Katholiken.

Auf noch perfidere Weise sollen Rache und Sieg der Illuminaten über die Kirche zelebriert werden: Die vier Top-Kandidaten für die Nachfolge des Papstes sind entführt worden, unter den Augen der Schweizergarde, die sie verzweifelt sucht. Der Assassine verspricht, sie medienwirksam jede volle Stunde an öffentlichen Plätzen in Rom zu opfern, versehen mit je einem Brandzeichen der Illuminaten, den vier klassischen Elementen des Altertums (Feuer, Erde, Wasser, Luft). Danach soll als Krönung der Vatikan in die Luft fliegen, gesprengt durch Antimaterie, den Triumph moderner Wissenschaft…

Robert und Vittoria folgen jedoch dem uralten "Pfad der Erleuchtung", den sie im Vatikanarchiv in Galileo’s DIAGRAMMA DELLA VERITA als Gedicht in der damals im gelehrten Vatikan verpönten Sprache der modernen Wissenschaft, Englisch, finden:

From Santi’s earthly tomb with demon’s hole
´Cross Rome the mystic elements unfold.
The path of light is laid, the sacred test,
Let angels guide you on your lofty quest.


Der uralte Aufnahmetest der Illuminaten – in nur wenigen Stunden zu lösen, um das Leben der Kardinäle und die heilige Stadt zu retten. Eine unheimlich spannende Schnitzeljagd durch Rom beginnt… Übrigens, kennt ihr Santi? Er ist euch vermutlich unter seinem Vornamen geläufiger…

MEHR VERRATE ICH HIER NICHT – erweist euch selbst würdig, ein ILLUMINAT zu sein!


Die Mischung aus modernster High-Tech-Wissenschaft und den Verschwörungen der legendären Illuminati-Bruderschaft sowie Kunstgeschichte begeistert! Quer durch bekannte Plätze in Rom hetzten Robert und Vittoria, und jedesmal ist der Assassine ihnen voraus. Besonders toll finde ich: Ich war ja schon einmal in Rom, am Petersplatz, in der sixtinischen Kapelle, am Piazza Navona… und viele Objekte und Standbilder, die in diesem Buch als Teil des geheimen Pfades der Erleuchtung der Illuminaten verwendet werden, habe ich selbst gesehen und berührt. Aber dass man sie so genial in einen Verschwörungs-Thriller einbinden könnte, das hätte ich mir niemals vorgestellt.

Auch die pingelige Haltung der Schweizergarde zu kurzen Hosen ist mir bekannt: Ähnlich Vittoria hatte ich Probleme, in den Vatikan mit meinen Shorts eingelassen zu werden. Als ich mich an der anderen Seite einschlich, wurde ich schließlich persönlich von zwei Gardisten herausgeworfen. Auch Brown hat diese Erfahrung gemacht, er war persönlich in Rom und hatte sogar eine Audienz beim Papst. Er hat gründlich recherchiert und daraus einen unheimlich spannenden und schlüssigen Thriller gemacht. Ich möchte darauf hinweisen, dass weder die katholische Kirche noch die Wissenschaft in diesem Buch dämonisiert oder verteufelt werden. Keine Partei wird hier zum Buhmann gemacht.

Voller Symbolik und versteckter Hinweise steckt der Thriller. Die mystischen Zahlen der Illuminati, auffällige Architektur in Rom, vor aller Augen öffentlich angebrachte geheime Wegweiser – einfach brillant, was Brown sich hat einfallen lassen! Umso genialer, da dieser Wegweiser real existiert und funktionieren kann. Ist Brown etwa selbst ein abtrünniger Illuminat? Besonders lobenswert: Die Spannung bleibt bis zum Schluss erhalten. Ich hatte schon meine Schlüsse über den Verräter im Vatikan gezogen und Janus, das Oberhaupt der Illuminaten, enttarnt. Und doch lag ich total falsch, wie sich schließlich herausstellte…

Die faszinierenden Ambigramme "ILLUMINATI" und die vier Elemente, die auf den Kopf gedreht sich genauso lesen wie umgekehrt, wurden von dem Künstler John Langdon geschaffen. Sie sind wahre Kunst: Dreht das Buch auf den Kopf, und ihr könnt ILLUMINATI, EARTH, FIRE, WATER und AIR genauso lesen wie richtig herum! Die Krönung ist jedoch das sechste Ambigramm, ein Viereck, der legendäre Illuminati-Diamant… aber auch das verrate ich euch hier nicht.


Die Übersetzung ist Axel Merz sehr gut gelungen, das Cover der deutschen Ausgabe ist ebenfalls ein Augenschmaus. Der rote Assassine und der Illuminati-Schriftzug sind erhaben auf das Cover geprägt. Zwei Karten Roms und der Vatikanstadt, die einem ermöglichen der Handlung zu folgen, findet man am Anfang des Buches.

Obwohl sehr viel auf Kunstgeschichte und Historie eingegangen wird, kann jedermann das Buch lesen. Brown lässt Vittoria und Robert unaufdringlich alles erläutern. Schließlich wurde das Buch ja für ein breites Publikum geschrieben. Stilistisch gesehen besteht das Buch aus 137 stets recht kurzen Kapitelchen. Ein anderer Rezensent hat sogar in die Zahl der Kapitel einen tieferen Sinn hineininterpretiert…

Was kann man an dem Buch eigentlich kritisieren? Normalerweise kann ich ja alles madig machen, aber das Buch ist unheimlich spannend und ich habe es in Windeseile durchgelesen. Obwohl mir Verschwörungen und Thriller normalerweise zuwider sind. Mir persönlich missfiel das Ende, die Auflösung aller Rätsel: Es ist nicht ganz auf dem hohen Niveau, das Brown vorgelegt hat und erweitert das Buch um eine ziemlich unglaubwürdige Stunt-Szene.

Aber die Illuminaten, die blendend eingebundene Historie, die feurige Vittoria und der sympathische Robert lassen mir einfach keine andere Wahl: Höchstnote für "Illuminati". Dan Brown hat sich die Messlatte verdammt hoch gelegt. Ich bin gespannt, ob er dieses Buch noch einmal toppen kann!

Homepage des Autors: http://www.danbrown.com

Michael Birke [11.08.2003]

 

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